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Europa

Loyaler Juniorpartner

Polen soll auf Wunsch der USA eine führende Rolle bei der Neuordnung des Irak spielen. In Warschau wird das als Einstieg in die Weltpolitik gefeiert. Europäische Staaten wie Deutschland und Frankreich sind verärgert.

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US-Präsident Bush bei einem Besuch in Warschau

Das Schicksal der CIA-Geheimagenten schien besiegelt. Am Vorabend des Golfkriegs von 1990 waren sie in der irakischen Wüste stecken geblieben. Ihre Tarnung war aufgeflogen, Saddam Husseins Geheimpolizei war ihnen dicht auf den Fersen. Die Rettung kam in letzter Sekunde. Polnische Ingenieure riefen ihren Geheimdienstchef zu Hilfe, der die CIA-Mitarbeiter außer Landes schaffte. Die Aktion war so spektakulär, dass sie die Aufmerksamkeit des polnischen Regisseurs Wladyslaw Pasikowski erregte. Der machte aus dem Stoff einen mäßig erfolgreichen Actionfilm mit dem Titel "Operation Samum".

Die Anekdote zeigt, dass die guten Beziehungen zwischen Polen und den USA schon eine längere Geschichte haben und nach den jüngsten Entwicklungen wohl eine noch längere Zukunft. Zwar fiel der polnische Beitrag im Irak-Krieg mit 200 Soldaten eher mager aus. Die loyale Haltung Warschaus gegenüber Washington im Irak-Krieg scheint sich dennoch auszuzahlen. Mit rund 2000 Soldaten und Geld aus Washington soll Polen die Kontrolle über den nördlichen der drei Sektoren übernehmen, in die das Land aufgeteilt werden soll. "Polen wertet das als Einstieg in die Weltpolitik", sagt Kai-Olaf Lang von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Die Nachricht sei im Land sehr euphorisch aufgenommen worden, so der Experte im Gespräch mit DW-WORLD.

Strategische Interessen

Das Land gefällt sich in der Rolle als "gleichwertiger" Partner der Supermacht, zumal es von seinen europäischen Partner nicht immer mit gebührendem Respekt behandelt worden war. Warum aber fiel die Wahl der USA gerade auf Polen und nicht auf Australien, Spanien oder ein anderes Mitglied der "Koalition der Willigen" - den Unterstützerländern des Irak-Krieges? Nach Ansicht Langs geht es den USA vor allem darum, das "neue Europa" symbolisch für seine Loyalität zu belohnen. "Polen ist der Bannerträger für die Orientierung hin zu den USA." Andere Stimmen vermuten, die USA versuche durch die bevorzugte Behandlung Polens die Gräben in Europa weiter zu vertiefen.

Andererseits könnte die Administration von US-Präsident George Bush auch von den exzellenten Beziehungen Polens zum Irak profitieren. 40.000 polnische Bauingenieure und Rüstungsexperten arbeiteten in den 70er und 80er Jahren im Irak. Im Gegenzug kamen etwa 20.000 Iraker zum Studium nach Polen, ein Teil der irakischen Elite soll sogar Polnisch sprechen. Polens Wirtschaft - vor allem die Bauindustrie - verspricht sich ihrerseits lukrative Aufträge vom Wiederaufbau im Irak. Das ist nach Langs Ansicht aber nicht der Hauptgrund für den pro-amerikanischen Kurs der polnischen Regierung. Der resultiere vielmehr aus einem "Gemisch aus historischen Erfahrungen und sicherheitspolitischem Kalkül".

Die USA als Helfer in der Not

Historisch habe Polen den USA einiges zu verdanken, nicht nur in den beiden Weltkriegen. Im Kalten Krieg sei es den USA gelungen, das Sowjetimperium im Zaum zu halten. Auch heute sehe Polen seine sicherheitspolischen Interessen besser durch die USA gewahrt, als von europäischen Staaten. Die Furcht vor Bedrohungen aus dem Osten sei historisch fest verankert So werde besonders das autokratische Regime Weißrusslands misstrauisch von Warschau beäugt.

Doch auch gegenüber dem Westen will sich Polen absichern. "Die harte Haltung der Bundesregierung in der Irak-Frage hat die Ängste vor einer Renationalisierung europäischer Politik wieder hochkommen lassen", meint Lang. Die Kooperation zwischen Deutschland, Frankreich und Russland habe beträchtlich an Fahrt zugelegt, während das "Weimarer Dreieck" – ein lockeres Bündnis aus Deutschland, Frankreich und Polen – an Dynamik verloren habe.

Europa bleibt wichtig

Die Verärgerung unter Franzosen und Deutschen über die jüngsten Entwicklungen wurde zusätzlich durch die Entscheidung der polnischen Regierung geschürt, 48 Kampfflugzeuge vom Typ 16 im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar beim US-Hersteller Lockheed Martin zu bestellen - die europäischen Anbieter gingen leer aus. Polen-Experte Lang glaubt allerdings nicht, dass sich Polen langfristig von Europa abnabeln will, und nur auf die Beziehungen zu den USA setzen wird. "Polen braucht sowohl die USA, als auch Europa. Nur so kann es seine außenpolitische Ziele erreichen."

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