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Musik

Lucía Martínez - Die Spur der Klänge

Vigo – Helsinki – Porto – Berlin: Das sind die wichtigsten Stationen in Lucía Martínez Musikerleben. Jetzt wartet sie mit dem ersten Album ihres Berliner Bandprojekts Azulcielo auf.

Von peruanischen Walzern bis hin zu italienischer Musik hörte man so ziemlich alles im musikbegeisterten Elternhaus der Spanierin. Von der Mutter lernte die kleine Lucia zunächst das Spiel der Drehleier, und jeden Nachmittag nach der Schule begab sie sich in eine Art Volkshochschule, um traditionelle galicische Perkussion zu studieren. Schon damals, inmitten von dreißig Gaitas, den galicischen Dudelsäcken, kam das energiegeladene Mädchen auf den Geschmack und erkannte, welche Kraft und welches Klangpotenzial in Schlagzeug oder Perkussion stecken. Die Feinheiten und - wie sie selber sagt – die musikalische Disziplin erwarb sie später beim Klassikstudium am Konservatorium.

Jazz, Filmmusik und Azulcielo

Schließlich landete die Multiinstrumentalistin im Jazz und vernarrte sich in seinen Freigeist. Nach Studienaufenthalten in Helsinki und Porto kam sie vor etwa vier Jahren nach Berlin, der Empfehlung des ebenfalls dort lebenden portugiesischen Jazzbassisten Carlos Bica folgend. Am Jazz-Institut Berlin macht die junge Schlagwerkerin ihren Master.

Das Diplom kaum in der Tasche studiert die neugierige junge Frau weiter, derzeit Filmmusik an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Dazwischen bleibt offenbar noch genug Zeit zum Komponieren und zum Musizieren in diversen Projekten. Lucía Martínez ist unter anderem der kreative Kopf eines Quartetts, in dem sie mit portugiesischen Musikern arbeitet. Ihr wichtigster musikalischer Anker in Berlin ist allerdings die Band Azulcielo, ein ursprünglich von ihrem Schlagzeug-Professor John Hollenbeck angeregtes Projekt. Nachdem die mit Klassik, Jazz und ihrer Heimatfolklore vertraute Musikerin auf etlichen Alben von Kollegen mitgewirkt hat, steht sie mittlerweile mit zwei Plattenaufnahmen auf eigenen Beinen.

Der blaue Himmel über Berlin

Ein deutscher Traum: Von dem ist im Booklet des Plattendebüts von Azulcielo die Rede, dem zweiten Album, das Lucía Martínez in Eigenregie vorlegt. Dieser "sueño alemán" beinhaltet für sie die Möglichkeit, in einem Land wie Deutschland zu studieren. Dazu gehört aber auch eine musikalische Offenheit, die man vielleicht eher in Spanien erwarten würde und die ihr das Arbeiten in Deutschland so angenehm macht.

Cd Azulcielo. Quelle: (Foto: DW/ Mario Burbano)

Das Projekt Azulcielo

Sehnsucht schwingt mit im Namen ihres fünfköpfigen Projekts, der Frucht der Berliner Uni-Jahre: Azulcielo, auf Deutsch "Blauer Himmel". Nach diesem Himmel klingen denn auch die Berliner Kompositionen von Lucia Martinez, "irgendwie wärmer und spanischer", sagt die Musikerin. "Wenn ich zuhause in Galicien und nahe dem Meer bin, geraten die Stücke aus lauter Fernweh nach Berlin und dem kälteren Wetter anders, durchaus dunkler."

Martínez Kompositionen sind anmutige Klanglandschaften. Sie profitieren von der Freiheit des Jazz, und in ihnen klingen Echos galicischer Folklore, Flamenco oder Tango nach. Entsprechend reichhaltig ist die Instrumentierung: Klarinette und Bassklarinette, Saxofon, Akkordeon, Piano, Kontrabass, Vibrafon und Schlagzeug. Letzteres betätigt die kreative Drummerin auf ihre ganz eigene Art; spielerisch und fantasiebegabt erweitert sie mit Hilfe von allerlei Gegenständen und Soundideen das übliche Vokabular des Jazz-Schlagzeugs. Dabei ergeben sich Geschichten und Szenerien, die filmreife Namen tragen wie "Taglilien", "Fühstück mit Mango" oder "Still, das Licht von Campo Oeste kündigt den Sturm an".

Film für die Ohren

Lucia Martinez, Musikerin (Foto: DW/ Mario Burbano)

Lucía Martínez ist Schlagwerkerin aus Leidenschaft

Anstatt selber hinter der Kamera zu stehen, dreht der bekennende Film-Junkie eben auf musikalischem Wege seine ganz eigenen Filme. Das wahre Kino und seine Soundtracks sind dabei eine starke Inspirationsquelle für die Musikerin. Das belegen auch die diversen Namen von Regisseuren in Lucía Martínez Danksagung im CD-Booklet. Und nicht erst seit dem Studium in Potsdam, auch schon zuvor schrieb sie Filmmusik.

Darüber hinaus komponiert die umtriebige Frau mit dem sympathischen Lächeln auch für Big Bands, und wenn sie mal nicht ihre eigenen Projekte verfolgt, steht sie gerne im Dienst anderer Musiker. So trommelt sie etwa für die Sängerin Defne Şahin oder begleitet den jiddischen Pop der Band Fayvish. Manchmal aber scheint ihr Berlin doch zu kalt zu sein. Dann spielt sie ihr Schlagzeug einfach in den Bands befreundeter Musiker aus Spanien und Portugal.

Autorin: Katrin Wilke
Redaktion: Matthias Klaus

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