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Kultur

Märchenstunde in Israel

Auch in Israel sind Video- und Computerspiele bei vielen Jugendlichen Gesprächsthema Nummer eins. Und der Fernseher läuft oft mehrere Stunden am Tag. Trotzdem hat Christiane Willms Erfolg mit alten Geschichten.

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Der Zauber wirkt noch immer

Es ist ein ganz besonderer Abend im Stadttheater von Givatajim, einer Kleinstadt bei Tel Aviv. Eine lange Schlange steht an der Kasse an; junge und alte Leute begrüßen sich. Im Foyer hört man viele deutsche Stimmen. Im Hof wurde ein Zelt aufgebaut, in dem Tee und arabisches Gebäck serviert werden und aus dem kleinen Theatersaal im Untergeschoss dringt orientalische Musik.

Die deutsche Sheherazade

Auf die Bühne tritt eine junge Frau in einem eleganten engen grünen Kleid. Sie hat langes schwarzes Haar und sieht überhaupt aus, wie Sheherazade, die Märchenerzählerin aus "Tausend und eine Nacht". An diesem Abend ist sie es auch. Denn Christiane Willms erzählt Märchen:

Sheherazade war im höchsten Maße belesen und klug. Sie hatte die Werke, die Bücher, die Legenden und Berichte der alten Weisen und der alten Könige gelesen. Aus dem ganzen Orient und darüber hinaus die Geschichten längst vergangener Helden und die Werke der Dichter und kannte sie alle auswendig. Man sagte, dass sie mit ihren Erzählungen einen jeden im höchsten Maße fesselte und bezauberte. Und sie war zuvorkommend und angenehm, klug und scharfsinnig und völlig unerschrocken.

Volksmärchen als Kulturgeschichte

Zwei Stunden lang unterhält Christiane Willms ihr Publikum mit orientalischen Märchen und Geschichten. Ihr Repertoire umfasst aber viel mehr als das. "Ich erzähle hauptsächlich Volksmärchen aus der ganzen Welt, aus verschiedenen Kulturen, und ich bin nicht nur an Märchen interessiert sondern auch an den Kulturen und den Völkern, die diese Märchen überliefert haben." Sie lasse sich diese Geschichten auf ihren Reisen erzählen oder lese sie in Sammlungen, sagt Christiane Willms. "Diese Volksmärchen, die über Jahrhunderte überliefert wurden, erzählen mir unglaublich viel von den Völkern. Da ist ein riesiger Reichtum in diesen Geschichten."

"Innere und echte Bilder"

Eigentlich ist Christiane Willms Grundschullehrerin. In der Sprecherziehung, die Teil ihrer Ausbildung an der Universität Münster war, machte sie zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem ungewöhnlichen Metier des Märchen-Erzählens. Sie setzte das Märchen-Erzählen im Unterricht ein und später machte sie es sogar zu ihrem Beruf.

Die Märchen aus "Tausend und eine Nacht", die sie in Israel mit viel Erfolg erzählt, liebt sie besonders. "Ich habe, als ich zehn Jahre alt war, von meinen Eltern mein erstes Buch von "Tausend und eine Nacht" von meinen Eltern geschenkt bekommen. Da habe ich mich in die Geschichten verliebt", erzählt Christiane Wilms.

In Israel tritt sie meist in englischer Sprache auf, denn ihre Sprachkenntnisse reichen noch nicht aus, um auf Hebräisch zu erzählen. Aber auch für die deutsch-sprachige Gemeinschaft steht Christiane Willms zur Verfügung. Sie tritt auf Kindergeburtstagen, bei Partys und in Altersheimen auf - wo immer man sie hören will. Und man will sie hören. "Die Menschen haben einfach einen Hunger nach inneren und echten Bildern und nicht mehr nach diesen äußeren Bildern, die uns vom Fernsehen entgegen geworfen werden, die aber nicht unsere eigenen sind", erklärt Christiane Willms die Sehnsucht nach Geschichten.

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