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Wirtschaft

Luxusbranche kennt keine Krise

Weltweit schwächelt die Konjunktur. Die Eurozone ist wegen der Schuldenkrise in Turbulenzen. Dennoch: die Luxusgüterbranche boomt - nicht nur in Europa, sondern zunehmend auch in den Schwellenländern.

Ein Model bei einer Modenschau (dapd)

Der deutsche Modedesigner Wolfgang Joop stellt die neue Kollektion seines Modelabels Wunderkind vor

Eine Jacke von Burberry, eine Handtasche von Gucci oder eine edle Armbanduhr von Cartier: Auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten lassen sich luxuriöse Accessoires gut verkaufen. Das geht aus der jüngsten Studie hervor, die die Beratungsgesellschaft Bain & Company in München veröffentlicht hat.

Ming, Josef - , Konsumgüterexperte und Partner bei der Beratungsgesellschaft Bain & Company in München. (Foto: Bain & Company)

Konsumexperte Josef Ming

In Zahlen sieht das so aus: In diesem Jahr werden die Umsätze für Luxusgüter weltweit die Marke von 200 Milliarden Euro überschreiten. Damit dürfte die Branche um gut sieben Prozent zulegen. "Dieser Trend wird auch bis Mitte des Jahrzehnts anhalten", sagt Josef Ming, Konsumgüterexperte und Partner bei Bain & Company zu DW.

Seit dem Jahr 2000 untersucht Bain & Company in Zusammenarbeit mit dem italienischen Luxusgüterverband Fondazione Altagamma den Markt und die Ertragslage von 230 weltweit führenden Luxusgüterherstellern. Die Studie zeigt, dass sich dieser Sektor bereits zu einem globalen Markt entwickelt hat. Das heißt: Teure Uhren, individueller Schmuck oder schicke Markenschuhe werden nicht mehr nur in wenigen Regionen dieser Welt gekauft. Auf asiatische Kunden entfallen heute schon über 50 Prozent der Umsätze.

China ist der stärkste Wachstumsmarkt

Mit zwei bis drei Prozent in Europa, etwa fünf bis sieben Prozent in den USA und zwei Prozent in Japan werden die etablierten Märkte der Studie zufolge in diesem Jahr weiter wachsen. Inzwischen ist aber China der stärkste Markt geworden. Hier werden rund 20 Prozent Wachstum erwartet. "Neben China wird es auch in Indien und Russland in diesem Jahr zu einer deutlich höheren Nachfrage nach Luxusartikeln kommen", sagt Josef Ming.

Die Luxuskonsumenten in Europa und den USA werden immer älter. Anders in vielen asiatischen Ländern: Dort wird die Kundschaft immer jünger. Und genau diese Klientel hat auch die Branche fest im Blick: Europäische Modehhäuser umgarnen mit spektakulären Events und eigens modifizierten Kollektionen die asiatische Kundschaft.

Prada-Shop in Hongkong (dpa)

Prada-Shop in Hongkong - glänzende Geschäfte füllen die Kassen des italienischen Modehauses auch in Asien.



Insgesamt werden bereits 30 Prozent der Umsätze im Luxusbereich in Schwellenländern generiert. Und so gehören Länder wie Aserbaidschan, Brasilien, Indonesien, Kasachstan, Malaysia, Mexiko, Südafrika, die Türkei und Vietnam zu den "neuen Märkten für Luxusartikel". Hier leisten sich immer mehr Verbraucher Uhren, Schmuck, Gürtel oder Tücher mit weltbekannten Namen: "Die gestiegene Nachfrage insbesondere in diesem Segment lässt sich vor allem mit neuen Produkttrends und der verstärkten Nachfrage durch neue Kundengruppen erklären", sagt Konsumexperte Ming.

Luxusmarkt ist im Wandel

Nach der Studie von Bain & Company ist der Luxusmarkt im Wandel. Das lässt sich zum einen am Verkauf feststellen. Die Bestellungen per Internet nehmen zu, der Absatz in den Warenhäusern nimmt ab. Markeneigene Geschäfte liegen hingegen im Trend.

Eine Tasche des italienischen Modeherstellers Gucci (dapd)

Marke mit Traditíon: Gucci

Zum anderen müssten viele "alteingesessene Labels" an ihrem Marketing feilen, um weiterhin erfolgreich zu sein, betont Josef Ming: "Diese werden vermehrt von neuen, exklusiven und jungen Marken angegriffen, die unter anderem auf die unteren Preiskategorien zielen." Die etablierten Marken seien daher aufgefordert, ihre Produktstrategien zu überdenken, wenn sie auf Dauer nicht ihre starke Marktposition verlieren wollten.

Als Folge ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit dringen weltweit mehr Frauen in Sachen "Luxus" in traditionelle Männerdomänen ein - wie Businesskleidung oder edle Uhren. Während Männer sich vermehrt dem Thema Mode und Design zuwenden. Wie aus der Studie hervorgeht, hat das auch damit zu tun, das heute Markenbekleidung in einem zwangslosen Umfeld und nicht ausschließlich wie früher zu besonderen Anlässen getragen wird. Darüber hinaus wird das hochpreisige Segment vor allem durch die Nachfragen der Kunden beflügelt - und die verlangen höhere Qualität, eine exzellente Verarbeitung und beste Materialien.

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