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Wissen & Umwelt

Mädchen fühlen sich zu dick - Jungen sind es

Viele Mädchen weltweit halten sich für übergewichtig, sind es aber nicht. Abnehmen sollten eher die Jungs. Das und noch mehr Spannendes zum Gesundheitsverhalten von Jugendlichen hat jetzt die WHO veröffentlicht.

Wer wissen will, wie Jugendliche in der entwickelten Welt ticken, der sollte sich die jüngste Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum "Gesundheitsverhalten von Kindern im Schulalter" (HBSC) anschauen.

Dafür befragte die WHO rund 220.000 Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren in 42 Ländern Europas sowie in Israel, Russland, Kanada und Grönland. Die Studie, die am 15. März 2016 in Paris veröffentlicht wurde, ist hier auf den Seiten der WHO abrufbar.

Dabei geht es nicht nur um Gewicht oder Suchtmittelkonsum der Jugendlichen, sondern um deren gesamte Lebenssituation: von der Kommunikation mit den Eltern, über Stress und Bullying an der Schule bis zu Ernährung, Freizeitverhalten, Sport und Zähneputzen.

Die WHO warnt ausdrücklich davor, aus den Zahlen wilde Korrelationen zu entwickeln und falsche Kausalitäten zu konstruieren. Also: Am besten selbst reinschauen und verstehen. Für die anderen gibt es hier schon mal ein paar Appetithappen.

Übergewicht - in echt und eingebildet

Mehr Jungs als Mädchen sind übergewichtig. In Kanada, Griechenland und Zypern bringen über 30 Prozent der 15-jährigen Jungs zu viel Pfunde auf die Waage. In großen Teilen Europas, darunter Deutschland, sind immerhin mehr als ein Fünftel aller Jungen zu dick.

Bei den 15-jährigen Mädchen hingegen sind lediglich in Kanada, Grönland und Zypern ein Fünftel oder mehr der Mädchen übergewichtig. Trotzdem glaubt in fast allen befragten Ländern über ein Drittel der Mädchen, sie müssten dringend abnehmen.

Infografik Mädchen und Jungen: Wahrheit und Wahrnehmung Übergewicht

Ich kann mit Mutter gut reden, aber nicht mit Vater

In Albanien, Griechenland, Ungarn und Armenien fühlen sich prozentual die meisten Jugendlichen von ihrer Familie unterstützt. In allen Fällen sagte ein überwältigender Anteil der Jungen als auch der Mädchen (86 bzw. 91 Prozent), dass sie mit der Mutter gut reden könnten. Schwieriger sieht es bei Gesprächen mit dem Vater aus: Nur 54 Prozent der 15-jährigen Albanerinnen fällt es eigenen Aussagen nach leicht, mit dem eigenen Vater zu kommunizieren. Bei Jungen liegt der Wert bei 81 Prozent. Am wenigsten von ihren Familien unterstützt sehen sich Jugendliche in Grönland und der Ukraine.

Frühstück, Abendessen und gute Ernährung

In portugiesischen, albanischen und italienischen Familien hat das gemeinsame Abendessen noch einen hohen Stellenwert - ganz anders in Polen, Finnland, der Tschechischen Republik und der Slowakei: diese Länder rangieren am unteren Ende der gemeinsame-Abendessen-Skala.

Wo viel gemeinsam gegessen wird, liegt offensichtlich immer viel frisches Obst auf dem Teller, denn Spitzenreiter bei den obstessenden Jugendlichen sind Armenien, Albanien, Portugal und Italien. Portugal ist auch Spitzenreiter beim regelmäßigen Frühstück.

Fernsehen, Internet und Sport müssen sich nicht ausschließen

"Jugendliche treiben zu wenig Sport, weil sie nur noch vorm Fernseher sitzen" - so lautet ein häufiges Vorurteil. Die WHO-Studie lässt vermuten, dass das so nicht stimmt. Obwohl italienische Jugendliche in der Sportlichkeitsskala neben den Israelis den zweitletzten Platz belegen, verbringen sie kaum Zeit vor dem Fernseher. Die Jugendlichen in der Republik Moldau sind hingegen Spitzenreiter beim Fernsehen - aber gleichzeitig auch beim Sport.

Viel vor der Glotze sitzen auch bulgarische, niederländische und albanische Jugendliche. Die portugiesischen, irischen, schweizerischen, isländischen und slowenischen Jugendlichen mögen das Fernsehen indes nicht besonders.

Moldawische Jugendliche nutzen kaum elektronische soziale Medien, um mit ihren Freunden in Kontakt zu treten. Noch weniger angetan von Facebook & Co. sind nur rumänische und tschechische Jugendliche. Richtig besessen von sozialen Medien sind indes die Jugendlichen in Mazedonien, Bulgarien, Österreich, der Ukraine und Russland.

Heftig trinken versus häufig trinken

Insgesamt zeigt die Studie im Vergleich zu den Vorjahren einen Rückgang von Alkohol- und Tabakkonsum bei Jugendlichen. Rauchen und Saufen sind offensichtlich nicht mehr so cool wie früher. Trotzdem rauchen noch viele 15-Jährige, vor allem in Grönland, Frankreich, Italien, Ungarn und Kroatien. Auch in Deutschland rauchen bis zu 20 Prozent der 15-jährigen Mädchen und bis zu 15 Prozent der Jungs. Kaum noch geraucht wird in dieser Altersklasse nur in Kanada, Island, Norwegen und Armenien.

Obwohl auch in Israel Jugendliche kaum rauchen, liegt das Land beim regelmäßigen Alkoholkonsum recht weit oben - hinter Bulgarien, Malta, Rumänien und Albanien. Geht es um die Frage, ob sich 13-15-Jährige schon einmal richtig heftig besoffen haben, rücken Dänemark und Litauen in die Spitzengruppe auf.

Kiffen und Sex ergänzen sich

In der Tschechischen Republik haben viele 15-Jährige schon mal gekifft - dort haben auch relativ viele 15-jährige Mädchen schon erste sexuelle Erfahrungen gemacht. Anders herum: In Armenien, der Republik Moldau und Albanien hatten erst wenige Jugendliche Erfahrungen mit Cannabis; in diesen Ländern hatten auch wenige Mädchen dieser Altersgruppe schon Sex.

Die Niederlanden liegen - entgegen etwaiger Erwartungen - beim Thema kiffende Jugendliche übrigens nur im Mittelfeld. Stattdessen sind die Spitzenreiter Frankreich und Kanada. Viele 15-jährige Mädchen mit sexuellen Erfahrungen gibt es der WHO-Studie zufolge in Großbritannien. Gerade dort ist aber die Nutzung von Kondomen unterdurchschnittlich verbreitet.

Gewalt und Zufriedenheit

Spannend ist auch der Blick nach Belgien, in den flämischen und den wallonischen Landesteil. Während sich im französischsprachigen Teil des Landes unter den 11-Jährigen immerhin 11 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen in letzter Zeit geprügelt haben, geht es an flämischen Schulen deutlich ruhiger zu: Dort haben sich nur 2 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen dieser Altersgruppe jüngst geschlagen.

Die wallonischen Jugendlichen sind gleichzeitig insgesamt etwas zufriedener als die flämischen. An allgemeiner Unzufriedenheit kann also der rauhe Umgang im Klassenzimmer nicht liegen - oder doch? Übrigens: Wer glaubt, dass Reichtum glücklich macht - stimmt nicht! Die zufriedensten Jugendlichen gibt es in Albanien, Armenien und der Republik Moldau - allerdings auch in den Niederlanden.

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