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Kultur

Mädchen auf der Flucht vor der Zwangsehe

Im westafrikanischen Benin müssen viele junge Mädchen fürchten, zur Ehe mit wildfremden Männern gezwungen zu werden. Denjenigen, die davor Reißaus nehmen, hilft das Mädchen-Internat von Schwester Marie-Regina.

Hütten auf Pfählen im Wasser

Das Pfahldorf Sotchanhoué ist Heimat des "Centre Maria Goretti"

Mädchen an Nähmaschine

Die Internatsschülerinnen werden im Nähen oder Frisieren unterrichtet

Vom Boot aus erscheint das Pfahldorf Sotchanhoué wie eine ruhige Insel in einem Meer aus Seehyazinthen. Knapp dreißig Kilometer trennen die Wirtschaftsmetropole Cotonou von der Anlegestelle am Nokoué-See, und das Großstadtgetümmel scheint sehr weit weg zu sein. Ausgerechnet diesen nur mit einer Piroge erreichbaren Ort hat sich Schwester Marie-Regina ausgesucht, um 1986 vor Anker zu gehen. Seit über zwanzig Jahren leitet sie das Zufluchtsheim Maria Goretti für zwangsverheiratete Mädchen.

Die Schlauen flüchten

Im westafrikanischen Benin sieht das Gesetz vor, dass ein Mädchen erst ab 20 Jahren heiraten darf. In der Praxis sind Zwangs- und Frühehen in mindestens zehn der zwölf Regionen des Landes allerdings keine Seltenheit. Obwohl die Tendenz dank der langjährigen Aufklärungsarbeit vieler NGOs eher rückläufig ist, werden immer noch viele Mädchen unter 18 zwangsverheiratet. Die Betroffenen finden in Heimen wie dem "Centre Maria Goretti" im südbeninischen Sotchanhoué Zuflucht. Dort nimmt sie Schwester Marie-Regina in Schutz und bietet ihnen hauswirtschaftliche Ausbildung und somit einen besseren Start ins Leben.

Der Impuls zur Zwangsverheiratung kommt nicht unbedingt von den Eltern der Mädchen. Mitunter werden sie gedrängt von Verwandten oder Bekannten, deren Freunde es gerne hätten, dass ein Mädchen zu ihnen zieht. Beide Familien nähern sich an, ohne dass das Mädchen es erfährt. Es passiert oft, sobald das Mädchen geschlechtsreif geworden ist. "Diejenigen, die schlauer sind, kommen vor der Hochzeit zu uns", sagt Schwester Marie-Regina. "Aber die Anderen, die gar nichts ahnen oder ganz plötzlich zwangsverheiratet wurden, verlassen ihren Mann, um zu uns zu kommen, wenn sie ihren Ehemann nicht mögen. Manchmal werden sie festgebunden oder gefesselt zu ihrem Bräutigam gebracht. Dann bemühen sie sich, möglichst schnell zu entkommen."

Zusammenarbeit mit Behörden

Schwester Marie-Reginas Schützlinge sind zwischen 12 und 18 Jahre alt. Tag und Nacht stehen ihnen die Türen des "Centre Maria Goretti" offen. Meistens kommen die Mädchen aus Nachbardörfern, manchmal aber auch von weiter entfernt. Als Erstes werden sie von einem Arzt untersucht, der ihren allgemeinen Gesundheitszustand prüft. Manchmal wird dabei ein ärztliches Attest über die Feststellung einer Körperverletzung erstellt. In Zusammenarbeit mit den Zivilbehörden leiten die Schwestern dann Ermittlungen ein. Die Behörde schickt den Eltern eine schriftliche Aufforderung zu einer Gegenüberstellung mit ihrer Tochter.

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