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Wirtschaft

Lufthansa: Wann kommt der nächste Streik?

Die Kranich-Airline ist nach dem längsten Streik ihrer Geschichte in einer schwierigen Lage, was immer sie auch tut. Weiter so bei der Lufthansa reicht nicht - die Konflikte sind längst nicht gelöst.

Dass bei Lufthansa gestreikt wird, ist längst keine Nachricht mehr, die für Aufsehen sorgt. Das allein ist ein Alarmzeichen. Die Öffentlichkeit hat sich daran gewöhnt, die Kunden kalkulieren eine unzuverlässige Lufthansa bereits ein. Diese Entwicklung allerdings gefährdet elementar ihren Markenkern. Früher kannte man Streiks vor allem aus Großbritannien, Frankreich, Italien oder zuletzt Griechenland.

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Neue Streiks liegen in der Luft

Lufthansa und Deutschland galten immer als Inseln der Glückseligkeit, wo (fast) alles so präzise und verlässlich funktionierte wie das sprichwörtliche Uhrwerk. Diese traditionell als deutsch geltenden Tugenden waren auch integraler Bestandteil des Markenversprechens der deutschen Fluggesellschaft. Das ist jetzt vorbei. Sieben Tage Streik, etwa 4700 gestrichene Flüge mit 550.000 davon betroffenen Passagieren und mindestens 100 Millionen Euro Kosten für die Lufthansa sind die bittere Bilanz.

Der Chef flog mit der Konkurrenz

Zur Nachricht wurde dagegen diese Woche, dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit einem Air Berlin-Flug von Berlin nach München reiste. Eigentlich eine Lappalie, Spohr reist häufig mit Konkurrenz-Gesellschaften, das ist auch wichtig um zu sehen, wie es anderswo in der Branche zugeht. Einer der ärgsten Konkurrenten der Kranich-Linie, Emirates aus Dubai, schaltete derweil Anzeigen, die subtil aus dem Dilemma der Deutschen Kapital zu schlagen suchten: "Verlassen Sie sich jederzeit auf uns." Und Akbar al Bakar, Chef von Qatar Airways, verstieg sich jüngst sogar zu der Behauptung, selbst wenn die Lufthansa zum Verkauf stünde, würde er nicht zuschlagen; die Airline biete nur "minderwertige Produkte".

Was Emirates wie Qatar nicht sagen ist, dass Gewerkschaften am Golf keine Chance haben - nach europäischem Verständnis inakzeptabel. Carsten Spohr unterdessen versucht, die deutsche Mitbestimmung durch die Verlagerung von Teilen der Billig-Tochter Eurowings nach Wien zu umgehen. Auch dagegen laufen die deutschen Mitarbeiter Sturm.

Versäumnisse der Vorgänger

Trotzdem strahlt Spohr Gelassenheit aus, mit der er den anhaltenden Sturm der Arbeitnehmer durchstehen will, obwohl auch der lange schwelende Tarifkonflikt mit den Piloten nicht gelöst ist. Spohr weiß, er muss die Lufthansa grundlegend verändern, dabei vor allem Versäumnisse seiner Vorgänger Christoph Franz und insbesondere Wolfgang Mayrhuber aufholen, die viel zu zaghaft zu Werke gingen, um den Dinosaurier Lufthansa an die heutige Wettbewerbslage anzupassen. Da darf es keine Denkverbote geben.

Lufthansa Jahresbilanz Carsten Spohr CEO

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Spohr hat innerhalb kurzer Zeit soviel verändert wie kein Kranich-Konzernlenker vor ihm. Und er hat keine Wahl, denn derzeit ist die Lufthansa in ihrer Existenz an so vielen Fronten gleichzeitig bedroht wie nie zuvor. Von Billigfliegern in Europa, von Turkish Airlines und den drei großen Gesellschaften vom Persischen Golf auf allen Langstrecken, die von Deutschland nach Süden und Osten führen, also vor allem nach Afrika, Asien und Australien.

Noch radikalere Schritte notwendig

Aber jetzt auch noch von den dauerrebellierenden eigenen Mitarbeitern, die drohen, die Lufthansa und ihren Jahrzehnte lang so verlässlich guten Ruf kaputt zu streiken. Spohr will das durchstehen, sieht es als alternativlos. Dass er sich dabei verkalkuliert und am Ende vor einem Scherbenhaufen steht, ist nicht auszuschließen.

Wahrscheinlich sind beim Umbau des Kranich-Konzerns noch viel radikalere Schritte nötig als bisher. Der Günstig-Ableger Germanwings, der jetzt offiziell Eurowings heißt, reicht vermutlich als Rettungsanker nicht aus, selbst wenn die neue Billigtochter derzeit 20 Prozent günstiger produziert als die Muttergesellschaft. Das ist immer noch um Welten teurer als echte Billigflieger.

Flirt mit Easyjet

Eine in diesem Zusammenhang interessante Begebenheit ereignete sich am Dienstag dieser Woche in einem Flughafen-Hangar in London-Luton. Dort feierte Europas viertgrößte Airline, die Billiglinie Easyjet, ihren 20. Geburtstag. Auf der Bühne stand Vorstandschefin Carolyn McCall und wurde gefragt, was dran sei, dass sie bereits im Gespräch sei über eine Kooperation als Zubringer für Lufthansa. "Wir diskutieren mit etablierten Gesellschaften darüber, ihnen Passagiere zuzuführen", so McCall. Die Schwierigkeit sei, das bisher einfache Punkt-zu-Punkt-System eines Billigfliegers nicht durch die große Komplexität von Umsteigeverkehren zu belasten.

"Unsere Zubringer-Funktion ist sehr wertvoll", so McCall selbstbewusst. Aber sie scheint entschlossen, es als Partner einer großen Airline der alten Schule zu versuchen. "Es sollte dafür in Zukunft einen Weg geben", so die Easyjet-Chefin. Ob sie denn schon aktive Gespräche mit Lufthansa führe? "Vielleicht", sagte sie und lächelte vielsagend.

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