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Fokus Osteuropa

Lukaschenko bei vielen Belarussen beliebt

Laut einer unabhängigen Meinungsumfrage unterstützen 47 Prozent der Belarussen ihren Präsidenten Aleksandr Lukaschenko. Warum ist ein so großer Teil der Bevölkerung mit ihm zufrieden? Experten geben ihre Einschätzung.

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Lukaschenko, der gütige Landesvater?

Einer Meinungsumfrage in Belarus zufolge, die mit Unterstützung des Unabhängigen Instituts für sozialwirtschaftliche und politische Studien in Vilnius durchgeführt wurde, genießt der belarussische Präsident Lukaschenko das Vertrauen von 47 Prozent der Bevölkerung. Gerade so viele wahlberechtigte Belarussen würden Lukaschenko bei Präsidentschaftswahlen ihre Stimme geben. Für dessen Gegner, den Führer der Vereinigten Bürgerpartei Anatolij Lebedko, würden lediglich 3,5 Prozent der Wähler votieren. Hervorzuheben sei, so das litauische Institut, dass sich zwischen Mai und Oktober dieses Jahres die Anzahl der Anhänger des jetzigen belarussischen Staatsoberhaupts sogar um fünf Prozent erhöht habe.

„Besseres Leben als in der Sowjetunion“

40 Kilometer von Minsk entfernt befindet sich am Straßenrand entlang der Logojskaja-Trasse ein kleiner Markt, wo Ortsansässige mit Lebensmitteln aus eigener Produktion Handel treiben. Die Familie Selich aus Logojsk bessert ihr Einkommen mit selbstgesammelten Pilzen auf. Aber auch ohne diese Einnahmen würden sie unter der jetzigen Regierung gut leben. Im Vergleich zum Leben in der Sowjetunion habe sich ihr Leben im unabhängigen Belarus spürbar verbessert, meint die 48jährige Sanitäterin Ada Selich: „Lukaschenko ist wirklich der beste Präsident, ein Hausherr, und er setzt sich für die Arbeiter ein. Alles änderte sich, als Lukaschenko kam. Mit ihm leben wir besser. Ich möchte, dass er bis zum Ende seines Lebens bleibt. Wir sind Arbeiter und früher fiel es uns schwer, Geld zu verdienen. Jetzt ist vieles besser. Ringsum gibt es alles, für alles ist ringsum gesorgt. Ich bin unserem Präsidenten dankbar dafür, dass ich meine Familie versorgen kann.“

Belarussisch-russische Freundschaft

Adas Ehemann, Wasilij, ist Verladearbeiter. Er glaubt, dass unter Lukaschenko die belarussischen Dörfer aufblühen werden. Außerdem sollten sich Belarus und Russland unbedingt zusammentun: „Unsere Fabriken können Russland helfen. In Russland ist die Lage schwierig. Schauen Sie deren Dörfer an, dort ist alles vernachlässigt. Helfen muss man gerade den Menschen auf dem Lande, denn bei denen kommt nichts an. In unseren Dörfern kommt alles an. Jeden Montag versammelt der Vorsitzende des Bezirks-Exekutivkomitees die Vorsitzenden der Kolchosen. Er hilft ihnen und kauft für sie Erntemaschinen. Wessen Verdienst ist das? Natürlich der des Präsidenten!“

Zufriedene Rentner

Die 70jährige Renterin Marija Gusakowskaja verkauft Pflaumen aus dem eigenen Garten. Auch wenn sie mit dem Verkauf nicht viel verdient, ist sie dennoch zufrieden. In letzter Zeit hat sich das Leben für sie verteuert, weil die Tarife für die kommunalen Dienstleistungen und die Lebensmittelpreise angehoben wurden. Trotzdem ist Lukaschenko für sie der beste Präsident: „Ich unterstütze ihn, weil er rechtzeitig die Rente zahlt. Sie ist gering, aber dafür kommt sie rechtzeitig. Deswegen werde ich für ihn stimmen. Es gibt genug Wurst und Brot. Man überlebt und verhungert nicht. Nur, dass alles eben teuer ist. Aber das ist nicht schlimm, dann kaufen wir eben keine teure Wurst, sondern die billigere. Dennoch hungern wir nicht.“

