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Bildung

Lotsen durch den Uni-Dschungel

Fragen erwünscht: An der Ruhr-Universität Bochum betreuen Studenten Schüler, die sich für ihr Studienfach interessieren. Sie tauschen Mails aus und treffen sich. Damit soll Vertrauen aufgebaut werden.

Etwas ratlos steht Annika vor dem Campusplan. Zwanzig Fakultäten auf einem Gelände, das mehr als 49 Fußballfelder umfasst – sich dort zurechtzufinden, wird nicht leicht sein. Doch die 17-jährige Schülerin ist fest entschlossen, im kommenden Jahr an der Ruhr-Universität Bochum Medizin zu studieren. "Darauf will ich mich möglichst gut vorbereiten", sagt sie und sieht selbstbewusst zu Studentin Friedrike. "Ich denke, mit ihrer Hilfe kann ich das auch schaffen."

Seit einigen Monaten kennen sich die beiden durch einen regen E-Mail-Austausch. Heute macht Annika die ersten  Schritte auf dem Campus in Richtung Medizinstudium. Sie lernt die medizinische Fakultät kennen, die Bibliothek, das Labor. Treffen auf dem Campus gehören zum festen Programm des Projekts "Mailmentoring Plus", an dem Annika und Friedrike teilnehmen. Schon seit 2006 betreuen Studierende  der Ruhr-Universität jeweils ein Semester lang Jugendliche, die sich für ihr Studienfach interessieren – ein deutschlandweit einmaliges Programm, an dem bisher über 160 Tandems teilgenommen haben.

Den Menschen hinter den Mails sehen

Das Foto zeigt die Projektkoordinatorin Magdalena Zomerfeld vor einem Plakat, das für das Mailmentoring-Projekt der Ruhruniversität Bochum (RUB) wirbt. Es wurde der Deutschen Welle kostenfrei vom Projekt Junge Uni der RUB zur Verfügung gestellt über einen Onlineartikel der DW-Autorin Sabine Damaschke zum Projekt Mailmentoring. Dabei beraten Studenten aller Fachrichtungen interessierte Schüler per Mail und organisieren Treffen an der Uni, um den Studieneinstieg zu erleichtern. Copyright: Magdalena Zomerfeld, Junge Uni Bochum.

Magdalena Zomerfeld

"Die persönlichen Treffen an der Uni finde ich dabei besonders wichtig", erklärt Mentorin Friederike. "Es ist eine schöne Erfahrung, den Menschen hinter den E-Mails kennenzulernen, denn so manche Fragen lassen sich im persönlichen Gespräch noch besser klären." Zum Beispiel die Frage, wie man sich auf dem riesigen Campusgelände zurechtfindet, die Bibiliothek benutzt, die Arbeit in einem Labor funktioniert oder wo man am besten andere Studenten kennenlernen kann.

"Jugendliche haben heute eine Fülle von Möglichkeiten, was und wo sie studieren können, und das verunsichert sie", sagt Projektkoordinatorin Magdalena Zomerfeld. "Unser Mailmentoring-Programm gibt ihnen einen ersten Einblick in das Studienfach, für das sie sich interessieren, und ins studentische Leben." Ein Angebot, das nicht nur aufgrund des immer breiteren und durchstrukturierten Studienangebots in Deutschland sinnvoll ist. Mit dem Ansturm auf die deutschen Hochschulen sind auch die Zulassungsbedingungen unübersichtlicher und strenger geworden. Allein an der Ruhr-Universität gibt es 153 Studiengänge und fast 37.000 Studierende.

Ermutigt zum Studium

Das Foto zeigt die Schülerin Annika Giese (re) und die Medizinstudentin Friedrike Brunswicker in der Bibiliothek der Ruhruniversität Bochum (RUB) zwischen den Bücherregalen in der medizinischen Abteilung. Es wurde der Deutschen Welle kostenfrei vom Projekt Junge Uni der RUB zur Verfügung gestellt über einen Onlineartikel der DW-Autorin Sabine Damaschke zum Projekt Mailmentoring. Dabei beraten Studenten aller Fachrichtungen interessierte Schüler per Mail und organisieren Treffen an der Uni, um den Studieneinstieg zu erleichtern. Copyright: Magdalena Zomerfeld, Junge Uni Bochum.

Annika (re) und Friedrike in der Uni-Bibiliothek

Kein Wunder also, dass vor allem sehr begehrte Studienfächer wie Medizin, Psychologie oder Chemie im Mailmentoring-Projekt besonders nachgefragt werden. "Die Jugendlichen möchten wissen, welche  Zulassungsvoraussetzungen sie erfüllen müssen, welche  Anforderungen an sie im Studium gestellt werden, welche Englisch- und Mathematik-Kenntnisse erwartet werden,“ sagt Zomerfeld.

Nach Teilnahme am Projekt entscheiden sich rund 10 bis 15 Prozent der Schüler für ein anderes Fach oder  gegen ein Studium. Ob Medizin, Psychologie, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften – die meisten Jugendlichen fühlten sich durch den persönlichen Kontakt zu einer Studentin oder einem Studenten ermutigt und gingen selbstbewusst und gut informiert in ihr erstes Semester, beobachtet die Projektkoordinatorin.

Alle Fragen sind erlaubt

Auch Jugendliche von ausländischen Schulen haben sich schon beim Projekt beworben. Aufgrund der Entfernung gab es zwar kein Treffen mit den Schülerinnen aus Iran und Lateinamerika, aber per Mail konnten viele Fragen zum Studium in Deutschland geklärt werden. "Der persönliche Kontakt hat einfach den Vorteil, dass ganz ungezwungen über alles geredet werden kann, was die Jugendlichen interessiert", sagt Zomerfeld.

Das Foto zeigt die Schülerin Annika Giese (re) und die Medizinstudentin Friedrike Brunswicker im Labor der Medizinischen Fakultät der Ruhruniversität Bochum (RUB). Es wurde der Deutschen Welle kostenfrei vom Projekt Junge Uni der RUB zur Verfügung gestellt über einen Onlineartikel der DW-Autorin Sabine Damaschke zum Projekt Mailmentoring. Dabei beraten Studenten aller Fachrichtungen interessierte Schüler per Mail und organisieren Treffen an der Uni, um den Studieneinstieg zu erleichtern. Copyright: Magdalena Zomerfeld, Junge Uni Bochum.

Friederike (li) zeigt Annika das Labor

Dumme Fragen, so ermutigt auch Mentorin Friederike ihre Mentees, gibt es nicht. Fünf Schülerinnen hat die 23-jährige Medizinstudentin schon begleitet. Vorteile im Studium, etwa durch sogenannte "Credit Points", hat sie deshalb nicht. Aber der Kontakt mit den Schülerinnen macht ihr Spaß und ist ihr wichtig. "Wenn ich nicht meine große Schwester gehabt hätte, die auch Medizin studiert, dann wäre ich zu Beginn meines Studiums ganz schön ratlos gewesen", gibt sie zu.

Autorin: Sabine Damaschke
Redaktion. Gaby Reucher