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Fußball

Mädchen erobern den Schulhof

Fußball wird bei Mädchen immer beliebter – das zeigen Studien, aber auch die stetig wachsende Zahl von Neuanmeldungen in den Fußballvereinen. Schon in der Grundschule lassen sich Mädchen für Fußball begeistern.

Schülerinnen der Klassen 5-7 der 25. Mittelschule in Dresden trainieren am 04.04.2011 bei einem Pressetermin anlässlich der Weltmeisterschaft 2011 im Frauenfußball in Deutschland. Immer mehr Mädchen begeistern sich für Fußball. In den vergangenen sechs Jahren habe die Zahl der kickenden Frauen und Mädchen in Thüringen um mehr als 2000 auf derzeit genau 7572 Vereinsmitglieder zugenommen. (Foto: Arno Burgi/lth)

"Fußball ist so einfach. Nur ein Ball, man geht auf den Platz und schon geht es los." Marlies Pesch-Krebs sieht das mit großer Freude jeden Tag. Sie ist Schulleiterin der Duisburger Grundschule Kunterbunt und bietet ihren Schülerinnen ein Fußballprojekt an. "Mädchen mittendrin" weckt schon bei den Kleinsten das Fußballfieber. In ihrer vertrauten Umgebung lernen die Mädchen Technik und Taktik des Spiels, zusätzliche Kosten entstehen für ihre Eltern nicht. Die Angst vor dem Ball sei zwar für manche eine Hürde, räumt Pesch-Krebs ein. "Aber wenn sie die überwunden haben, sind sie mit genauso großer Begeisterung dabei wie die Jungs."

Sport steigert das Selbstbewusstsein

Prof. Dr. Werner Schmidt, Universität Duisburg-Essen bei der Frauenfußball-Konferenz NRW 2011 (Foto: Andrea Bowinkelmann, Copyright: LSB NRW)

Schmidt: Sport und Bildung gehören zusammen

Sportunterricht in den Grundschulen spielt aber nicht nur für die körperliche Entwicklung eine besondere Rolle, sagt Werner Schmidt von der Universität Essen-Duisburg, der sich auf die Schulsportforschung spezialisiert hat. Kinder egal welchen Geschlechts sollten so früh wie möglich sportlich aktiv werden. "Nicht erst in der Schule, sondern schon im Bewegungskindergarten." Dann gebe es für alle Jungen und Mädchen eine relativ große Chance, "das Wohlbefinden, die Gesundheit und das Selbstwertgefühl zu verbessern und durch Aktivität und Neugierde einen Beitrag zu einer besseren Bildung für alle zu leisten."

Dabei gibt es entgegen früherer Thesen keinerlei Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen in Bezug auf die sportliche Entwicklungsfähigkeit, betont Schmidt. Die lange Zeit von Männern dominierte Sportart Fußball habe mittlerweile einen Beitrag dazu geleistet, die Rolle der Frau aufzuwerten. "Dann ist es ja wiederum gut, wenn über Schule und Verein und gesellschaftliche Entwicklung der Sport insgesamt und der Fußball ihren speziellen Beitrag leisten." Mädchenfußball emanzipiert schon die Grundschülerinnen.

I-Dötzchen lernen kicken

Das kann auch Schmidts wissenschaftliche Mitarbeiterin Katharina Althoff bestätigen, die das Schulprojekt "Mädchen mittendrin" teilweise koordiniert – unter anderem in Duisburg. "Auf einmal erobern die Mädchen auch den Schulhof", hat sie beobachtet. Mädchen spielen gemeinsam mit den Jungen. "Sobald das erste Mädchen einen Jungen getunnelt hat oder Ähnliches, ist die Anerkennung voll da."

Schülerinnen der Klassen 5-7 der 25. Mittelschule in Dresden trainieren in der Halle. (Foto: Arno Burgi/lth)

Erst mit den Mädels üben, dann auf dem Schulhof die Jungen tunneln

Das Projekt richtet sich vor allem an Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren in sozial benachteiligten Stadtgebieten. Es soll die Brücke schlagen von der Schule zum Sportverein – über AGs und Fußballturniere. Aber noch etwas ist den Initiatoren wichtig: Die Fußball-Assistentinnen-Ausbildung, erklärt Althoff. "Weil wir gemerkt haben, dass weibliche Vorbilder im Fußball fehlen und dass es gerade in den Vereinen nur wenige Trainerinnen gibt." Mithilfe einer Übungsleiter-Ausbildung erhoffen sich die Projektleiter, dass Mädchen auch langfristig motiviert werden, im Trainerbereich aktiv zu bleiben.

Mädchenfußball in der Schule war lange undenkbar

Bundestrainerin Silvia Neid lacht vor dem Spiel. (Foto: Sebastian Widmann/dapd)

Bundestrainerin Neid ist auch Vorbild für Trainerinnen

Besonders in muslimischen Familien wird vorausgesetzt, dass die Mädchen von weiblichen Trainerinnen ausgebildet werden, die sind aber oft unterrepräsentiert. An Grundschulen ergeben sich solche Probleme noch nicht – erst nach der Pubertät, sagt die Duisburger Schulleiterin Pesch-Krebs. Die über 60-Jährige hat selbst ein Sportabitur absolviert, damals noch mit einer rein gymnastischen Ballkür als Prüfung.

"Mädchenfußball wäre da überhaupt nicht denkbar gewesen", erinnert sie sich und staunt über die Entwicklung, die der Frauenfußball in der letzten Zeit genommen hat. "Wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes am Ball bleiben. Ich glaube, dass gerade in den Migrantenmädchen, die oft – genauso wie die Jungen – sportlich sehr leistungsstark sind, noch ganz viele Potentiale stecken." – Was in jeder Pause zu sehen ist. Denn nicht nur Wertschätzung und Selbstbewusstsein, auch die soziale Integration wird durch Fußball auf dem Schulhof jeden Tag ein bisschen mehr gestärkt.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Arnulf Boettcher

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