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DW-RADIO

Lou Reed wird 60

Sex & Drugs & Rock'n'Roll hält jung

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Der bekannteste lebende Tote des Rock

"Ein Akkord ist gut. Zwei Akkorde sind schon eine ganze Menge. Drei Akkorde - und schon ist man beim Jazz."

Lou Reed's Definition von Rock'n'Roll stößt nicht unbedingt überall auf Zustimmung, aber das ist und war auch nie seine Absicht.

Am 2. März 1942 in New York geboren, hat Lou Reed schon früh seine Leidenschaft für Geschichten, Gedichte und Musik entdeckt. Als rebellisches Kind hörte er Rock'n'Roll und Rhythm & Blues - absolut skandalöse Musik damals. Seine widerspenstige Art trieb seine verzweifelten Eltern dazu, ihn mit 17 Jahren in eine Schocktherapie zu stecken. Der Erfolg: Lou wurde noch fanatischer.

In seiner College-Zeit experimentierte er mit Drogen und Sex, was ihn nicht davon abhielt, eine ungeheure Kreativität an den Tag zu legen. Er lernte verschiedene Musiker kennen - man inspirierte sich gegenseitig - und schließlich wurde 1965 die Band Velvet Underground gegründet.
Musik zwischen Melancholie und Rock - vom Enthusiasmus bis hin zur tiefen Depression - die Spannbreite der Musik und der Texte von Velvet war so ungeheuerlich, dass viele Rockfans verwirrt waren - andere beteten Lou Reed und seine Band an. Einer von ihnen war Andy Warhol. Der Künstler verschaffte Velvet Underground einen Plattenvertrag.

In den folgenden fünf Jahren entstanden drei Studio-Alben, darunter "White Light, white Heat", die wohl vielsagendste Platte über Drogen, die es jemals gab. Die Musik von Velvet war neben ihrer experimentellen Vielfalt vor allem geprägt von der Stimme Lou Reeds, die immer so ein kleines bisschen danebenlag.

1970 verließ Lou Reed die Band und versuchte sein Glück alleine. Zusammen mit David Bowie produzierte er sein Album "Transformer", auf dem der größte Hit Lou Reeds zu finden ist - "Walk on the wild side".
Seine Musik war hörbarer geworden, aber in seinen Texten stellte er immer noch Bilder vor, die dem Publikum fremd waren. Aber man akzeptierte es - und fand es schließlich cool.

Nach den wilden 70ern wurde es etwas ruhiger um Reed; 1989 gelang ihm mit dem viel beachteten Album "New York" dann ein Comeback, wonach er geläutert und seriöser auftrat. Aber in Interviews war er nach wie vor ein schwieriger und ungemütlicher Gesprächspartner.
Ein kurzes Revival von Velvet Underground, sowie seine Gedichtbände und Kompositionen für die Theaterstücke "Time Rocker" und "POEtry" von Regisseur Robert Wilson brachten ihm dennoch Anerkennung.

Trotz der langen Solo-Zeit mit etlichen Erfolgen wird Reed auch heute noch häufig zuallererst mit Velvet Underground in Verbindung gebracht. Wohl nicht zuletzt, weil deren Musik weiter aktuell scheint: Mit starken Anleihen an den typischen Velvet-Underground-Sound war die junge New Yorker Band The Strokes im vergangenen Jahr DIE Rock-Sensation.

Noch vor zwei Jahren war Lou Reed in Deutschland auf Tournee. Er ist natürlich nicht mehr der wilde Rebell, der sich auf der Bühne imaginäre Heroinspritzen in die Adern schießt - klar, wenn man auf die 60 zugeht, wird man eben ruhiger.

Lou Reed - ein Musiker, der Popgeschichte geschrieben hat. Und das, obwohl er nicht Millionen von Platten verkauft hat. Aber das ist auch nicht das Wichtigste.

  • Datum 01.03.2002
  • Autorin/Autor Silke Wünsch
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1wra
  • Datum 01.03.2002
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