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Wirtschaft

Märkte unbeeindruckt von EFSF-Herabstufung

Das negative Urteil der Ratingagentur S&P lässt die Märkte offenbar kalt: Sowohl der Rettungsfonds EFSF als auch Griechenland konnten am Markt erfolgreich Anleihen platzieren.

Die Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hält Anleger nicht davon ab, in den EFSF zu investieren. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit sechsmonatiger Laufzeit flossen dem Krisenfonds am Dienstag (17.01.2012) wie angestrebt 1,5 Milliarden Euro zu. Mit 0,266 Prozent bewegen sich die Zinsen sogar auf niedrigerem Niveau als die Rendite der umlaufenden Dreimonatspapiere des EFSF.

Die Versteigerung der in der Vergangenheit nicht immer begehrten EFSF-Schuldverschreibungen war auch hinsichtlich des Kaufinteresses ein voller Erfolg. Die Nachfrage hätte ausgereicht, um das 3,1-fache der Papiere am Markt zu platzieren. Allerdings wäre ein Käuferstreik bei den vergleichsweise kurzlaufenden Titeln auch überraschend gekommen. Denn S&P hatte am Montagabend zwar das langfristige Top-Rating kassiert, kurzfristig genießt der EFSF jedoch weiterhin die Spitzennote.

Auch Börsen kaum beeindruckt

Euromünzen (Foto: dpa)

Problemlose Geldbeschaffung

Auch die Finanzmärkte reagierten am Dienstag kaum beeindruckt auf den Schritt der Ratingagentur. Mit dem Verlust der Top-Bonität sei ohnehin gerechnet worden, sagten Experten einhellig. Der Euro holte nach seinen heftigen Verlusten infolge des S&P-Rundumschlags gegen die Länder der Eurozone weiter auf. Am deutschen Anleihemarkt, der als Fluchtpunkt für sicherheitsorientierte Anleger gilt, gaben die Kurse weiter nach. Die Leitindizes DAX und Eurostoxx bewegten sich deutlich im Plus, was ebenfalls ein klares Signal für steigende Risikobereitschaft an den Finanzmärkten ist.

Auch das hoch verschuldete Griechenland hat am Dienstag mit der Platzierung kurzfristiger Staatsanleihen etwa 1,6 Milliarden Euro eingenommen. Der von den Anlegern geforderte Zinssatz für die Papiere mit einer Laufzeit von 13 Wochen lag bei 4,64 Prozent, wie die Schuldenagentur des Landes mitteilte. Bei einer vergleichbaren Auktion im Dezember wurden mit 4,68 Prozent noch leicht höhere Zinsen fällig. Die Versteigerung war den Angaben zufolge 2,9-fach überzeichnet. Langfristige Anleihen kann der auf internationale Finanzhilfe angewiesene Staat wegen des hohen Ausfallrisikos nicht mehr am freien Markt unterbringen.

Fitch: Griechenland ist pleite

Eine Schere und eine 100-Euro-Note (Foto: DeFodi.de

Fitch: Schuldenschnitt verhindert Griechenlands Pleite nicht

Allerdings muss Griechenland nach Ansicht der Ratingagentur Fitch ohnehin den Staatsbankrott anmelden. Dies werde jedoch voraussichtlich in einem geordneten Prozess passieren, teilte die Agentur am Dienstag mit. "Es wird passieren. Griechenland ist insolvent und muss deshalb die Pleite anmelden", sagte Edward Parker, für Europa zuständiger Abteilungsleiter von Fitch, der Nachrichtenagentur Reuters auf einer Konferenz in Stockholm. Selbst eine freiwillige Gläubiger-Beteiligung könne dies nicht mehr abwenden. Das Schlimmste wäre allerdings ein ungeordneter Prozess. Parker ging jedoch davon aus, dass europäische Politiker dies verhindern werden.

Autor: Rolf Wenkel (mit dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Andreas Becker

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