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Sport

Märchen ohne Happy End

Im Finale war alles anders. Zum ersten Mal bei dieser WM spielte Deutschland überzeugend .... und verlor: 0:2 gegen Brasilien. Yokohama: das versöhnliche Ende eines nicht unbedingt erfreulichen Turniers.

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Matchwinner und Torschützenkönig: Ronaldo

Ende gut, alles gut. Oder? Diese WM war der wohl beste Beweis, dass man es auch mit bescheiden Bordmitteln - Stichwort: Athletik statt Ästhetik - weit bringen kann. Zwar gab es für die Deutschen beim Turnier in Japan und Südkorea nur einen wirklichen Gegner - aber der war nicht irgendwer. Mit dem Sieg über Brasilien wurden die Jungs von Rudi Völler ungeschlagen Weltmeister - eine Leistung, die nicht unbedingt zu erwarten war.

Insgesamt aber ist ein Umdenken angesagt. WM steht mittlerweile für Welt-Mittelmaß. Weltmeisterlich war nur einer

Kahn am Boden

Tragischer Held: Oliver Kahn

im ganzen Turnier: "Dschingis" Kahn - der Drachentöter im deutschen Tor. Obwohl: so viel Feuer wurde nun wirklich nicht gespien. Das Niveau der 17. Fußball-WM charakterisiert die Entwicklung des Welt-Fußballs. Die schon vor Jahren prophezeite "Leistungs-Verdichtung" hat tatsächlich stattgefunden. Nur anders als vorhergesagt.

Taktik statt Qualität

Die Spitze ist nicht breiter geworden - sondern stark abgeflacht. Stark angewachsen ist dafür das Mittelfeld. Inzwischen sind viele Mannschaften gut genug um ein Viertelfinale oder mehr zu erreichen - aus eigener Kraft, oder weil die anderen nicht mehr in der Lage sind, das zu verhindern. Und vor allem sind viele gut genug, vermeintliche Favoriten ein Bein zu stellen und am Weiterkommen im Turnier (oder gar am Erreichen der Endrunde) zu hindern.

Dennoch: unterm Strich hat diese WM dem Fußball nicht wirklich etwas gebracht. Beispiel: die Afrikaner - die sich vor 20 Jahren anschickten die Fußballwelt zu erobern. Sie waren eine einzige Enttäuschung. Wo ist sie geblieben, die unbekümmerte Frische? Klar: Sie ist eingekerkert in "taktische Zwänge". Afrikaner, die disziplinierten Sicherheitsfußball spielen: die Analytiker mögen begeistert sein, die Zuschauer langweilen sich nur noch.

Positive Überraschung: die Türkei

Und die Asiaten? Über die Saudis braucht man keine Worte zu verlieren, die Japaner haben das gebracht, was man von ihnen erwarten konnte. Bei den Südkoreanern, die nun wirklich stark agiert haben, bleibt wohl abzuwarten, was sie wert sind, wenn sie mal aus dem eigenen Gehege herauskommen. Wenig überzeugend auch die Amerikaner - ob aus Nord, Mittel oder Süd. Natürlich sind die Brasilianer immer noch Ballartisten, aber der Sehwert ist eindeutig geringer geworden. Alle anderen - Ausnahme: die US-Boys, die eine mehr als ansehliche Leistung boten - waren bestenfalls Turnier-Staffage.

Bleibt Europa. Neben dem Auftreten der Deutschen muss da vor allem das Abschneiden der Türkei erwähnt werden. Es tut sich doch noch etwas auf dem alten Fußball-Kontinent. Die Türken haben, nicht nur vom Resultat her, sondern auch in spielerischer Hinsicht, bewiesen, dass mit ihnen in Zukunft zu rechnen ist.

Ansonsten bleibt als Fazit nur die Hoffnung, dass die Übertragungsrechte auch bei künftigen Turnieren so vergeben werden, dass der Mehrzahl der Zuschauer die Mehrzahl der müden Spiele zwischen ausgelaugten Kickern erspart bleibt.

Autor: Wim Abbink
Redaktion: Kay-Alexander Scholz