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Aktuell Nahost

Luftangriff auf historische Altstadt von Sanaa

Zum ersten Mal schlugen die Bomben der arabischen Koalition direkt in die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Altstadt ein, berichten Anwohner. Mehrere Menschen wurden getötet. Die UNESCO verurteilte den Angriff im Jemen.

Roter Stein, weiße Ornamente - so präsentiert sich der historische Teil der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Nun hat der Krieg die Viertel der Altstadt erreicht: Raketen der Militärkoalition unter saudi-arabischer Führung schlugen in historische Gebäude ein. Dabei wurden nach Augenzeugenberichten mindestens sechs Menschen getötet und vier Häuser in der Altstadt zerstört.

Laut Ärzten sind unter den Todesopfern eine Frau und ein Kind. Welches Ziel die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition treffen wollte, war zunächst unklar. Anwohner machten widersprüchliche Angaben darüber, ob Huthi-Rebellen eines der Häuser besetzt hatten. Auch ein Waffenlager der Huthi-Rebellen wurde laut Anwohnern bombardiert. Zuvor hatte in Sanaa zwei Tage angespannte Ruhe geherrscht.

Sorge um Jemens Kulturschätze

UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova verurteilte den Luftangriff auf "eines der ältesten Juwelen" der islamischen Kultur. Die Zerstörung werde die humanitäre Lage weiter verschlimmern, erklärte sie in Paris. "Ich wiederhole meinen Appell an alle Parteien, das Kulturerbe im Jemen zu respektieren und zu schützen."

Stadt Sanaa Jemen Archiv 2007

Teil des Weltkulturerbes der UNESCO: die historische Altstadt von Jemens Hauptstadt Sanaa

Die UNESCO hat die Altstadt von Sanaa 1986 auf ihre Liste des Weltkulturerbes genommen. Sie liegt 2200 Meter hoch in einem Bergtal und war eines der größten Zentren für die Ausbreitung des Islams. Sie umfasst mehr als 6000 meist mehrgeschossige Häuser, die vor dem elften Jahrhundert errichtet wurden.

Friedensgespräche in Genf

Erstmals seit der arabischen Militärintervention kommen die Konfliktparteien am Montag in Genf zu Friedensgesprächen zusammen. Das ursprünglich für Sonntag geplante Treffen sei vertagt worden, weil eine der beiden Delegationen erst am Sonntagabend in der Schweiz eintreffen werde, teilten die UN mit. An den Verhandlungen unter UN-Vermittlung nehmen insgesamt 14 Jemeniten teil - sieben von jeder Seite.

Im ärmsten Land Arabiens kämpfen schiitische Huthis gegen Anhänger des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Der Staatschef war vor einigen Monaten ins sunnitische Saudi-Arabien geflüchtet. Seit Ende März bombardiert ein von Riad geführtes Bündnis Stellungen der Aufständischen. Nach UN-Angaben sind im Jemenkrieg seit März etwa 2300 Menschen getötet worden.

Jemens Bevölkerung hungert

Hilfsorganisationen appellierten erneut an die Konfliktparteien, die Kämpfe zu beenden. Im Jemen herrsche bereits jetzt eine der weltweit größten humanitären Krisen, erklärte die Entwicklungsorganisation Oxfam am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung mit anderen internationalen Gruppen. 80 Prozent der Bevölkerung seien auf Unterstützung angewiesen, knapp die Hälfte hungere.

cw/fab (dpa, afp)