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Deutschland

Lufthansa: "Co-Pilot war 100 Prozent flugtauglich"

Ein Massenmord, verbunden mit einem Suizid? Auch Lufthansa und Germanwings glauben nicht mehr an ein Unglück beim Absturz von Flug 4U9525. Über die möglichen Motive des Co-Piloten herrscht jedoch weiter keine Klarheit.

Der Schock steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Mit versteinerter Miene treten Carsten Spohr und Thomas Winkelmann vor die Presse (Artikelbild). Die Chefs von Lufthansa und dem Tochterunternehmen Germanwings müssen bestätigen, was der zuständige Staatsanwalt Brice Robin in Marseille zuvor berichtet hatte: Flug 4U9525 wurde wohl mit voller Absicht zum Absturz gebracht. Nachdem der Flugkapitän das Cockpit verlassen hatte, soll der Co-Pilot zunächst die Tür blockiert haben. Dann habe er absichtlich den Sinkflug eingeleitet. "In unseren schlimmsten Alpträumen hätten wir uns das nicht vorstellen können", sagt Spohr und seine Stimme wird brüchig. "Dass das gerade uns passiert, tut uns einfach nur leid."

Spohr will nicht explizit sagen, dass Co-Pilot Andreas L. bewusst 149 Menschen mit sich in den Tod gerissen haben könnte. Eine mögliche Schuld des Flugkapitäns schließt er jedoch aus. Niemand im Konzern könne sich vorstellen, dass der Kapitän das Verfahren zur Öffnung der Cockpit-Tür nicht beherrscht habe. Der Kapitän habe streng nach Handbuch gehandelt, indem er das Cockpit erst verließ, als der Airbus A320 seine Reiseflughöhe erreicht habe. "Er hat vorbildlich gehandelt", so Spohr.

Ausbildung unterbrochen

Auch wenn es noch keine Sicherheit über den Verlauf der Katastrophe gibt: Nun stellt sich die Frage, ob der Co-Pilot psychisch krank gewesen sein könnte. Seine Ausbildung, die er vor sechs Jahren in Bremen und in Phoenix, Arizona, begann, hatte er laut Lufthansa für einige Zeit unterbrochen. "Aufgrund psychologischer Probleme?", so die Frage der Presse in der Germanwings-Zentrale. Eine Antwort darauf will der Konzern nicht geben. Laut deutschem Recht könnten nur die Strafbehörden entsprechende Unterlagen einsehen.

Man habe bislang keinerlei Kenntnisse darüber, was den Co-Piloten "zu der schrecklichen Handlung veranlasst haben könnte", sagt der Lufthansa-Chef. "Er war 100 Prozent flugtauglich. Seine fliegerischen Leistungen waren einwandfrei, ohne jede Auffälligkeit."

Vom Segelflieger zur Germanwings

Erste Flugerfahrungen hatte der 27-Jährige aus Montabaur beim Luftsportclub Westerwald gemacht. Dessen Webseite ist zur Zeit nicht mehr zu erreichen, zu viele Menschen wollen sich wohl informieren über das Leben von Andreas L. Hier war er Segelflugschüler. "Er wollte seinen Traum, das Fliegen, verwirklicht sehen", so hatten es seine Vereinskameraden beschrieben. Dieser Traum ist offensichtlich in einen Alptraum umgeschlagen am Vormittag des 24. März über den französischen Alpen.

Lufthansa will nun gemeinsam mit den Luftfahrt-Behörden darüber sprechen, wie das Auswahlverfahren und das Piloten-Training verbessert werden können. Dies werde man tun, obwohl "wir alle festes Vertrauen in unser Ausbildungssystem haben", sagt Spohr. Trotz aller Tests und Verbesserungen, "ein solches tragisches Einzelereignis" lasse sich niemals ausschließen, so der Lufthansa-Chef weiter.

Der Präsident der Gewerkschaft "Pilotenvereinigung Cockpit", Ilja Schulz, bestätigte der DW, dass man nun gemeinsam mit der Konzernleitung über eine mögliche Reform des Ausbildungssystems sprechen werde. Zu den neuen Erkenntnissen über die Absturzursache sagte Schulz: "Der Schock bei den Kollegen sitzt jetzt noch tiefer als zuvor schon. Es ist für uns alle völlig unfassbar."

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