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Asien

Luxus auf Schienen

Im "Eastern & Oriental Express" durch Asien: Es gibt keine exklusivere Art, von Singapur nach Bangkok zu reisen. Auch wenn die Fahrt zwei Tage dauert. Reisende erleben dort den längst vergangenen Luxus der Kolonialzeit

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Frühstück ans Bett

Keppel Road Railway Station Singapur. In dunklem Club-Sakko mit aufgesticktem "E&O"-Logo - "Eastern & Oriental" - empfängt der Zugmanager Ulf Buchert aus Frankenthal in der Pfalz die Reisenden. Akribisch kontrolliert er die Bordkarte und die Pässe. Denn der abgesperrte Bahnsteig gehört, obwohl in Singapur gelegen, bereits zu Malaysia. Zugbegleiterinnen in roten Sarongs weisen den Gästen aus aller Welt den Weg in einen der 24 Waggons.

Letzter Blick auf die Skyline

Asien Luxuszug Eastern Oriental Express

Der längste Zug Asiens

Am Einstieg wartet bereits der persönliche Steward, der dafür Sorge trägt, dass das Reisegepäck ordentlich verstaut wird.Dicke Kissen laden zum Entspannen auf der Couch im eigenen Abteil. Durch große Panoramafenster blickt man bei der Ausfahrt aus Singapur ein letztes Mal auf die Skyline der Wirtschaftsmetropole. 1993 nahm der Luxuszug seinen Betrieb auf. Die Waggons wurden 1971 in Japan gebaut und fuhren dann einige Jahre unter dem Namen "Silver Star“ in Neuseeland. Anfang der 90er Jahre kaufte die Orient Express Gruppe die mit Asbest verseuchten Waggons auf und räumte bis auf die Metallhülle alles raus. Nach dem Vorbild des Shanghai Express aus dem berühmten Marlene-Dietrich-Film entstand ein Zug, der in ganz Südostasien seinesgleichen sucht.

Pullmann oder Präsident

Asien Luxuszug Eastern Oriental Express

"Willkommen im Eastern & Oriental Express"

In Handarbeit wurden holzvertäfelte Gänge aus Kirsch-, Ulmen- und Teakholz gefertigt. Vorbei an Wandverzierungen erreichen die Passagiere ihre Kabinen. Der Luxuszug hat drei Klassen. Alle Kabinen sind mit Bad und Dusche ausgestattet. Während es in der knapp sechs Quadratmeter kleinen Pullmann-Kabine für 2 Personen trotz Etagenbett schon ein wenig eng werden kann, können sich die Paasagiere des State-Abteils auf fast acht Quadratmetern ausbreiten - bei zwei einzeln stehenden Betten. Und wer es noch luxuriöser will, der bekommt in der zwölf Quadratmeter großen Präsidenten-Suite über eine gemütliche Sitzecke mit Couch und Sessel dazu, Privatbutler und Barservice inbegriffen. Beliebtester Platz im Zug ist der offene Barwagen am Ende. Hier lässt sich im 35 Grad warmem Fahrtwind die tropische Aussicht genießen, bei thailändischem Bier oder einem Singapur Sling. Gegessen wird in edlen Speisewaggons mit viel Dekor aus den 30iger Jahren.

Kulinarische Spezialitäten aus der Region

Petronas Twin Towers

Wahrzeichen des Aufstiegs: Die Petronas-Towers in Kuala Lumpur

Mit der Gegend vor den Fenstern wechselt auch das Ambiente im Zug. Die Barkeeperinnen stimmen ihre Kleidung auf Singapur, Malaysia oder Thailand ab, und Chefkoch Yannis Martineau serviert stets das passende Gericht: Singapur Lhaksa, Hühnernudeln Chiang Mai oder Meeresfrüchte auf Zitronengras-Risotto erinnern den Gast stets an die Region, in der er sich gerade befindet.

Vom Großstadtdschungel in den Regenwald

Nach der Ausfahrt aus Singapur beginnt bald nach dem Grenzübertritt nach Malaysia ein schier endloser Regenwald. Über hunderte von Kilometern durchfährt der Zug tropische immergrüne Regenwälder, gelegentlich ziehen kleine Dörfer am Fenster vorbei. Begeistert winken die wenigen Menschen an den Gleisen dem Zug zu - mit 500 Metern ist er der längste Asiens.

Thailand Strand Phra Nang

Die Andamanenküste an der schmalsten Stelle Thailands

Höhepunkt am ersten Tag ist ein kurzer Stopp in Kuala Lumpur.Nach einem frühen Frühstück steht dann am Morgen des zweiten Tages ein Besuch auf der Insel Penang an. Auf Fahrrad-Rikschas werden die Reisenden durch die Hauptstadt Georgetown chauffiert, die wegen Ihrer Kolonialbauweise im vergangenen Jahr in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Am Nachmittag des zweiten Tages überquert der Zug dann die thailändische Grenze. Vorbei an Phuket, Koh Samui und Hua Hin rollt er über den schmalsten Teil Thailands zwischen Andamen See und dem Golf von Thailand. Nach Urwald und scheinbar endlosen Reisfeldern wird die Landschaft mit jedem Kilometer nach Norden immer hügeliger.

Enttäuschung an der Brücke am Kwai

Asien Luxuszug Eastern Oriental Express

Die Zugbegleiterinnnen tragen die jeweilige Nationaltracht

Am Morgen des zweiten Tages erreicht der "E&O" dann schließlich Kanchanaburi, bekannt geworden durch den Oscar- prämierten Hollywoodfilm "Die Brücke am Kwai“. Während des zweiten Weltkriegs ließen die Japaner eine 415 Kilometer lange Bahnstrecke bauen, die die bereits bestehenden Bahnstrecken in Burma und Thailand verbinden und den Nachschub der japanischen Armee auf Ihrem Siegeszug in Südostasien sichern sollte. Mehr als 280.000 Einheimische und Kriegsgefangene wurden dafür zwangsverpflichtet, von denen 130.000 die Strapazen nicht überlebten. Im Film wird eine gigantische Holzbrücke am River Kwai von den Gefangenen kurzerhand gesprengt. Enttäuscht blicken die Zuggäste aber auf eine eher unscheinbare Holzbrücke. Mit dem Filmbauwerk hat sie gar nichts zu tun.

Endstation Bangkok

Thailand Land und Leute Bangkok Panorama mit Fluß

Der "Eastern & Oriental Express" endet in Bangkok

Am Nachmittag des dritten Tages erreicht der "Eastern & Oriental Express" dann Bangkok. Kilometer lang geht es durch die Millionenmetropole mitsamt ihren Slums, die direkt an die Gleise grenzen. Endstation ist Hualompong Station im Zentrum Bangkoks. Und auch Ausgangspunkt für die Rückfahrt nach Singapur.

Autor: Taufig Khalil
Redaktion: Mathias Bölinger

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