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Aktuell Welt

Luftfahrtbranche verständigt sich auf Taskforce

Als Reaktion auf das Flugzeugunglück in Südfrankreich hat die Luftfahrtbranche eine Taskforce ins Leben gerufen. Das Gremium werde sich zunächst mit dem Schließmechanismus der Cockpittür befassen.

Außerdem prüfe man das "Medical" genannte medizinische Tauglichkeitszeugnis für Piloten sowie psychologische Verfahren, teilten Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Peter Siegloch, in Berlin mit. Das Gremium werde mit Sachverständigen besetzt, die in einzelnen Fällen auch Experten hinzuziehen könnten.

Die Taskforce solle die Ermittlungsergebnisse begleiten und überprüfen, welche weiteren Konsequenzen daraus gezogen werden müssten, sagte Verbandspräsident Siegloch. Es sei aber "sehr wichtig, dass wir nicht zu übereilten Beschlüssen kommen", betonte er.

Unter dem Dach des BDL

Die Beratungen der Taskforce, die unmittelbar nach Ostern beginnen sollen, finden unter dem Dach des BDL statt und werden vom Bundesverkehrsministerium begleitet. Zusätzlich soll ein regelmäßiger Austausch mit dem Luftfahrtbundesamt stattfinden, wie Dobrindt sagte.

Zur Zeit herrscht ein Dilemma: Was nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als Sicherheitsmaßnahme eingeführt wurde, hat nun offenbar zum Tod von 150 Menschen beigetragen. Nach 09/11, als mehrere Flugzeuge von bewaffneten Terroristen entführt und in die Türme des World Trade Centers gesteuert worden waren, galt das Cockpit als verwundbare Zone, die man vor Eindringlingen schützen müsse. Dass die Gefahr von innen kommen und ein Besatzungsmitglied selbst Amok laufen könnte, blieb jedoch außen vor.

Gepanzertes Türblatt

Die Konsequenz schien daher klar: Die Cockpit-Türen wurden mit einem ausgeklügelten Schließmechanismus ausgerüstet, der sich - je nach Gefahreneinschätzung des Piloten - manuell steuern lässt, aber auch eine Notfallöffnung vorsieht.

Türverriegung am Instrumentenpult (Foto: Reuters)

Ausgeklügelt: Türverriegung am Instrumentenpult

So sollte sichergestellt werden, dass selbst bei plötzlicher Bewusstlosigkeit des Kapitäns und seines Kollegen noch Hilfe möglich ist. Die Cockpit-Besatzung kann die Notfallöffnung allerdings deaktivieren. Damit kein Terrorist die Tür aufbrechen kann, wurden die Türblätter gepanzert.

Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, diskutiert eine deutsch-französische Expertengruppe bereits, ob der Türschutz-Mechanismus wieder abgeschafft werden soll. Dann gäbe es - anders als derzeit - keine Möglichkeit mehr, die Cockpit-Tür von innen sogar dann zu blockieren, wenn ein anderes Crewmitglied mit entsprechendem Zugangscode eintreten will.

Gefährder an Bord?

Aber nicht nur die baulichen Vorrichtungen an Bord, auch die Sicherheitsmaßnahmen am Boden würden nach dem Unglück durchleuchtet, so das Blatt. Dies betreffe zum einen den internationalen Austausch von Fluggastdaten. Darüber hinaus erwäge Bundesinnenmininster Thomas de Maizière, die Ausweispflicht auf allen Flügen innerhalb der EU und im Schengen-Raum wieder einzuführen.

Der Minister sagte der "Bild"-Zeitung, dass direkt nach dem Germanwings-Unglück untersucht werden sollte, ob Crewmitglieder oder Passagiere des Fluges "als Gefährder bekannt waren". Zunächst sei aber gar nicht klar gewesen, wer überhaupt in dem Airbus saß. Im Schengen-Raum wird die Identität der Passagiere nämlich seit dem Wegfall der Grenzen nicht mehr systematisch kontrolliert.

Wenn ein Fluggast sein Ticket an jemand anderen abtritt, wird nur der Name des ersten Passagiers erfasst. Das sei "ein riesiges Sicherheitsproblem", erklärt der Innenminister - "und wir müssen ernsthaft überlegen, ob das in Zukunft wirklich noch so bleiben kann".

haz/se/jj (dpa, afp, rtr)

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