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Politik

Männer, zum Mars!

Sie sind ein Mann, sind zwischen 35 und 55 Jahre alt, haben sehr viel Zeit, sind WG-tauglich und leiden nicht unter Platzangst? Dann wartet auf Sie möglicherweise ein interplanetares Angebot.

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Rosaviakosmos, die russische Raumfahrtbehörde, wird demnächst sechs Freiwillige suchen, die sich einem etwa 500 Tage andauerndem Langzeitversuch unterziehen sollen: Einem simulierten Flug zum Mars in einem Raumschiffmodell. Das heißt, die Probanden müssen rund anderthalb Jahre auf engstem Raum ohne direkten Kontakt zur Außenwelt aushalten und vor allem miteinander auskommen. Herausfinden wollen die russischen Wissenschaftler, wie sich ein Langzeitaufenthalt in der Raumkapsel, auf Gesundheit und Psyche der Kosmonauten auswirkt.

Bereits Anfang 2006 soll das Experiment im "Weltraum"-Container starten. Zwar ist noch nicht ganz klar, wer sich für den Testflug am Boden bewerben kann, doch Frauen will die russische Raumfahrtbehörde offenbar nicht dabei haben. Für "zu zart besaitet", hält zumindest Anatoli Grigorjew, Direktor des Instituts für medizinisch-biologische Forschung, das weibliche Geschlecht.

Vorbild

Da ergeben sich, zumindest für den Raumfahrt-Laien, einige Fragen: Vertritt der Herr Grigorew da die Mehrheitsmeinung, oder handelt es sich möglicherweise um die Meinungsäußerung eines russischen Durchschnitts-Machos?

Immerhin war die Sowjetunion jahrzehntelang nicht nur in der Raumfahrt, sondern auch in der Gleichberechtigung der Geschlechter zumindest auf der unteren Ebene führend. Die sowjetischen Frauen waren zwar in leitenden Positionen ebenfalls unterrepräsentiert, durften aber selbstverständlich in der Industrie und auf dem Bau schwerste Männerarbeiten verrichten. Auch wenn die russischen Frauen in der Regel ihre Weiblichkeit sehr betonen, sollte man dies nicht als Schwäche missverstehen. Wer jemals den Mutterflüchen einer russischen Trolleybusfahrerin im Moskauer "Stop-and-no-go"-Verkehr gelauscht hat, wird kaum auf die Idee kommen, die Frau am Steuer als "zart besaitet" zu empfinden.

Mischung macht's

Doch sollte Rosaviakosmos tatsächlich nur Männer für die Mars-Mission am Boden nominieren, stellt sich die Frage, ob das schlau ist? Der Raumfahrtexperte Leonid Gorschkow hat diese Frage bereits vor zwei Jahren in einem Interview verneint. Es sei unter den Spezialisten kein Geheimnis, dass eine gemischte Mannschaft die Belastungen einer Mission zum Mars viel besser vertrage. "Schließlich schaffen Frauen, die sich innerhalb eines Männerkollektivs richtig verhalten, ein stabiles psychologisches Klima."

Vielleicht wäre die russische Raumfahrtbehörde also besser beraten, den Pilotversuch am Boden gleich mit zwei Mannschaften in zwei Raumschiff-Modellen zu starten - einer reinen Männergruppe und einem gemischten Team. So könnte man vielleicht die Frage klären, in welcher Zusammensetzung es sich am idealsten zum Mars fliegen lässt. Den weiblichen Probandinnen könnte man für den Bodenversuch eine Notoption (Hilfe, ich bin zu zart besaitet, holt mich hier raus) offenlassen, falls das mit den Männern im Raum-Container nicht klappt.