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Politik

Lula fordert gerechteres Weltwirtschaftssystem

Beim Entwurf einer neuen Weltwirtschaftsordnung wollen die Entwicklungs- und Schwellenländer ein gewichtiges Wort mitreden. Das stellte Brasiliens Staatschef zum Auftakt des lateinamerikanischen Wirtschaftsforums klar.

Brasilianischer Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (Foto: AP)

Markige Worte von Brasiliens Präsident

Um die Weltfinanzkrise zu bewältigen, sei ein neues und gerechteres Wirtschaftssystem nötig, sagte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Mittwoch (15.04.2009) bei der Eröffnung des lateinamerikanischen Weltwirtschaftsforums in Rio de Janeiro. Für einen solchen Systemwechsel setze er sich schon seit 20 Jahren ein, so der brasilianische Staatschef vor rund 550 Politikern und Experten aus 35 Ländern. Lula erklärte, er halte es für "untragbar", dass jemand Milliarden verdiene, nur weil er Papiere hin- und herschiebe, aber nichts produziere.

"Das Schiff ist leck geschlagen"

Entscheidend sei auch, dass Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Konzeption einer neuen Ordnung mitreden dürften, betonte Lula. Lösungen könnten nur gemeinsam gefunden werden. "Das Schiff ist leck geschlagen, es dringt Wasser ein, und es ist völlig sinnlos, zwischen der Ersten und der Zweiten Klasse auf diesem Schiff zu unterscheiden", sagte er. Im Übrigen wissen die reichen Länder seiner Einschätzung zufolge ohnehin nicht, wie der Krise zu begegnen sei. Beim jüngsten G20-Gipfel in London sei jedenfalls "keiner schlauer als der andere" gewesen.

IWF-Logo

Hat sich der IWF um die falschen Länder gekümmert?

Lula geißelte auch das Verhalten des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. So seien IWF-Experten fast jeden Monat in Entwicklungsländer gereist, um diesen vorzuschreiben, wie sie welche Projekte umsetzen sollten. Um die Verhältnisse in den USA oder Deutschland habe sich dagegen niemand gekümmert, obwohl die Industrieländer die Hauptschuld für die Krise trügen. "Krisen sind nicht länger ein Privileg der Entwicklungsländer", so Lula.

Investitionen bleiben aus

Die Weltbank bescheinigt Lateinamerika, besser als andere Regionen der Welt für die globale Wirtschaftskrise gerüstet und nicht auf internationale Hilfspakete angewiesen zu sein. "Die Auswirkungen der Krise sind in Lateinamerika sicher ganz anders als in Westeuropa", sagte die für Lateinamerika zuständige Weltbank-Vize-Direktorin Pamela Cox. Dennoch habe die Weltbank die Kredite für Lateinamerika verdoppelt, auf 14 Milliarden Dollar.

Probleme sieht Cox weniger in der fehlenden Liquidität der lateinamerikanischen Staaten. Die Region werde aber durch die Krise in den reichen Länder in Mitleidenschaft gezogen, weil die Investitionen aus dem Ausland deutlich zurückgingen.

Schwergewichte Brasilien und Mexiko

Brasilianischer Stand auf der Computermesse Cebit (Foto: Hannover Fairs do Brasil)

Brasilianischer Stand auf der Computermesse Cebit

In den mehr als 30 Staaten Lateinamerikas und der Karibik leben etwa 550 Millionen Menschen. Neben Brasilien ist Mexiko das zweite wirtschaftliche Schwergewicht. Die beiden Staaten erwirtschaften zusammen fast 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Lateinamerika. Auf sie kommt es daher bei der Bekämpfung der Krise besonders an.

Nach Jahren des Wachstums von durchschnittlich fünf Prozent ging die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) zuletzt von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent im laufenden Jahr aus. Für Brasilien wird ein Wachstum von 1,0 Prozent prognostiziert, die Regierung des Landes erwartet sogar ein Plus von 2,0 Prozent.

Anbindung Kubas geplant

Das lateinamerikanische Weltwirtschaftsforum geht an diesem Donnerstag zu Ende. Zahlreiche Spitzenpolitiker reisen dann weiter zum so genannten "Gipfel der Amerikas" nach Trinidad und Tobago, wo 33 Staats- und Regierungschefs des Kontinents am Wochenende ebenfalls über die Wirtschaftskrise beraten wollen.

Brasilien und Kolumbien wollen sich dafür einsetzen, dass künftig auch Kuba an dem Staatenforum teilnehmen darf. Darauf sollen sich Lula und sein kolumbianischer Amtskollege Álvaro Uribe verständigt haben.

Lulas außenpolitischer Berater Marco Aurélio Garcia nannte die Abwesenheit Kubas in Rio de Janeiro eine "Anomalie, die wir korrigieren wollen". Das kommunistisch regierte Kuba, das auf Betreiben der USA lange isoliert war, bemüht sich seit einiger Zeit um eine Annäherung an die lateinamerikanischen Staaten. (gri/win/dpa/afp)

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