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Asien

Luftangriffe und Anschläge in Pakistan

Als hätte es die Flutkatastrophe in Pakistan nie gegeben: Im Nordwesten des Landes fliegt die Armee Luftangriffe auf Extremisten, in Lahore kommen bei einer Anschlagserie Dutzende schiitischer Muslime ums Leben.

Nach den Anschlägen steckten aufgebrachte Schiiten unter anderem auch mehrere Polizeilaster in Brand (Foto: dpa)

Nach den Anschlägen steckten aufgebrachte Schiiten unter anderem auch mehrere Polizeilaster in Brand

Am Tag nach dem Anschlag gedachten die Schiiten der Getöteten mit einem Trauerzug (Foto:ap)

Am Tag nach dem Anschlag gedachten die Schiiten der Getöteten mit einem Trauerzug

Von der Jahrhundertflut in Pakistan ist die Millionenmetropole Lahore an der Grenze zu Indien glücklicherweise weitestgehend verschont geblieben. Dafür hat sie mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Mindestens 38 Menschen - vermeldeten offizielle Stellen am Donnerstag (02.09.2010) - sollen bei der jüngsten Anschlagserie in Lahore ums Leben gekommen sein. Etwa 300 weitere wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Am Mittwoch hatten sich mehrere Selbstmordattentäter mitten in einer Versammlung schiitischer Gläubiger in die Luft gesprengt. Ein Vertreter der Stadtverwaltung in Lahore bestätigte mittlerweile, dass es sich bei den Explosionen um Selbstmordanschläge handelte.

Immer wieder Lahore

Entsetzen und Trauer bei den Schiiten in Lahore (Foto: dpa)

Entsetzen und Trauer bei den Schiiten in Lahore

Augenzeugenberichten zufolge war es kurz hintereinander zu drei Explosionen gekommen: Ziel war eine Prozession, bei der die Schiiten dem Imam Ali gedenken wollten, der im schiitischen Islam als rechtmäßiger Nachfolger des Propheten Mohammed gilt. In Pakistan sind nur 20 Prozent der Bevölkerung Schiiten. Sie wurden jedoch in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Anschlägen sunnitischer Extremistengruppen. Viele dieser Attentate geschahen in Lahore. So waren erst Anfang Juli bei einem Doppelanschlag auf einen muslimischen Schrein mehr als 40 Menschen getötet worden. Ende Mai fielen rund 80 Menschen Angriffen auf Moscheen der muslimischen Ahmadiyya-Minderheit zum Opfer.

Nach den jüngsten Anschlägen kam es in Lahore zu Ausschreitungen. Pakistanische Medien berichten von aufgebrachten Schiiten, die eine Polizeistation und zahlreiche Autos in Brand gesetzt haben sollen. Am Donnerstag blieben Geschäfte und Schulen geschlossen. Unterdessen verurteilte Pakistans Regierungschef Yousuf Raza Gilani die Anschläge als "feigen terroristischen Akt". Die Schuldigen, die mit dem Leben Unschuldiger spielten, würden dem Gesetz des Landes nicht entkommen, sagte der Premierminister in der Hauptstadt Islamabad.

Luftangriffe im Nordwesten

Bei einem Luftangriff der Armee zerstörtes Wohnhaus in Nordwestpakistan (Foto:ap)

Bei einem Luftangriff der Armee zerstörtes Wohnhaus in Nordwestpakistan

Wochenlang stand im Nordwesten Pakistans die Bekämpfung der Flut im Vordergrund. Doch die Wasserstände gehen langsam zurück, und schon nimmt die Armee ihren Kampf gegen die Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan wieder auf. Bei Luftangriffen der pakistanischen Streitkräfte auf mutmaßliche Verstecke militanter Extremisten in der Khyber-Region Anfang der Woche sollen mindestens 45 Menschen getötet worden sein. Kampfjets und Hubschrauber hätten Ziele im Teerah-Tal beschossen, in dem Mitglieder des Terrornetzwerks Al Kaida und der Taliban Unterschlupf gefunden hätten. Bei der Militäraktion sollen auch bis zu zwölf Zivilisten umgekommen sein. Bislang blieb jedoch unklar, ob diese versehentlich getötet wurden oder von den Extremisten als "menschliche Schutzschilde" benutzt worden waren.

Die an der Grenze zu Afghanistan gelegene halbautonome Stammesregion Khyber gilt als Hochburg der Taliban und anderer extremistischer Gruppen sowie als Rückzugsraum für Angehörige des Terrornetzwerks Al Kaida. Das pakistanische Militär geht in der Gebirgsregion seit Monaten verstärkt gegen die Extremisten vor.

Autor: Thomas Latschan (ap, afp, dpa)

Redaktion: Esther Broders