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Nahost

Luftkrieg erschüttert Bagdad

Das angekündigte Massenbombardement auf Bagdad hat am Freitagabend begonnen. Schrecken und Einschüchterung ist die Devise, die das Pentagon ausgegeben hat.

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Klare Botschaft an den Irak: Kein Einlenken, kein Pardon

Der Nachthimmel über der irakischen Hauptstadt war von roten Rauchsäulen erleuchtet. In regelmäßigen Abständen erschütterten Detonationen Bagdad, nur unterbrochen vom Flugabwehrfeuer. Im Pentagon in Washington erklärte der kommandierende General Myers, in der Nacht von Freitag auf Samstag würden darüber hinaus hunderte von militärischen Zielen angegriffen. Der "A-Day" (air war) solle Saddam Hussein im eigenen Land "blind, taub und stumm" machen, so umschrieb es Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Gegen 18 Uhr MEZ hatte das Pentagon angekündigt, mit dem eigentlichen Bombardement zu beginnen. Bereits am Vormittag waren B52-Bomber in England aufgestiegen und auf dem Weg in den Irak. Auch auf den Flugzeugträgern im Golf starteten die Maschinen dann am Nachmittag des 21. März.

Jordanien in der "Koalition der Willigen"?

Im Westen des Iraks hatte die US-Armee zuvor zwei wichtige irakische Flugplätze eingenommen, offenbar mit Luftlandetruppen. Später wurde bekannt, dass 6000 bis 10.000 US-Soldaten in Jordanien offenbar bereit stehen, um von Jordanien aus in den Westirak einzumarschieren. Damit wäre Jordanien an der Koalition beteiligt, mit eventuell unabsehbaren Konsequenzen für das Herrscherhaus. Die USA hätten damit die Schlappe ausgebügelt, die ihnen aus der Weigerung der Türkei entstand, Bodentruppen für eine Nordfront in das Land zu lassen.

Vormarsch am Boden vor allem von Süden

Irakische Soldaten kapitulieren

Die südirakische Hafenstadt Umm Kasr, einziger Seehafen des Landes, wurde am Freitagnachmittag (21.03.2003) eingenommen. 600 irakische Kriegsgefangene wurden bis zum Abend gemacht. Die Vorhut der alliierten Landstreitkräfte befand sich zu dem Zeitpunkt rund 375 Kilometer südwestlich von Bagdad. Spätere Meldungen berichteten gar von einem Vordringen bis zur Stadt Kerbala, nur noch 100 Kilometer entfernt von Bagdad.
Zudem stießen erste Verbände zur südirakischen Metropole Basra vor. Unbestätigten Berichten zufolge war das Stadtzentrum am Freitag bereits in der Hand der Alliierten, was ebenfalls für eine Luftlandeoperation spräche.

Hoffen auf Einlenken der Iraker

Die Absicht der US-Regierung bleibt es trotz der Bombardements offenbar bis zuletzt, den Machtwechsel in Bagdad zu erreichen, ohne "die ganze Gewalt und Wildheit" des Krieges auszulösen, wie es Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ausdrückte. Saddam Hussein reagierte, indem er Kopfgelder aussetzte. Die höchste Belohnung - 100 Millionen Dinar (rund 30.000 Dollar) - setzte Saddam Hussein für den Abschuss eines Flugzeuges aus. Für die Gefangennahme eines feindlichen Soldaten würden 50 Millionen Dinar bezahlt, für die Tötung 25 Millionen.

Das Ende der Powell-Doktrin?

B-52 Bomber startet nach Irak

Das derzeitige amerikanische Vorgehen steht im Gegensatz zu der nach dem amerikanischen Außenminister benannten Powell-Doktrin. Sie stammt ursprünglich aus seiner Zeit als Generalsstabchef im zweiten Golfkrieg 1991. US-Militär wird nur als "letztes Mittel der Politik" eingesetzt, wenn das Ziel klar ist und der Rückzug gesichert (exit strategy). Eckpfeiler waren die zunächst genaue Abwägung und dann das konsequente Vorgehen mit überwältigender Streitmacht. "Wenn man einen Krieg führt, muss man ihn schnell führen, mit erschlagender Materialüberlegenheit und in der Gewissheit des Sieges", erklärte Powell seinerzeit. Die Regierung Bush hingegen sieht den Krieg, wie nun im Irak, als ein präventives Mittel der Politik an.

"Los geht's!"

George Bush Kriegsrat

Mit diesen Worten hat US-Präsident George W. Bush nach jetzt bekanntgewordenen Berichten aus dem Weißen Haus am Mittwochabend (Ortszeit) das Kommando zum Kriegsbeginn gegen Irak erteilt. Wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses berichtete, sprach Bush die Worte am Ende einer dreistündigen Sitzung seines Kriegskabinetts im Oval Office des Weißen Hauses. Während der Sitzung hatten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der Direktor des Geheimdienstes CIA, George Tenet, dem Präsidenten frische Informationen über den mutmaßlichen aktuellen Aufenthaltsort des irakischen Staatschefs Saddam Hussein sowie seiner obersten Generäle vorgelegt. Bush entschied sich, rasch gegen dieses Ziel loszuschlagen und damit den erst für später geplanten Kriegsbeginn vorzuverlegen. Sein Kommando gab er rund 48 Minuten vor Ablauf seines Zwei-Tage-Ultimatums an Saddam Hussein.

Saddam wohlauf

Saddam Hussein in Fernsehen

Der irakische Machthaber Saddam Hussein und seine Familie haben die US-Angriffe auf Bagdad nach irakischen Angaben überlebt. Sie seien "in Sicherheit und wohlauf", sagte der irakische Informationsminister Mohammed Said el Sachaf am Freitag. Die am Donnerstag abgefeuerten US-Bomben hätten auf die Residenz der Familie von Saddam Hussein gezielt, doch "durch den Schutz Gottes haben sie die Angriffe überlebt".

Der US-Geheimdienst CIA erklärte, er halte den Fernsehauftritt Saddam Husseins, den das irakische TV direkt nach Kriegsbeginn ausstrahlte, für echt. Ein US-Regierungsmitarbeiter sagte der Zeitung "Washington Post", es gebe Hinweise, dass der irakische Staatschef in einem Gebäude gewesen sei, das zerstört wurde. Direkt nach den Angriffen seien Ärzte zur Behandlung Saddam Husseins gerufen worden. (dk)

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  • Datum 21.03.2003
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