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Wirtschaft

Lufthansa: Streik vorbei - Probleme bleiben

Drei Tage lang haben die streikenden Piloten den Betrieb der Lufthansa fast komplett lahmgelegt. Jetzt läuft der Betrieb wieder planmäßig. Das Unternehmen aber befindet sich weiterhin in Turbulenzen.

"Aus unserer Sicht ist der Streik erfolgreich gelaufen", so Jörg Handwerg, Sprecher der streikenden Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), gegenüber der DW. "Wir denken, wir konnten ein deutliches Zeichen setzen, dass wir so nicht mit uns umgehen lassen."

Rund 3800 Flüge musste die Lufthansa streichen, weil sich das Management mit den Piloten nicht über eine Änderung der bestehenden Vorruhestandsregelung einigen konnte. Lufthansa-Piloten können sich mit 55 Jahren zur Ruhe setzen und bis zum offiziellen Rentenbeginn eine sogenannte Übergangsversorgung von mehr als 100.000 Euro pro Jahr beziehen. Aus Sicht der Lufthansa ist das zu früh und zu teuer.

Deutschland Pilotenstreik Frankfurt 02.04.2014 Jörg Handwerg Cockpit

VC-Sprecher Jörg Handwerk

Die Gewerkschaft werde die Lufthansa nach dem Streik zu neuen Gesprächen auffordern, so Sprecher Jörg Handwerg. Ein neues Angebot hat die Lufthansa bisher nicht vorgelegt.

Feinbild Finanzinvestor

Mit Spitzengehältern von rund 250.000 Euro im Jahr gehören die streikenden Piloten zu den Gutverdienern in Deutschland. Trotzdem sehen sie sich als Opfer von Menschen, die noch mehr Geld haben: internationalen Finanzinvestoren. Auf ihren Streikplakaten zeigten die Piloten einen grinsenden Mann im Nadelstreifenanzug, im Mund eine dicke Zigarre - eine Anspielung auf die US-Finanzinvestoren Blackrock, Capital Group und Templeton, die größten Anteilseigner der Lufthansa.

"Diese Großinvestoren gehen in Unternehmen rein, um in kürzester Zeit maximalen Profit aus dem Unternehmen rauszupressen", sagt Gewerkschaftsvertreter Handwerg. "Für die ist es ein gefundenes Fressen, wenn Gelder für's Personal zurückgelegt sind. Sie wollen diese Rückstellungen auflösen und einkassieren."

"Völlig daneben und falsch" findet diese Vorwürfe Jürgen Pieper, Luftfahrt-Analyst beim Bankhaus Metzler in Frankfurt am Main. Die Lufthansa habe mehrfach überhaupt keine Dividende bezahlt. "Investoren sind insgesamt mit Lufthansa deutlich schlechter gefahren als mit vielen anderen Unternehmen", so Pieper gegenüber der DW. Hinzu komme, dass die Lufthansa eine zu geringe Umsatzrendite erwirtschafte.

Deutschland Pilotenstreik Frankfurt 02.04.2014 Plakat

Streikenden Piloten am Frankfurter Flughafen

Eine Frage der Rendite

Um das zu ändern, hat Lufthansa-Chef Christoph Franz dem Unternehmen ein hartes Sparprogramm namens "Score" verordnet, bei dem auch tausende Stellen wegfallen. Bis 2015 soll der operative Gewinn mehr als verdreifacht werden auf 2,65 Milliarden Euro. Ambitioniert, aber machbar, findet Analyst Pieper. "Dann würde man irgendwo um die sieben Prozent Umsatzrendite erwirtschaften. Im Vergleich mit deutschen Großunternehmen ist das nicht besonders viel."

Viel wäre es allerdings im Vergleich mit anderen Fluglinien, deren Umsatzrenditen traditionell niedrig sind. Nach Angaben der Internationalen Vereinigung für den Luftverkehr IATA lag der Branchendurchschnit im vergangen Jahr bei 1,8 Prozent, für das laufenden Jahr wird ein Anstieg von 2,6 Prozent erwartet. Gewerkschaftssprecher Handwerg hält die Ziele des Managements jedenfalls für unrealistisch. Lufthansa-Chef Franz habe sich schlicht dem Druck der Investoren gebeugt. "Vierzig Jahre lang lag die Rendite im Schnitt bei zwei bis drei Prozent. Jetzt will man acht Prozent erwirtschaften. Wie soll das gehen?", so Handwerg.

Druck aus Asien

Jürgen Pieper

Aktienanalyst Jürgen Pieper

Die Lufthansa müsse sich bemühen, wettbewerbsfähiger zu werden, findet Analyst Pieper. Denn im internationalen Wettbewerb sei die Fluglinie zurückgefallen. Auf der Kurzstrecke in Europa habe sie lange Geld verloren, im früher profitablen Asiengeschäft sei der Wettbewerb härter geworden, die Gewinne kleiner. "Unter den Top10-Airlines sind heute sechs oder sieben asiatische Airlines", so Pieper.

Dass sich die Lufthansa anstrengen muss, bestreitet Pilotensprecher Handwerg nicht. Seiner Meinung nach habe das Management zu lange die Wünsche der Kunden vernachlässigt. Klappsitze statt Betten in der Business-Class, fehlende Bildschirme an den Plätzen der Economy-Class. "Auch der Service-Bereich wurde jahrelang zurückgeschraubt, man hat immer weniger auf dem Tablett gehabt. Das sind dann die Gründe, warum Kunden wechseln." Der Preis sei zwar auch ein Grund, aber allein nicht entscheidend, so Handwerg.

Der Neue ist Pilot

Anfang Mai übergibt Lufthansa-Chef Christoph Franz das Steuer an seinen Nachfolger Carsten Spohr. "Die Sparmaßnahmen waren absolut richtig und notwenig", sagt Analyst Pieper. "Aber jetzt ist es nicht verkehrt, wenn man die Mitarbeiter, die eine lange Durststrecke hinter sich haben, wieder stärker ins Boot nimmt und motiviert. Das traue ich Herrn Spohr zu."

Jörg Handwerg ist da skeptischer, auch wenn der neue Chef selbst Pilot ist. "Herrn Spohr wurde auf die Agenda geschrieben, dass das Sparprogramm Score weiterläuft - das war das erste, was er gesagt hat. Die Anteilseigner werden sicher überkritisch beobachten, dass er uns keinen Bonus einräumt", so der Pilotensprecher. "Es ist eher zu befürchten, dass er mit übertriebener Härte agiert."

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