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Wirtschaft

Märkte im Bann der Terroranschläge

Nach den Terroranschlägen in Paris lassen die Reaktionen der Wirtschaft nicht auf sich warten. Der Deutsche Aktienindex rutscht wie die Asien-Indizes ins Minus, der Euro verliert leicht, die Ölpreise steigen.

Die Terroranschläge von Paris haben dem deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart Verluste eingebrockt. Dabei kamen vor allem Branchen unter Druck, die direkte Auswirkungen des Terrors zu spüren haben - etwa Flug- und Touristikunternehmen oder Versicherungen.

Der Dax fiel in den ersten Minuten um 0,65 Prozent auf 10.638,26 Punkte, nachdem er in der Vorwoche bereits einen Verlust von 2,54 Prozent hatte hinnehmen müssen. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte am Montag 0,70 Prozent auf 20.375,35 Punkte ein. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 1,04 Prozent auf 1765,39 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,68 Prozent nach unten.

Der Euro verliert

Auch der Euro ist unter Druck. Die Gemeinschaftswährung fiel in der Nacht zum Montag zeitweise auf 1,0689 Dollar und notierte damit in Reichweite ihres Sechseinhalb-Monats-Tiefs vom vergangenen Dienstag. Am Montagmorgen ging es mit der Gemeinschaftswährung wieder leicht bergauf. Sie kostete 1,0730 US-Dollar und damit etwas weniger als vor den Attacken am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,0764 US-Dollar festgesetzt.

Frankreich Gedenken nach Terroranschlag am Platz der Republik

Menschen in Paris gedenken der Opfer und sind verunsichert.

Die Verunsicherung durch die Terrorserie in der französischen Hauptstadt übe tendenziell Druck auf den Euro aus, schrieb Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). "Insofern dominiert das Risiko erneuter Verluste." Bislang ist die Kursbewegung aber vergleichsweise gering.

Erste Reaktionen der Ökonomen

Insgesamt blieben die Reaktionen an den Finanzmärkten auf die Terroranschläge in Paris bislang begrenzt. Ökonomen rechnen mit geringen Auswirkungen auf die globale Konjunktur. "Solange die Anschläge von Paris nicht der Beginn einer fortgesetzten Reihe von Anschlägen sind, gehen wir davon aus, dass die makroökonomischen Auswirkungen begrenzt und von kurzer Dauer sein werden", erklärte Malcolm Barr, Analyst bei der Bank JP Morgan.

Noch sei nicht klar, ob die Attentate auch negative Folgen für die Wirtschaft hätten, sagte Shunsuke Yamada von der Bank of America Merrill Lynch. Die Leute könnten zum Beispiel weniger ausgehen und konsumieren. "Zudem haben auch die geopolitischen Risiken zugenommen", ergänzte er. Frankreich habe ja bereits auf die Anschläge reagiert. Die französische Luftwaffe flog in den vergangenen Tagen ihre bislang schwersten Angriffe auf Stellungen der Extremisten-Miliz Islamischer Staat in Syrien.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann rechtfertigen die Anschläge jedoch keine Euro-Verkäufe: "Anders als nach dem 11. September 2001 muss die Geldpolitik nicht reagieren. Denn anders als damals steckt der vom Terror betroffene Währungsraum nicht in einer Rezession, die durch etwaige kurzfristige Konsumzurückhaltung verschlimmert werden könnte", schrieb der Experte in einem Kommentar.

Schon vor den Pariser Attentaten am Freitag war der Euro vor allem wegen der Aussicht auf eine anhaltend ultralockere Geldpolitik im Euro-Raum unter die Räder gekommen. Gleichzeitig setzen immer mehr Anleger auf steigenden Zinsen in den USA, was Investitionen im Dollar-Raum attraktiver macht.

Ölpreise leicht gestiegen

Ebenfalls vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris stieg am Montag der Ölpreis. In Singapur kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzmarke West Texas Intermediate zur Lieferung im Dezember 40,93 Dollar (37,98 Euro) und damit 19 Cent mehr als am Freitag. Die Nordseesorte Brent kostete pro Barrel 44,77 Dollar, 30 Cent mehr als am Freitag.

Syrien Frankreich Luftangriffe auf Raqqa

Frankreich hat Luftangriffe verstärkt. Ziel war die Dschihadisten-Hochburg Rakka in Syrien.

"Da Frankreich beginnt, seine militärischen Aktivitäten in der betroffenen Region zu verstärken, könnte die Preisentwicklung für den Rest der Woche eher nach oben zeigen", sagte Daniel Ang von der Investmentfirma Phillip Futures in Singapur. Allerdings werde diese Entwicklung nur kurze Zeit anhalten, da weiterhin ein großes Überangebot an Rohöl bestehe.

Händler hatten einen Anstieg der Ölpreise bereits am Sonntag vorausgesagt, da eine Verschärfung des Syrienkonflikts – angesichts eines erwarteten verstärkten Eingreifens Frankreichs – die Angebotsseite belasten könnte. Am Freitag waren die Ölpreise zunächst auf den tiefsten Stand seit Ende August gefallen. Die Gründe: US-amerikanische Ölvorräte waren stärker als erwartet gestiegen und der US-Einzelhandel verbuchte überraschend schwach gestiegenen Umsätzen.

Asiatische Börsen sacken ab

Die Börse in Tokio hat am Montag in Reaktion auf die Terroranschläge in Paris und enttäuschende Konjunkturdaten für Japan nachgegeben. Der Tokioter Leitindex Nikkei verlor bis zum Mittag rund ein Prozent auf 19.395 Punkte. Er büßte damit fast seine ganzen Gewinne aus der Vorwoche wieder ein.

Auch an den anderen Handelsplätzen in Asien ging es bergab. Die chinesische Börse in Shanghai verlor 0,5 Prozent. Der Markt in Hongkong lag 1,6 Prozent tiefer. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab 1,2 Prozent nach.

iw (rtrs, dpa, afp)

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