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Wirtschaft

Luftfahrt-Branche im Dollar-Gegenwind

Für die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung im Mai zeichnet sich eine Rekordbeteiligung ab. Die Messe ist Abbild der Boom-Branche. Europäischen Unternehmen wie Airbus macht jedoch der starke Euro Probleme.

Ein Airbus über den Wolken - dpa

Gute Perspektiven für Europas Flugzeugbauer: Nur der Dollar stört.

Die Zahlen klingen vordergründig gut. Im vergangenen Jahr machten die Unternehmen der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz, das ist ein neuer Rekord. Die Zahl der Beschäftigten erreichte mit 88.200 eine neue Höchstmarke. 17 Prozent des Umsatzes wurden für Forschung und Entwicklung ausgegeben.

Doch der Erfolg hat auch eine Schattenseite. 75 Prozent ihres Umsatzes macht die Branche im Ausland und eine solche Exportquote macht angesichts des schwachen Dollar extrem verwundbar. Die Produkte werden im Vergleich zu denen der Konkurrenten, die im Dollarraum produzieren, immer teurer. Thomas Enders, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), findet dafür klare Worte: "Uns steht das Wasser bei einem Dollarkurs von 1,50 oder 1,60 Euro an der Unterkante der Oberlippe. Und deshalb müssen wir, wo immer es geht, Kosten einsparen."

Härtere Bedingungen für Zulieferer

Airbus-Chef Thomas Enders mit Sorgenfalten - dpa

Airbus-Chef Enders mit Sorgenfalten: 'Wir müssen sparen.'

Und das sagt Enders nicht nur als BDLI-Präsident, sondern auch als Airbus-Chef. Das so genannte Sanierungsprogramm "Power 8" sei bei einem Dollarkurs von 1,35 Euro aufgelegt worden und reiche nicht aus. Bei Airbus wird ernsthaft über zusätzliche Sparmaßnahmen nachgedacht. Dazu gehört auch etwas, was Enders Lastenteilung nennt. Damit meint er die immer schärfer werdenden Konditionen für die Zuliefererfirmen von Airbus.

Die stöhnten unter der Preisschraube, wie BDLI-Hauptgeschäftsführer Dietmar Schrick weiß: "Aus meinen Gesprächen mit den Zulieferern, die ich besucht habe, wird deutlich, dass aufgrund des Dollarkurses die Finanzdecke sehr dünn ist." Jedes zweite Unternehmen in der Ausrüstungsindustrie befasse sich mittlerweile mit dem Gedanken, die Produktion ins Ausland zu verlegen.

Ingenieur-Nachschub aus Indien

Airbus-Chef Enders unterstützt die Internationalisierung. Nicht nur bei den Zulieferern, sondern in der gesamten Branche gebe es einen Trend zur Auslagerung von Produktionsteilen aus Deutschland und anderen europäischen Hochlohnländern. Hinzu komme, dass die Branche seit geraumer Zeit mit Fachkräftemangel zu kämpfen habe. Allein in diesem Jahr sind 4000 Ingenieure und 2000 Facharbeiter gesucht. Dabei werden die Unternehmen immer häufiger in Schwellenländern wie Indien fündig.

Ingenieure studieren Stellenangebote auf einer Stellwand - dpa

Mangel an Ingenieuren: Immer häufiger werden Flugzeugbauer im Ausland fündig.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Mitarbeiter vor Ort, also in Deutschland oder Europa sitzen mussten. Heute werden Ingenieur-Zentren rund um die Welt eingerichtet, die durch moderne Kommunikationsmöglichkeiten in den Konzern eingebunden sind. Grundsätzlich sieht die Branche zwar härteren, aber durchaus profitablen Zeiten entgegen. Auf Expansionskurs ist allen voran die zivile Luftfahrt, die mit rund 64 Prozent der größte Umsatzträger ist.

Kleinstaaterei im Luftraum-Management

Weltweit gibt es eine steigende Nachfrage nach zivilen Flugzeugen. Entsprechend kritisch steht der BDLI zu Plänen der EU, den Luftverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen. Fair und global möchte Enders den Umweltschutz gestaltet sehen. Außerdem müsse die Politik erst einmal ihre eigenen Hausaufgaben machen und beispielsweise die Kleinstaaterei im Luftraum-Management beenden. Mit einem einheitlichen Europäischen Flugraum ließen sich zehn bis zwölf Prozent CO2-Ausstoß einsparen.

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