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Amerika

Luxushäuser als Ladenhüter

Wie in einem Hollywoodfilm stehen luxuriöse Häuser am Strand von San Diego. Fehlen nur noch Ben Affleck und ein Weinglas in der Hand, den Blick auf den Pazifik gerichtet - wenn da nicht die Wirtschaftskrise wäre.

Symbolbild Fernschreiber Washington

Viele Träume sind am Boardwalk, der Strandpromenade von Mission Beach, wahr geworden. Munter wechseln sich Piratenfantasien mit Bauhausarchitektur und mexikanische Gemütlichkeit mit urbaner Funktionalität ab. Während das eine Haus ganz aus Treibholz gebaut scheint, mit leicht verrottenden Pflanzen in ebensolchen Blumenkübeln davor, wachsen vor dem anderen in unmittelbarer Nachbarschaft Palmen in den Himmel und spiegeln sich in den meterhohen Glasfenstern.

Fast alle Häuser haben eine Terrasse zur Strandpromenade. Wer hier wohnt, dem darf es nichts ausmachen, dass ihm jeder Spaziergänger, Skateboardfahrer oder Radler auf den Teller schaut. Aber vielleicht ist das ja auch gerade der Sinn der Sache. Geld haben und es zeigen, das ist kein Problem in Amerika. Denn schließlich kann es hier ja jeder zu etwas bringen.

"Besitzer von Luxushäusern spüren den Druck"

Christina Bergmann (Foto: DW)

Christina Bergmann

So strotzen die Häuser nur so vor überdimensionalen Gemälden, bizarren Skulpturen und Gartenmöbeln, die vermutlich so viel kosten wie eine normale komplette Wohnungseinrichtung. Junge, hippe Menschen haben die Edelstereoanlage aufgedreht, trinken Wein, sitzen um den eingebauten Grill oder vor dem Außenkamin und genießen ihre Ferien. Denn die Häuser sind nicht als Alltagsdomizil gedacht, man kann sie für die Ferien mieten. Ein Haus mit großen Glasfassaden und Palmen auf der Terrasse kostet je nach Saison 3000 bis 4150 Dollar - in der Woche. Plasma-Fernsehschirm, Whirlpool und der freie Blick auf den Ozean sind dafür inbegriffen.

Doch wer die Promenade entlangschlendert, merkt schnell, dass sich die Immobilienkrise auch hier bemerkbar macht. Immer wieder stehen Häuser zum Verkauf oder rotten vor sich hin. Plastikplanen ersetzen Fensterscheiben, der Putz bröckelt von der Fassade. Manche Häuser werden gerade abgerissen. Die "Union-Tribune", die Tageszeitung in San Diego, machte vor kurzem mit der Schlagzeile auf: "Besitzer von Luxus-Häusern spüren den Druck".

Preiswertere Häuser verkaufen sich wieder

Ein Trend kehrt sich um: Waren bis vor kurzem Häuser im Wert von unter einer Million Dollar schwer verkäuflich, steigen die Verkäufe in diesem Preisbereich wieder. Die Häuser in den Edel-Gegenden in San Diego dagegen, deren Preis darüber liegt, erweisen sich derzeit als Ladenhüter. Grund sei, so schreibt die Zeitung: Die früher finanzstarken Käufer haben Kapital beim Börsencrash verloren und machen sich auch Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Und sie bekommen keine "Jumbo"-Kredite mehr, also jene, die über 697.500 Dollar liegen. Jedes fünfte Haus, das derzeit im Bezirk in und um San Diego zum Verkauf steht, soll mehr als eine Million Dollar kosten.

Die Hauseigentümer, zu denen nicht nur betuchte Singles, sondern auch Familien mit mehreren Kindern gehören, versuchen gelassen abzuwarten. Sie wollen, so ist in der "Tribune" zu lesen, ihre Immobilie lieber vermieten, als unter Wert verkaufen. Gute Chancen also für alle, die schon immer mal in einem 3,8 Millionen-Dollar-Luxushaus wohnen wollten. Vorausgesetzt, sie können 10.000 Dollar Miete im Monat ausgeben. Den Traum von Hollywood gibt’s dann immerhin gratis dazu.

Autor: Christina Bergmann

Redaktion: Thomas Grimmer/Waslat Hasrat-Nazimi