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Europa

Luftsicherheit für das Baltikum

In der Ukraine-Krise überwacht die NATO den Luftraum über den baltischen Staaten, der immer wieder durch Russland verletzt wird. Im estnischen Ämari übernehmen nun Briten die Wache, die Spanier dürfen heim.

"Ja, der Winter in Estland ist schon sehr hart gewesen für mich als Spanier", sagt Luftwaffenoffizier Francisco Elias Entrialgo. In seiner Heimat scheint derzeit die Sonne, 25 Grad. Auf dem estnischen Fliegerhorst Ämari sind bei acht Grad Celsius die Knospen an den Bäumen noch geschlossen.

Leutnant Entrialgo (Foto: DW/Volker Witting)

Für Leutnant Entrialgo geht es nun zurück nach Spanien

In einem Hangar verstauen estnische und spanische Soldaten gemeinsam die letzten Kisten zum Abtransport. "Mission accomplished", sagt Presseoffizier Entrialgo zufrieden lächelnd. Er, seine 120 Kameraden und die vier Eurofighter der spanischen Luftwaffe machen nun den Briten Platz, die den Staffelstab bei der Luftüberwachung über der Ostsee übernehmen. Britische Soldaten sind gerade auf dem Hof dabei, ihr Material auszupacken - das Vorauskommando. Vier Eurofighter kommen in der ersten Maiwoche hinterher. Davor war die deutsche Luftwaffe für das NATO-Air-Policing im Baltikum zuständig.

Gezielte Provokation

"Wir haben hier die Aufgabe, russische Flugzeuge zu beobachten, die sich nicht korrekt identifiziert haben", sagt der stellvertretende Kommandant des Fliegerhorstes, Oberstleutnant Ülar Lohmus, ein Este. "Oft haben die russischen Flugzeuge ihre Ortungsgeräte einfach nicht eingeschaltet oder sie sind gar nicht mit Transpondern ausgerüstet." Dann nähern sich die NATO-Flieger diesen Flugzeugen, fotografieren sie oder drängen sie ab, wenn sie über dem Golf von Finnland estnischen Luftraum verletzten.

In der letzten Zeit ist das nicht mehr ganz so häufig passiert wie zu Beginn der Mission vor rund einem Jahr. Die verstärkte Kontrolle zeigt offenbar Wirkung. Doch immer wieder provoziert die russische Luftwaffe bewusst, versucht die Kampfbereitschaft der NATO-Flugabwehr auf die Probe zu stellen.

Estland spanische Luftwaffe (Foto: DW/Volker Witting)

Während spanische Soldaten die letzten Kisten packen...

"Unsere Piloten können dann sogar den russischen Flugzeugführern zuwinken", berichtet Luftwaffenoffizier Entrialgo. In den vier Monaten, in denen die spanische Staffel vor Ort war, ist das zehn Mal passiert. Die Flugzeuge sind dann nur ein paar Hundert Meter voneinander entfernt. Eine gefährliche Situation, zumal die NATO-Flugzeuge und die russischen Jets oft bewaffnet sind.

Der junge estnische Ministerpräsident Taavi Roivas findet für das Verhalten des russischen Nachbarn seit der Ukraine-Krise deutliche Worte: "Die sind einfach nur sehr aggressiv und unberechenbar", sagt er bei einem Pressegespräch. Doch die NATO, deren Mitglied auch Estland ist, gebe Sicherheit. Und deshalb hat der gemeinsame Luftwaffeneinsatz in seinem Land besondere Bedeutung. Estland verfügt nicht über eigene Kampfflugzeuge, stellt lediglich den Fliegerhorst mit modernster Ausrüstung und Infrastruktur zur Verfügung.

Sicherheit im Bündnis

"Wir sind dankbar und auch stolz, dass wir als NATO-Partner ernst genommen werden. Das NATO-Air-Policing in Estland ist ein starkes Signal dafür, dass die Allianz auch den äußersten Osten des Bündnisgebietes nicht vergessen hat." Entspannt erklärt der junge Ministerpräsident in seinem Amtssitz, dem Stenbock Haus, weiter: "Es fühlt sich gut an, dass wir in diesen Krisenzeiten unter dem Sicherheitsschirm der NATO sind."

Die eigene Luftwaffe ist nämlich gerade erst im Aufbau begriffen. Mit rund zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes wendet Estland von den baltischen Staaten zwar schon länger die größte Summe für die Landesverteidigung auf, doch für Kampfjets und eine gut funktionierende Luftwaffe hat das Geld noch nicht gereicht. In den Hangars von Ämari stehen ein paar estnische Trainingsjets, Hubschrauber, zwei Antonows und sogar ein uralter Doppeldecker. "Von den NATO-Soldaten, die bisher da waren, haben wir eine Menge gelernt", räumt Oberstleutnant Ülar Lohmus ein. Ab 2014 waren zunächst dänische Soldaten da, dann deutsche und spanische.

"Cold week" im Frühling

Auf dem Tower des Fliegerhorstes geht es an diesem Tag ruhig zu. Bei Kaffee und Kuchen blicken die estnischen Lotsen entspannt auf ihre Computer und das Rollfeld. Es ist eine "cold week", andere NATO-Alarmrotten übernehmen die bewaffnete Luftraumüberwachung.

Estland Fliegerhorst Ämari (Foto: DW/Volker Witting)

... ist das Vorauskommando der britischen Luftwaffe schon da.

Schon seit 2004 wird auch von Litauen aus der Himmel über dem Baltikum kontrolliert. Gerade ist ein spanischer Jet gelandet. Keine besonderen Vorkommnisse, heißt es auf dem Tower. Für die Truppe von Leutnant Francisco Elias Entrialgo und seine spanischen Kameraden war es einer der letzten Flüge vom Fliegerhorst Ämari aus. Am 5. Mai übernehmen die Briten. Und ab September bringt die verabredete Rotation wieder die deutsche Luftwaffe nach Ämari.

Der bärtige Spanier Entrialgo lächelt wieder: "Nun gut, das Wetter war wirklich hart für uns. Aber die Esten haben uns toll unterstützt." Und wenn es dabei bleibt, dass die NATO auch am äußersten östlichen Rand ihres Bündnisgebietes Flagge zeigt, dann kommen Entrialogo und seine Fliegerstaffel wieder zurück nach Ämari. Und vielleicht klappt es dann ja auch mit den Sommermonaten.