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Fußball

Losglück, über das Löw nicht sprechen darf

Die Auslosung für die Fußball-WM 2010 hat der deutschen Mannschaft Australien, Serbien und Ghana als erste Gegner beschert. Es hätte deutlich schlimmer kommen können, meint Deutsche-Welle-Sportreporter Stefan Nestler.

Themenbild Kommentar . Grafik: DW

Es ist ein Ritual. Auf die Frage nach dem Losglück der Deutschen antwortet der jeweilige Bundestrainer, davon könne keine Rede sein. Die Gegner seien anspruchsvoll, die Spiele nicht ohne Risiko. Auch Joachim Löw machte da keine Ausnahme. Warum auch? Er kann ja nur verlieren, wenn er sich hinstellt und erklärt: 'Kein Problem, die Gegner bereiten mir kein Kopfzerbrechen, ich plane schon für das Achtelfinale.' Sofort würde ihm Hochmut unterstellt, die Gegner wären doppelt motiviert, die Gefahr, sich zu blamieren, stiege. Löw kann also gar nicht anders. Er ist befangen, weil es um die Arbeit geht, die er nun zu leisten hat.

Portrait Stefan Nestler, Foto: DW

Stefan Nestler

Ein Blick auf die Gruppe der Brasilianer zeigt, was hätte sein können: Der Rekordweltmeister trifft auf Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo und die Elfenbeinküste um den nicht weniger genialen Didier Drogba. Zwei ganz dicke Brocken, gegen die sich Brasilien keinen Ausrutscher leisten darf. Im Vergleich dazu nehmen sich die Aufgaben für die deutsche Mannschaft geradezu bescheiden aus.

Australien hat zwar seine Asien-Qualifikationsgruppe dominiert, aber dort hießen die Gegner neben Japan eben Bahrain, Katar und Usbekistan. Wer Weltmeister werden will, muss gegen Australien gewinnen. Und auch Serbien ist kein übermächtiger Gegner. In der Qualifikation setzten sich die Serben zwar vor Vizeweltmeister Frankreich durch, doch spielte die "Equipe tricolore" in den vergangenen Monaten auch nur wie ein Schatten früherer glorreicher Tage. Ghana schließlich behauptete sich gegen Benin, Mali und Sudan, nicht gerade die Creme de la Creme des afrikanischen Fußballs.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Mannschaft Löws ihre Gegner unterschätzen darf. Sie muss sie ernst nehmen, vor allem in den Teams aus Serbien und Ghana stehen einige exzellente Einzelkönner. Mit konzentrierten Leistungen wie jener im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland sollte das deutsche Team jedoch in der Lage sein, gegen alle drei Gruppengegner zu gewinnen. Ein Remis gegen Serbien oder Ghana wäre auch kein Beinbruch, da die zwei besten Teams das Achtelfinale erreichen. Und was käme danach? Auf die als WM-Favoriten gehandelten Teams aus Brasilien, Spanien und Italien könnte die deutsche Mannschaft frühestens im Halbfinale treffen. Das darf man doch wohl Losglück nennen.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Andreas Ziemons

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