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Kultur

Luxus aus Lumpen

Drei Tonnen Altkleidung sind das Rohmaterial, aus dem ein deutsch-französisches Team junger Modedesigner für seine Kreationen schöpfte. In den Berliner Galeries Lafayette sind die Unikate jetzt zu kaufen.

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Schräg und garantiert ökologisch: Neue Mode aus alten Fetzen

Ein wenig ist es wie im Märchen vom Aschenbrödel, das am Ende als Prinzessin Einzug ins Schloss hält. Vor Dragovan stehen mehrere Paare ausrangierter Damenpumps, die reichlich mitgenommen aussehen. Unvorstellbar, dass sie in wenigen Tagen in Jean Nouvels Glastempel auf der Friedrichstraße zum Verkauf stehen sollen – veredelt, versteht sich. Doch Dragovan, der im bürgerlichen Leben auf den Namen Laurent Jardin hört, hat Erfahrung in der Aufwertung von Second-Hand-Ware. Und diese stellt er bereits zum zweiten Mal in den Dienst der Wohlfahrt.

Schick an Seine und Spree

Logo Andrea Crews

Logo Andrea Crews

Mode und Nächstenliebe? Ja, auch das verträgt sich. Schon im vergangenen Jahr nahm der französische Schuh-Gestalter in Paris an einer gemeinsamen Aktion der Agentur Andrea Crews mit der "Secours Populaire Francais" – einer staatlich anerkannten Wohlfahrtsorganisation - teil: Gemeinsam mit Sozialhilfeempfängern wurden Pullover umgearbeitet, Decken geschneidert oder Mützen gestrickt. Beim abschließenden Defilee, der ersten "Deuxième Main" (französisch für Zweite Hand), waren selbst renommierte Häuser wie Chanel oder Christian Lacroix durch die jungen Querdenker der Modebranche vertreten.

Jetzt gibt es den Lumpenschick von der Seine auch an der Spree. Doch bevor die Kollektion in das französische Kaufhaus, Galeries Lafayette, Einzug halten konnte, ging es zur Sache. Unweit des Alexanderplatzes herrschte für zehn Tage kreatives Chaos. Im Workshop kamen junge Berliner Designer mit französischen Kollegen zusammen: "Uns interessiert die internationale Zusammenarbeit", erläutert Maroussia Rebecq, eine der Organisatorinnen, den zentralen Aspekt der Berliner "Deuxième Main".

Nette Lumpensammler

International agiert auch Humana, die Second-Hand-Kette, mit der Andrea Crews in Berlin kooperiert. Humana liefert das Rohmaterial und erhält dafür im Gegenzug zehn Prozent der Verkaufseinnahmen. Dass der Lumpensammler bekannt dafür ist, einen Großteil seiner Erlöse in die eigene Tasche zu wirtschaften, stört die resolute Französin nicht:"Ich glaube nicht daran. Wir haben die Leute getroffen. Sie sind sehr nett und begeistert von dem, was sie machen."

Und schließlich geht es ja auch noch um anderes: "Der herrschenden Uniformität setzt Andrea Crews persönliche Kreativität, Experimentierfreude und Unabhängigkeit entgegen", so heißt es auf der Website der ungewöhnlichen Agentur.

Bonbonfarbene Strickpullis

Andrea Crews, Titel: Deuxieme Main, Berlin Andrea Crews, Titel: Deuxieme Main, Berlin

Workshop in Berlin

Umgeben von Bergen bonbonfarbener Strickpullover, Hosen aus den 1970er Jahren und lummeliger Sweatshirts sitzt auch Marion Hanania neben Dragovan. "Man findet immer ganz unglaubliche Stücke", lobt die französische Designerin den experimentellen Charakter des Workshops. Schüchtern führt sie ihre ersten Ergebnisse vor: Ein weißes T-Shirt hat ein gewagtes Dekolleté erhalten, das von zierlichen Bändern zusammengehalten wird. Beim nächsten Exemplar ist es der Rücken, der Stoff lassen musste.

Was jetzt neben den Kollektionen von Alt-Stars wie Jean-Paul Gaultier ausgestellt ist, reicht vom Sweatshirt-Patchwork bis zur schwarzen Abendrobe. "Es ist für jeden Geschmack etwas dabei", erklärt Laurence Rüß, die Pressefrau des französischen Kaufhauses.

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