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Afrika

Lumumbas Mörder sollen vor Gericht

Ein Jahr nach der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo von Belgien wurde der damalige Regierungschef Patrice Lumumba umgebracht. Jetzt soll der Mord aufgeklärt werden.

Patrice Lumumba in Handschellen (Bild: AP)

In Handschellen: Patrice Lumumba

Guy Lumumba, Patrice Lumumbas Sohn, will gegen 12 Belgier Klage einreichen. Sie sollen in die Ermordung seines Vaters verwickelt sein. "Ich will wissen, warum er getötet wurde", sagte Guy Lumumba in Brüssel. Die Beschuldigten sind alle frührere belgische Regierungsbeamte. Unter ihnen sollen ehemalige Polizisten, Militärangehörige und Funktionäre sein. Eine Gruppe namhafter Anwälte und Historiker hatte die Staatsanwaltschaft schon am Montag dazu aufgerufen, Anklage gegen die zwölf Männer zu erheben.

Gefängnis, Verschleppung, Mord

Lumumba Porträt (Bild: AP)

Nur kurze Zeit im Amt: Lumumba als Premierminister

Patrice Lumumba war der erste demokratisch gewählte Regierungschef des unabhängigen Kongo. 1960 wurde er von dem Diktator Mobutu Sese Seko gestürzt. Er wurde erst in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa ins Gefängnis gesperrt und dann im Januar 1961 von belgischen Offizieren in die abtrünnige Provinz Katanga gebracht. Dort wurde Lumumba umgebracht.

Untersuchung ohne Folgen

Bereits 2001 war eine parlamentarische Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass die damalige belgische Regierung die moralische Verantwortung für den Tod Lumumbas trägt. Die damalige Regierung entschuldigte sich beim Kongo, die Untersuchung hatte aber keinerlei juristische Auswirkungen. Der Familie Lumumbas ist es jetzt wichtig, einzelne Schuldige für den Mord zu finden. Dabei dient die parlamentarische Untersuchung als Grundlage für die Anklage. "Wir kennen erst seit 2001 die ganze Wahrheit. Das rechtfertigt auch, warum wir nach so vielen Jahren noch eine Klage anstreben", erklärt der Anwalt der Familie Lumumba, Christophe Marchand im Interview mit DW-WORLD.DE.

Kriegsverbrechen

Normalerweise wären die Straftaten verjährt, Christophe Marchand und seine Kollegen haben aber eine Möglichkeit gefunden, den Fall Lumumba doch noch juristisch aufzurollen. Sie werfen den Beschuldigten Kriegsverbrechen vor. "Die Verbrechen haben im Rahmen eines bewaffneten Konflikts zwischen Belgien und dem Kongo stattgefunden, sind also Kriegsverbrechen. Nach belgischem Recht verjährt ein Mord nach 30 Jahren. Wenn er aber als Kriegsverbrechen definiert wird, gibt es keine Verjährung", sagt Marchand.

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Suche nach der Wahrheit

Auf die Anwälte wird aber noch eine weitere Schwierigkeit zukommen. Die Beschuldigten sind alt - Marchand weiß noch nicht, ob sie physisch und psychisch überhaupt in der Lage sind, vor Gericht zu erscheinen. Und wie kann die Strafe für diese alten Männer aussehen? "Ich bin Strafrechtler. Mir liegen Gefängnisstrafen nicht besonders am Herzen. Eher im Gegenteil", sagt Marchand. "Für mich ist das Ziel nicht in erster Linie, die Leute hinter Gitter zu bringen. Für mich ist das Ziel, dass es einen Prozess gibt, dass die Wahrheit nach juristischen Gesichtspunkt ans Licht kommt und dass Belgien seine Geschichte zu diesem Fall komplett aufarbeitet." Bei dem Fall geht es auch um die Verschleppung und die Folter von Patrice Lumumba.

Unbequemer Regierungschef

Lumumba war für die Belgier ein Hindernis bei der Ausbeutung der reichen Bodenschätze gewesen. Schon bei Unabhängigkeitsfeier am 30. Juni 1960 geriet der Kongolese mit dem belgischen König Baudouin aneinander. Während Baudouin die angeblichen Errungenschaften unter belgischer Herrschaft lobte, kritisierte Lumumba mit scharfen Worten die Unterdrückung und die Ausbeutung durch die Belgier. Lumumba hatte sich immer dafür eingesetzt, den großen Einfluss der ehemaligen Kolonialherren einzuschränken.

Autorin: Christine Harjes
Redaktion: Hajo Felten

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