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Politik

Lorenz Wagener: Von Nürnberg nach Shanghai

Lorenz Wagener hat in Shanghai sein berufliches und privates Glück gefunden. Seine Marketing-Firma ist seit fünf Jahren erfolgreich im Geschäft. Eine große Hilfe ist dem jungen Deutschen seine chinesische Freundin.

Lorenz Wagener vor der Skyline des Stadtbezirks Pudong (Foto: DW)

Lorenz Wagener vor der Skyline des Stadtbezirks Pudong

Lorenz Wagener im Gespräch mit einer Chinesin (Foto: DW)

Lorenz Wagener im Gespräch über Kampf-Grillen

Lorenz Wagener trainiert sein Chinesisch, wo er kann und so oft er kann - auch auf dem Insektenmarkt in Shanghai. Die Frau, mit der er spricht, verkauft Kampf-Grillen in kleinen Dosen. Die Verkäuferin demonstriert die Aggressivität der Kampf-Grille in einer Dose, in dem sie sie mit einem Stöckchen piekst und reizt. Wer sich so gegen einen Feind aus Holz wehren kann, der kann auch im Kampf Grille gegen Grille gewinnen.

Kampf-Grillen in Boxen (Foto: DW)

Kampf-Grillen auf dem Insektenmarkt

Für Lorenz Wagener aus Nürnberg sind die Kampfgrillen vom Insektenmarkt nach sieben Jahren Shanghai etwas ziemlich Normales. Auch die beiden verzweifelt und hektisch Salto schlagenden Eichhörnchen im Eisenkäfig nebenan nimmt er gelassen zur Kenntnis. Für Tierliebe und andere Sentimentalitäten ist das hier der falsche Ort. "Das legt man sehr schnell ab, weil man sieht und weiß, dass hier alles komplett anders ist. Da bringt es nicht viel, wenn man mit so einer Revoluzzer-Geisteshaltung ankommt", sagt Wagener.

Lärmende Boomtown

Gebäuderuine vor neuem Hochhaus (Foto: DW)

Altes und neues Shanghai

Der junge Deutsche hat in Shanghai sein berufliches und privates Glück gefunden - in dieser rasenden, hektischen, lauten Wolkenkratzer-Stadt mit 18 Millionen Einwohnern. Still ist es hier nie. "Nein, das geht einfach nicht, einfach durch die schiere Menge der Leute, die schiere Menge des Verkehrs", erklärt Wagener. Erst, wenn er Shanghai verlasse und wieder mal in Deutschland sei und bei sich zu Hause im Bett liege, dann wisse er wieder, was Stille sei. "Dann höre ich die Stille. Dann denke ich: es ist so unglaublich still, das ist ja schon nicht mehr normal", so der Auswanderer.

Lorenz Wagener vor einer Baustelle (Foto: DW)

Typisch Shanghai: Das Alte muss dem Neuen weichen

Es herrscht Goldgräberstimmung in der lärmenden Boomtown Shanghai. Das futuristische Glitzerbollwerk an der chinesischen Ostküste ist ein globaler Menschen-Magnet. "Es liegt einfach etwas in der Luft, was ich in Europa oft vermisst habe, nämlich dieses Abenteuerliche, diese Möglichkeiten, die wirklich förmlich spürbar sind", sagt Wagener. Das habe ihn schon immer angezogen.

Im Jahr 2002 wollte sich der Marketing-Fachmann aus dem Frankenland komplett verändern. Während eines Urlaubs bei einem chinesischen Freund in Shanghai bekam er ein überraschendes Job-Angebot und griff zu. Und weil in Shanghai alles immer rasend schnell geht, kündigte er zwei Jahre später schon wieder, um mit einem deutschen Partner seine eigene Firma zu gründen: Rimagine.

Zündende Geschäftsidee

Lorenz Wagener im Büro seiner Firma Rimagine (Foto: Lorenz Wagener)

Lorenz Wagener im Büro seiner Firma Rimagine

"Wir haben, um ehrlich zu sein, nie wirklich darüber nachgedacht, was wir aufgeben. Wir waren einfach so davon überzeugt, dass wir gedacht haben, wir müssen das machen", erinnert sich Wagener. Die Geschäftsidee: wenn China, wenn Shanghai die Fabrik der Welt ist, dann könnten die Unternehmen aus aller Welt viel Zeit und Geld sparen, wenn sie ihre Produkte direkt vor Ort für die Werbung fotografieren lassen. Die Idee zündete. In wenigen Tagen feiert Rimagine sein fünfjähriges Jubiläum. Die Firma hat inzwischen 21 Mitarbeiter und hat sich zu einem umfassenden Foto- und Marketing-Dienstleister gemausert.

Wagener sagt, er wisse heute genau, was er wolle: "Ich will noch lange in Shanghai bleiben und weiter diese Firma aufbauen. Ich will aber früher oder später auch in Deutschland sein - mit der Traumkonstellation, sowohl in Deutschland eine Niederlassung zu haben als auch in Shanghai weiterhin zu arbeiten." Der junge Unternehmer betont, das Leben mache ihm im Augenblick extrem viel Spaß, das mache ihn zu einem sehr ausgeglichenen Menschen.

Privates Glück

traditionelles Teehaus neben dem Jin Mao Turm (Foto: AP)

Teehaus in Shanghai

Der 32-Jährige liebt chinesische Teehäuser und Massagen genauso wie seine Bratkartoffeln zur deutschen Sportschau. Aber seit rund drei Monaten ist sein Leben in der Megametropole am Huangpo-Fluss noch deutlich chinesischer geworden: durch seine Freundin Sarah, die eine waschechte Shanghainesin ist.

"Dazu gehört dann auch die Sprache, die ich jetzt wieder intensiver lerne, inklusive der Schriftzeichen", sagt Wagener. Sarah helfe ihm sehr dabei, ein höheres Level zu erreichen, des kulturellen und sprachlichen Verständnisses, der unterschiedlichen Ansichtsweisen. "Das genieße ich, weil ich das Gefühl habe, ich verwurzele mich noch mehr hier. Gleichzeitig weiß ich aber auch, wie wichtig mir meine Wurzeln in Deutschland sind, meine Freunde, meine Heimat, meine Familie. 'Da' ist für mich auch kein hier oder da, sondern nur ein und", so der Jungunternehmer.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Markian Ostaptschuk

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