Die Rentnerin Marija Tichanowitsch weiß nicht, ob sie die Wahlen noch erleben wird, denn ihre Gesundheit lässt stark nach. Aber wenn sie es bis zu den Wahlen im Sommer schafft, dann will sie für Lukaschenko stimmen: „In den Geschäften gibt es alles. Es ist teuer, aber vielleicht wird es billiger. Die Rente wird etwas erhöht. Lukaschenko wird Belarus auf die Beine stellen. Als er kam, gab es nichts. Er bringt Belarus vorwärts. Er setzt sich für das Volk ein.“

Lukaschenkos Erfolg bei den Wählern

Ergebnisse unabhängiger soziologischer Studien zeigen, dass für viele Menschen auf dem Lande Lukaschenko tatsächlich ihr Präsident ist. Ihre Liebe zu ihm begründen Arbeiter, Rentner und Bauern von Kolchosen meist mit den regelmäßig gezahlten Gehältern und Pensionen, aber auch mit der Stabilität im Leben und der Wiedergeburt des Dorfes. Lukaschenkos Erfolg bei den Wählern geht aber auf etwas ganz anderes zurück, meint der unabhängige Politologe Walerij Karbalewitsch: „Lukaschenko bietet die Werte und das gesellschaftliche Modell an, das mit den Werten jener Menschen übereinstimmt. Lukaschenko ist dafür, Eigentum in Staatshand zu belassen, Kolchosen zu bewahren und eine starke Staatsmacht aufrechtzuerhalten, ohne demokratische Institutionen unter der Devise: Im Lande muss es einen Hausherrn geben. Er steht für die Freundschaft mit Russland und den Kampf gegen den Westen. Diese Werte und Vorstellungen herrschen im Bewusstsein der Wähler vor, die ihn unterstützen.“

Aufschwung und Haushaltsüberschuss

Unabhängige Experten stellen fest, dass im gesamten postsowjetischen Raum derzeit ein Wirtschaftaufschwung herrscht. Lukaschenko stellt das als Erfolg seiner Politik dar. Der Aufschwung in Belarus ist aber in erster Linie auf die gute Konjunktur auf dem Markt von Produkten aus der Erdölverarbeitung zurückzuführen. Aufgrund dessen hat sich in Belarus ein Haushaltsüberschuss ergeben, der es Lukaschenko ermöglicht, unter anderem regelmäßig Renten und Gehälter zu zahlen. Die Renten in Belarus gehören in der Tat heute zu den höchsten im gesamten postsowjetischen Raum. Mehr noch: Oft erhalten Rentner mehr Geld, als deren berufstätige Kinder.

Wiedergeburt der Kolchosen?

In die Landwirtschaft werden kolossale Mittel investiert, aber leider sind die Maßnahmen wenig produktiv. Eine private Landwirtschaft wird nicht entwickelt. In der Landwirtschaft habe Lukaschenko nichts Neues erfunden, sagte der Politikwissenschaftler Karbalewitsch: „Lukaschenko gab in Auftrag, vernachlässigte und am Boden liegende Kolchosen an Unternehmer, kommerzielle Strukturen und die Industrie zu verpachten. Auf diese Weise haben sie die Kolchosen wieder auf die Beine gestellt – eine sehr einfache sowjetische Methode, die ad absurdum führt. Man sagt Unternehmern: Wenn Du in Belarus arbeiten möchtest, dann musst Du Dich um eine Kolchose kümmern. Was bleibt einem dann übrig? So hat Lukaschenko nach einer gewissen Zeit behaupten können, die Verluste in der Landwirtschaft seien beseitigt worden.“

Walerija Minskaja

DW-RADIO/Russisch, 14.12.2005, Fokus Ost-Südost