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Wirtschaft

Luxusyachten haben wieder Konjunktur

Die internationale Yacht- und Wassersportwirtschaft hat nach der Krise wieder Fahrt aufgenommen. Auch die HanseGroup in Greifswald will auf der "boot" in Düsseldorf die Auftragsbücher weiter füllen.

Das Foto zeigt eine Segelyacht Moody 630 der HanseGroup Greifswald. (Foto:Copyright HanseGroup)

Volle Segel voraus - die Moody 630 von HanseGroup

Mehr als 1550 Aussteller aus 59 Ländern stellen bis zum 30. Januar 2011 bei der weltgrößten Schau in Düsseldorf für den Boots- und Wassersport ihre Neuheiten für die kommende Saison vor. Das beginnt bei der Angelrute und reicht bis zur luxuriösen Großyacht. Mit dabei ist auch die HanseGroup in Greifswald an der Ostsee, der deutschlandweit zweitgrößte und weltweit drittgrößte Hersteller von Segelyachten.

Produktion von Segelyachten bei der HanseGroup in Greifswald (Foto: HanseGroup)

Die Produktion läuft auf Hochtouren

Wer bei der HanseGroup in Greifswald die Werkshalle mit der Serienproduktion betritt, der sieht erst einmal nur zwei endlose Reihen weißer Schiffsrümpfe. Gestützt durch Stahlträger ragen sie schlank und glänzend aus der eingezogenen Holzdecke heraus, die die Halle in zwei Ebenen teilt. Oben auf der Arbeitsbühne herrscht reger Betrieb. Kein Liegeplatz ist unbesetzt und Marketingleiter Jörn Bock muss im Lärm der Kreissägen, Schweißgeräte und Hämmer selbst erst mal nachzählen, um den Überblick über die aktuelle Fertigungslage zu bekommen. Zahlreiche Boote bis zur 17-Meter-Klasse sind zu sehen – und alle sind bestellt: "Wir bauen kein Boot, das nicht schon verkauft ist", sagt Bock, "es sei denn, es sind Prototypen, oder uns fehlt ein Boot für eine Messe. Dann bauen wir eins."

Die Flaute ist vorbei

Es geht wieder aufwärts beim Hanse-Konzern. In den vergangenen drei Monaten hat sich die Auftragslage signifikant verbessert, manche Yachten haben schon wieder ein halbes Jahr Lieferfrist. 800 Segelboote, verteilt auf die Marken Hanse, Moody und Dehler können die Greifswalder pro Jahr bauen. Dazu kommen noch ein paar Motorboote unter dem Label Fjord. Damit bedienen die Greifswalder die ganze Bandbreite, von sportlich bis luxuriös, vom Küstenkreuzer bis zum Weltumsegler. Die kleinsten Yachten, so Bock, kosteten knapp 60.000 Euro, nach oben sei die Skala offen: "Unsere größte Yacht kostet 1,2 Millionen Euro."

Innenraum der Segelyacht Moody 630 der HanseGroup Greifswald. Copyright HanseGroup. Pressebild

Mit stimmungsvollem, elegantem Ambiente lässt sich gut und bequem segeln

Wer eine Musikanlage wie in einer Diskothek haben will, oder ausgefallene elektrische und elektronische Zusatzausrüstung, muss natürlich etwas mehr ausgeben. Es gibt eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten und grundsätzlich, so Jörn Bock, sei auch in ihrer Serienproduktion fast alles machbar: "Den Bootskörper, also den Rumpf und das Deck, das bauen wir selber, teilweise am Standort Greifswald", fügt der Marketingleiter hinzu. Darüber hinaus gebe es noch eine eigene Kunststoff-Fertigung in Polen.

Umsatzeinbruch wegen der Krise

Rund 640 Leute arbeiten derzeit im Konzern, verteilt auf das Stammwerk in Greifswald und zwei Standorte in Polen und im Sauerland. Damit ist der Beschäftigungsstand von vor der Krise fast wieder erreicht. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Bootsbauer 2008 mit voller Kraft ausgebremst. Das Unternehmen lief auf Hochtouren, war gerade erst an die Börse gegangen und mit dem Zukauf der englischen Traditionsmarke Moody war das Modellangebot deutlich erweitert worden. 105 Millionen Euro Umsatz, so erinnert sich Unternehmensgründer und Geschäftsführer Michael Schmidt, hatte sein Unternehmen im Geschäftsjahr 2006/2007 erwirtschaftet. "Das war für uns besonders bitter, weil wir zehn Jahre lang jedes Jahr 50 Prozent Wachstum hatten", so Schmidt. Und dann musste ein Umsatzeinbruch von fast 60 Prozent verkraftet werden.

Schmidt sitzt in seinem kleinen, funktional eingerichteten Büro auf dem Greifswalder Werftgelände. Der Laptop auf dem Schreibtisch zeigt den aktuellen Aktienkurs an. Mehr als 35 Euro war die Aktie mal wert, Ende 2008 fiel der Kurs auf 2,75 Euro. 300 Mitarbeiter musste der Chef der HanseGroup in der Krise entlassen und für den Rest Kurzarbeit beantragen.

Überschaubare Investitionen

Varianta, das kleinste Segelboot der HanseGroup Greifswald. (Foto: HanseGroup)

Varianta - klein und günstig

Zu diesem Zeitpunkt lag die Eigenkapitalquote, also das Vermögen des Unternehmens, das nach Abzug sämtlicher Schulden übrig bleibt, bei 80 Prozent: "Wir sind eigentlich immer recht vorsichtig mit unseren Investments umgegangen", so der Geschäftsführer, "und haben uns nie hohe Gehälter gezahlt oder die Firma irgendwie leer gepumpt. In den Jahren, als wir an die Börse gingen und im Boom waren, da wurde ich immer angegriffen, warum wir nicht viel mehr expandieren und uns Geld leihen und Dividenden ausschütten." Doch, so Schmidt, er wollte immer für eine Krise gewappnet sein: "Und heute bin ich froh, dass wir das so gemacht haben. Ich weiß nicht, ob es uns sonst noch geben würde."

In der Krise hob Schmidt die Varianta aus der Taufe, ein kleines, günstiges, aber bewohnbares Segelboot für nur 10.000 Euro. Einfach nur Spaß haben, wenig Pflegeaufwand, eine überschaubare Investition, das war Schmidts Idee. 140 solcher Boote wurden allein im vergangenen Jahr verkauft. Viel Geld hätten sie damit nicht verdient, so der Hanse-Chef, aber die Mitarbeiter seien beschäftigt gewesen. Ach ja, sagt Schmidt noch, man hätte mit der Varianta auch viel gelernt. Unter anderem wohl, dass Schiffe auch über das Internet verkauft werden können: Der kleine Segler ist nur online zu bestellen.

1990 gründete Michael Schmidt das Unternehmen auf dem Gelände der DDR-Boots- und Reparaturwerft Greifswald. Er kam aus Hamburg, war dort schon in der Bootsbranche tätig. Er sei ja schon ein bisschen älter, sagt Schmidt und streicht sich über die grauen Haare, und die jetzige Wirtschaftskrise sei nicht die erste Krise, die er in der Bootsbranche erlebt habe.

Autorin: Sabine Kinkartz

Redaktion: Monika Lohmüller

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