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Deutschland

Luftgitarrist aus Leidenschaft

Jeder hat es schon gemacht - ob mit einem alten Tennisschläger oder direkt aus der Hüfte: Luftgitarre spielen. Für Christian Sweep ist es mehr als nur ein Zeitvertreib. Er ist Luftgitarrenkünstler.

Christian Sweep auf der Bühne beim Luftgitarrespielen (Foto: goenz.com)

Christian Sweep ist "Heart Buckboard"

Das Publikum kreischt. Durch die Lautsprecher dröhnen satte E-Gitarrenakkorde. Die Zuschauer sind kaum zu halten. Auf der Bühne steht Heart Buckboard: schwarzer Anzug, dunkle Sonnenbrille und Engelsflügel auf dem Rücken. Zu seiner Show gehört voller Körpereinsatz. Er springt und verrenkt sich. Nur das Gel in den Haaren hält seine Frisur. Das Gesicht verzieht er zu Grimassen, kreist mit dem Arm in der Luft, greift kraftvoll ins Nichts. Sein Instrument: die Luftgitarre.

Heart Buckboard heißt im wirklichen Leben Christian Sweep und ist professioneller Luftgitarrist. Wenn sich der 36-Jährige zurück erinnert, war es eigentlich eine total absurde Idee, mit so etwas Geld verdienen zu wollen. Eine Idee, die aus der Not geboren wurde: Als Koch wollte er nicht mehr arbeiten, also schnappte er sich einen CD-Player und marschierte in die Berliner U-Bahn.

Das erste Mal

Dort packte er das erste Mal seine Luftgitarre aus und legte los. Das Lied "Karate" von Tenacious D war der erste Song zudem er rockte - kein klassischer Luftgitarrensong wie zum Beispiel "Smoke on the Water" oder "Highway to Hell". Die Leute staunten nicht schlecht, als Sweep in die imaginären Saiten griff.

"Was ist denn mit dem los? Was macht der da? Ist das jetzt Tanz, ist das Sport oder ist der einfach nur bekloppt?", berichtet Sweep von den ersten Reaktionen der Fußgänger. In den engen Passagen der U-Bahn war es zudem nicht einfach, denn das extrovertierte Luftgitarrenspiel von Heart Buckboard braucht viel Platz. Als richtiger Rocker muss man da aber durch! Und tatsächlich, der ehemalige Koch konnte damit ein paar Euro verdienen.

Völlig aus der Luft gegriffen

Christian Sweep vor seiner Trophäenwand und mit Requisite in der Hand (Foto: DW)

Christian Sweep ist Luftgitarrenkünstler aus Leidenschaft

Seit sieben Jahren spielt der Berliner Luftgitarre und ist in der Szene ein richtiger Prominenter. Denn mit seinen spektakulären Showeinlagen überzeugt er immer wieder sein Publikum. Mittlerweile kann er sogar vom Luftgitarrespielen leben. Für ihn sei es jedoch mehr als nur ein Beruf, schwärmt Heart Buckboard: "Ja, eine völlig aus der Luft gegriffene Berufung."

Das erkennt man an seinen abwechslungsreichen Auftritten. Spezialeffekte und vor allem kreative Kostüme sind fester Bestandteil. Mal kommt Heart Buckboard als Frankensteins Monster auf die Bühne, mal als Straßenclown. Mit seinem Luftgitarrenspiel wirkt er für viele exotisch, extravagant oder sogar exzentrisch: ein bunter Hund eben.

Keine Randsportart

Der eine oder andere mag den Luftgitarristen belächeln und als Sonderling abtun. Für Heart Buckboard ist Luftgitarre spielen aber alles andere als außergewöhnlich. Schließlich spielen weltweit mehr Menschen aktiv Luftgitarre als Stabhochsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen und Pferdedressur - insgesamt - zu betreiben. "Vielleicht wird es irgendwann olympisch?", träumt Heart Buckboard.

Auch wenn der passionierte Luftgitarrenspieler eine olympische Medaille wohl nie gewinnen wird, hat er bereits zahlreiche andere Titel geholt. Echte Meisterschaften werden in dieser Gitarrendisziplin ausgefochten. Jährlich findet sogar eine Weltmeisterschaft im finnischen Oulu statt. Die Bilanz für Heart Buckbord lässt sich sehen: Mehrfacher Meister in Brandenburg, drei Mal deutscher Meister, Vize- und Europameister. Nur Weltmeister war er noch nicht. Aber den Titel will er sich auch noch holen.

Autor: Chi Viet Giang
Redaktion: Nicole Scherschun