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Geschichte

Mächtiger Imperator - Otto der Große

Die Zeit mittelalterlicher Kaiser und Könige läge für uns im Nebel der Vergangenheit, wären da nicht immer wieder Museen, die sich mit den Großen der Geschichte beschäftigten. Wie zum Beispiel das Magdeburger Museum.

Otto der Große war bis zu diesem Wintertag noch nie in Rom gewesen. Und doch nimmt sich der ostfränkische König kaum Zeit, die Ewige Stadt ausgiebig zu bewundern, er hat anderes zu tun. In nur zwei Tagen schafft der Mann aus den fernen deutschen Landen alle politischen Voraussetzungen dafür, dass Papst Johannes XII. ihn im Petersdom zum Kaiser krönt. Es ist der 2. Februar des Jahres 962, und dieses Datum hat - es gibt nur wenige Momente, von denen wir das wirklich behaupten dürfen - den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusst. Denn Otto gelang mit diesem Schritt nicht weniger als die Erneuerung des abendländischen Kaisertums, das nun für viele Jahrhunderte mit dem deutschen Königtum untrennbar verbunden blieb.

Ausstellungsstück: Ein Gebetbuch aus dem Besitz von Karl dem Kahlen, 9. Jahrhundert.

Ausstellungsstück: Ein Gebetbuch aus dem Besitz von Karl dem Kahlen, 9. Jahrhundert

Respektlos, rebellisch

Die Geschichte Ottos I. - der seit der Einschätzung des späteren Geschichtsschreibers Otto von Freising in der deutschen Geschichte als "Otto der Große“ firmiert - war aber keineswegs von Beginn an eine Erfolgsgeschichte. Nachdem er mit 23 Jahren in Aachen zum König gewählt worden war, begannen eigentlich schon die zahlreichen Krisen, die seine Regentschaft zunächst einmal prägen sollten. Mit beinahe allen Verwandten geriet der junge Herrscher in Konflikt. Vor allem sein Bruder Heinrich wollte die eigenen Ambitionen auf den Thron nicht begraben und beteiligte sich später sogar an einer weitreichenden Verschwörung gegen Otto. Sodann vergraulte der König viele Große des Reiches, weil er sich zur Sicherung seiner Macht immer wieder energisch beispielsweise in die Besetzung einflussreicher Positionen einmischte. Die spärlichen Quellen dieser Zeit legen dabei den Eindruck nahe, dass es der Regent wohl auch am nötigen Geschick vermissen ließ - er scheint vor allem die Ehre und den Rang der adligen Zeitgenossen zuweilen nicht ausreichend respektiert zu haben.

Sieg auf dem Lechfeld

Zu den innenpolitischen Konflikten kam bald die äußere Bedrohung des Reiches durch den Einfall der Ungarn. Als Otto aber an der Spitze eines Heeres mit Truppen aus allen Teilen des Reiches am 10. August 955 die Feinde in der legendären Schlacht auf dem Lechfeld besiegte, stand er - fast 20 Jahre nach seiner Thronbesteigung - als König unangefochten da, als geachteter Retter des Vaterlandes. Und die ottonische Herrscherfamilie konnte jetzt ihre ganze Macht ausspielen und langfristig sichern, die im wahrsten Sinne dann noch durch die Kaiserwürde gekrönt wurde.

Kaisersiegel Ottos des Großen

Kaisersiegel Ottos des Großen

Magdeburg und der Kaiser

Dass heute Otto I. und die Ottonen mehr denn je im Rampenlicht einer interessierten Öffentlichkeit stehen, verdanken sie maßgeblich dem Kulturhistorischen Museum in Magdeburg. Dort wurde nach der deutschen Vereinigung das Erbe dieser Geschichte neu entdeckt, und die Stadt, die von Otto geliebt und gefördert wurde, kann man getrost als Mittelpunkt der aktuellen Ottonen-Rezeption bezeichnen. Im Magdeburger Dom ist Otto der Große beigesetzt, und im Kulturhistorischen Museum wurden bereits große und erfolgreiche Ausstellungen gezeigt: "Otto der Große, Magdeburg und Europa“ (2001) und " Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 962-1806“ (2006).

Jetzt wird die Trilogie anlässlich des 1100. Geburtstags Ottos des Großen mit der Darstellung "Otto der Große und das Römische Reich“ abgeschlossen. Den Ausstellungsmachern geht es nun nicht mehr nur um die Wirkung Ottos auf den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte, sondern sozusagen um die Geschichte der Geschichte: Sie fragen danach, wieso und mit welchen Mitteln sich Otto der Große mit seiner Kaiserkrönung im Jahr 962 in eine fast tausendjährige Tradition stellt, die ihren Anfang beim römischen Kaiser Augustus nahm. Wie entwickelte sich also das ursprünglich antike Kaisertum bis zur Zeit der Ottonen?

Lebensgroß: Bronzener Pferdekopf aus einem kaiserlichen Gespann, das im 1. Jahrhundert Triumphbögen schmückte

Lebensgroß: Bronzener Pferdekopf aus einem kaiserlichen Gespann, das im 1. Jahrhundert Triumphbögen schmückte

Exponate aus ganz Europa

Das Magdeburger Museum antwortet auf die Frage mit einer fulminanten Ausstellung, klug erzählt und exzellent inszeniert: Sie zeigt, wie sich Cäsars Adoptivsohn Octavian einst als erster zum "Augustus“ (zum "Erhabenen“) erklären ließ, wie im 4. Jahrhundert in Konstantinopel ein neues kaiserliches Machtzentrum entstand, welche Blüte später das Reich von Byzanz entfaltete, ehe sich im Jahr 800 Karl der Große das römische Kaisertum aneignete - und das Otto der Große schließlich für das deutsche Mittelalter erneuerte und festigte. Diese Geschichte wird erzählt anhand von rund 350 Exponaten, die die Magdeburger Ausstellungsmacher um Museumsdirektor Matthias Puhle und Projektleiterin Gabriele Köster aus ganz Europa zusammengetragen haben. So werden ganz außergewöhnliche Stücke gezeigt, die in Deutschland so noch nie zu sehen waren: atemberaubende Schätze aus dem antiken Rom oder aus Byzanz, Dokumente der karolingischen und ottonischen Kultur.

Cäsars Asche?

Es fällt schwer, aus dieser Vielzahl außergewöhnlicher Exponate auch nur wenige herauszuheben. Deshalb sei nur jenes Stück erwähnt, mit dem die Ausstellung schließt: Es ist die einst vergoldete Kugel, welche im Mittelalter auf der Spitze des Vatikanischen Obelisken in Rom thronte. In ihrem Inneren vermuteten die Menschen - und wohl auch Otto der Große bei seinen Aufenthalten in der Stadt - die Asche von Julius Cäsar. Als die Kugel im 16. Jahrhundert geöffnet wurde, zeigte sich jedoch, dass dieser Glaube nur eine Jahrhunderte lang gepflegte Legende war …

Informationen zur Ausstellung:

"Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter" (Landesausstellung Sachsen-Anhalt aus Anlass des 1100. Geburtstages Ottos des Großen), Kulturhistorisches Museum Magdeburg, bis 9. Dezember 2012.

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