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Kultur

Luxustourismus in München

Reiche Touristen aus der arabischen Welt – über die freut sich seit einiger Zeit die Stadt München. Sie bringen viel Geld in die Stadt. Und damit das auch so bleibt, kümmert man sich gezielt um das Wohlergehen der Gäste.

Arabische Gäste in einem Münchner Café (Foto: Andi Hörmann)

Arabische Touristinnen in der noblen Maximilianstraße

Im Münchner Bahnhofsviertel riecht es nach Brezeln und Lakritze. Der dunkle Autolack einer Limousine blitzt im Sonnenlicht gegenüber der Aluminium-Glas-Fassade. Das "Arabest Apartment Hotel" hat keine Hotelzimmer, sondern 57 voll ausgestattete Wohnungen. Das Foyer ist verspiegelt und mit Marmor vertäfelt. Neben der Rezeption lehnt sich der Hoteldirektor Faris Al Harbi auf einer schwarzen Leder-Couch gemütlich zurück. Bis September dieses Jahr ist sein Haus komplett ausgebucht mit arabischen Gästen; 25 Familien stehen momentan auf der Warteliste. Hauptgrund für die Beliebtheit der Stadt sei vor allem die Sicherheit, sagt Faris Al Harbi. "Unsere Gäste sagen immer: In London, in Paris kann ich nicht wirklich um drei Uhr in der Früh spazieren gehen." In München hingegen ginge das.

Diskretion ist das oberste Gebot

Eid Hafez und Faris Al Harbi in der Hotel-Lobby (Foto: Andi Hörmann)

Eid Hafez und Faris Al Harbi in der Hotel-Lobby

München war mit mehr als 108.000 Gästen im Jahr 2010 das beliebteste deutsche Reiseziel für Touristen aus den arabischen Golfstaaten. Laut Tourismusamt ist das ein Anstieg von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr – Tendenz steigend. Sind es in der Winterzeit vor allem arabische Patienten, die sich in der bayerischen Landeshauptstadt behandeln lassen, kommen im Sommer eher "Wohlfühltouristen", die wegen der Nähe zu den Alpen, der Bergseen und des angenehmen Klimas nach Bayern reisen.

Der 49-jährige aus Ägypten stammende Eid Hafez ist vor über 20 Jahren für sein Maschinenbau- und Philosophie-Studium nach Deutschland gekommen. Heute arbeitet er für das Tourismusamt München und betreut viele der arabischen Touristen. Er empfängt die Familien bereits am Flughafen und organisiert das, was gewünscht wird: "Privat-Jets, Leibwächter, Limousinen und so weiter". Neben der geringen Kriminalitätsrate und der paradiesischen Natur im bayerischen Umland ist für die Gäste aus den Golfstaaten vor allen Dingen eines entscheidend, so die Erfahrung von Eid Hafez: Sie verlangen Diskretion, wollen unerkannt bleiben.

Europa – das "grüne" Zuhause

Arabischer Imbiss im Bahnhofsviertel (Foto: Andi Hörmann)

Essen wie zuhause? Arabischer Imbiss im Bahnhofsviertel

Arabisch sprechende "Personal shopper", also Berater beim Einkaufen, die durch die Luxus-Boutiquen der Maximilianstraße führen, und Dolmetscher hinter zugezogenem Vorhang bei den Arztbesuchen – München reagiert auf den Anspruch der arabischen Gäste. In den hochpreisigen Hotels der Stadt lassen sich sogar mehrere Zimmer zu Wohnetagen für Familien-Clans zusammenschließen; Pfeile auf den Zimmerdecken zeigen nach Mekka, und auf den Speisekarten gibt es mehr als zwei Dutzend verschiedene Dattelsorten.

Eid Hafez sieht sich selbst als eine Art Vermittler zwischen den arabischen Herrscherfamilien und der bayerischen Kulturlandschaft. Erst neulich war er mit einer Familie am Eibsee am Fuße der Zugspitze unterwegs und erntete begeisterte Reaktionen. "Und genau deswegen kommen die Gäste immer wieder und sagen: Wir sind zwar in Europa, aber es ist wie zuhause. Ein grünes Zuhause. Bei uns ist es gelb, alles Sand, und jetzt ist es grün. Das ist wunderschön."

Und dann gibt es da noch das Magazin "Arab Traveler", das in den Foyers der jeweiligen Hotels ausliegt. Hier können Interessierte durch die "Faszination Bayern" blättern. Die Herausgeber Christian Wiedemer und Osama Al-Sughayar sind sich sicher, dass ihr Magazin eine Marktlücke füllt. Sie kennen sich von gemeinsamen Projekten für medizinische Broschüren auf Arabisch. Im Jahr 2008 haben sie die erste Ausgabe von "Arab Traveler" veröffentlicht, inzwischen erscheint das Magazin viermal im Jahr. Momentan arbeiten sie an der 13. Ausgabe.

Die Herausgeber des 'Arab Traveler' (Foto: Andi Hörmann)

Christian Wiedemer und Osama Al-Sughayar

Wie sind die Speisen? Wie ist die Kultur? Wie verhalten sich die Deutschen? Das sind die Leitfragen, die für jede neue Ausgabe immer wieder von Interesse sind. Da findet man dann beispielsweise die "Geschichte der Brezn" oder einen Beitrag über "Dirndl und Lederhosen". Das Themenspektrum reicht von Business bis Wellness, zudem gibt es Tipps zu Ausflugszielen im bayerischen Umland. Das Ganze in arabischer Sprache: von hinten nach vorne, von rechts nach links gelesen, auf knapp 100 Seiten.

Die Familie kommt immer mit

Die Bayern bekommen die arabische High Society jedoch nur selten zu Gesicht. Die reichen Touristen flanieren auf den exklusiven Shopping-Meilen und leben in Luxus-Enklaven der Stadt München. Doch sie kommen nicht allein: Osama Al-Sughayar, der die erste Hälfte seines Lebens in Kuwait verbracht hat, kennt die kulturelle Mentalität der arabischen Gäste und weiß um den Stellenwert der Familie: "Wenn der Vater sagt, wir gehen jetzt zum Tegernsee, und dann kommt die Frau und meint: Nein, wir gehen woanders hin - dann nimmt der das an. Das hat nichts mit Laune zu tun, sondern mit der Entscheidung in der Familie." Und so ist es auch nicht ungewöhnlich, dass die Gäste statt einzelner Wohnungen ganze Etage mieten, damit auch Kinder und Haushälterin genügend Platz haben – in ihrem sommerlichen "grünen" Zuhause.

Autor: Andi Hörmann
Redaktion: Petra Lambeck