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Wirtschaft

Lufthansa sagt wegen Absturz Jubiläumsfeier ab

Die Lufthansa sagt wegen des Absturzes eines Airbusses ihrer Tochter Gemanwings die Feiern zum 60. Firmenjubiläum ab. Bekannt wurde jetzt, dass der Copilot die Lufthansa über eine schwere Depression informierte.

Die für den 15. April vorgesehenen Feierlichkeiten fänden "aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525" nicht statt, teilte die Lufthansa in Frankfurt mit. "An Stelle der geplanten Jubiläumsveranstaltung wird Lufthansa den Staatsakt aus dem Kölner Dom, bei dem Angehörige und Freunde am 17. April 2015 der Opfer gedenken werden, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen." Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen waren vor einer Woche alle 150 Insassen ums Leben gekommen.

Der Copilot des Airbus A320 steht im Verdacht, die Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz gebracht zu haben. Er soll den Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt haben, nachdem dieser die Flugzeugkanzel für einen Gang zur Toilette verlassen hatte.

Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung von Copilot Andreas L. von einer vorausgegangenen Depression. In einer E-Mail habe der damalige
Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert, bestätigte die Lufthansa jetzt.

Weitere Ermittlungen

Die französische Flugunglücks-Ermittlungsbehörde BEA betonte, sie gehe im Zusammenhang mit dem Absturz auch möglichen "Systemfehlern" nach. Insbesondere das Schließsystem der Cockpit-Türen solle näher untersucht werden. Dabei gehe es auch um die "Abläufe beim Eintritt und beim Verlassen des Cockpits".

Die BEA verwies zudem ausdrücklich darauf, dass die Kriterien und Abläufe zum "Erkennen bestimmter psychologischer Profile" unter die Lupe genommen werden sollten. Dies bezieht sich auf Informationen, wonach der 27-jährige Copilot Andreas L. zeitweise an schweren psychischen Störungen gelitten habe.

Debatte über "Schweigepflicht"

In der Diskussion um Konsequenzen aus dem Absturz der Germanwings-Maschine wandten sich Ärzte, Psychotherapeuten und Piloten gegen Forderungen nach einer Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery kritisierte eine "gefährliche Diskussion" und warnte vor einer Ausgrenzung psychisch kranker Menschen.

Montgomery nannte es im Bayerischen Rundfunk eine "hochgradige Stigmatisierung", wenn jemand "als Jugendlicher oder als Kind in einer psychotherapeutischen oder psychiatrischen Behandlung war und das für ihn impliziert, dass er nie in seinem Leben mehr Pilot werden könnte oder einen anderen wichtigen, von ihm geliebten Beruf ergreifen könnte". Die allermeisten dieser Kranken würden hundertprozentig geheilt.

Auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung, Dieter Best, verwies darauf, dass "den allermeisten psychisch Kranken" mit einer Psychotherapie geholfen werden könne. "Mit der Auflockerung der Schweigepflicht wäre nichts gewonnen, im Gegenteil, es würde großer Schaden angerichtet", erklärte Best in Berlin.

Der Präsident der Pilotengewerkschaft Cockpit, Ilja Schulz, lehnte Lockerungen bei der Schweigepflicht von Ärzten ebenfalls ab. Solche Anregungen könne es nur von Menschen geben, die mit der Branche nicht vertraut seien, sagte Schulz der "Rheinischen Post". Nur bei einer Schweigepflicht könne der Arzt "echte Hilfe anbieten".

Straße zum Absturzort gebaut

Der Absturzort in den französischen Alpen kann jetzt über eine neu gebaute Straße erreicht werden. "Wir arbeiten schneller, länger und wir bringen mehr Proben zurück", berichtete die Polizei in dem Ort Seyne-Les-Alpes in der Nähe der schwer zugänglichen Absturzstelle. Bisher mussten Einsatzkräfte entweder per Hubschrauber an den Unglücksort gebracht werden oder nach einer Fahrt über eine holprige Piste zu Fuß noch rund eine halbe Stunde laufen. Die Bundeswehr wird den Bergungseinsatz mit zwei Hubschraubern unterstützen. Frankreich habe um die Hilfe gebeten, erklärte das Verteidigungsministerium in Berlin.

wl/haz (dpa, afp, rtr)

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