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Aktuell Europa

"Lore" gewinnt Publikumspreis

Achtungserfolg für's deutsche Kino. Beim Internationalen Filmfestival in Locarno hat sich das Antikriegsdrama "Lore" den Publikumspreis gesichert. Ein deutscher Dokumentarfilm gewann eine weitere wichtige Auszeichnung.

Das Symbol des Festivals von Locarno: der Goldene Leopard (Foto: dpa)

Locarno International Film Festival

Zum Abschluss des 65. Internationalen Filmfestivals im schweizerischen Locarno ist das Kinodrama "Lore" mit dem Preis für den besten Film im Freiluftprogramm auf der Piazza Grande ausgezeichnet worden. Die australische Regisseurin Cate Shortland hat den Film als deutsch-australisch-britische Koproduktion realisiert. Darin schildert sie mit berührender Anteilnahme das Schicksal elternloser Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. "Lore" wurde von mehr als 8000 Zuschauern bei der Open-Air-Vorführung gefeiert.

In der Sektion "Woche der Kritik" setzte sich die deutsche Dokumentation "Vergiss mein nicht" von David Sieveking durch und gewann den Hauptpreis. Der Regisseur porträtiert voller Feingefühl und mit großem Mut zu schonungsloser Offenheit seine an Demenz leidende Mutter. Der deutsche Film galt von Anfang an als haushoher Favorit in der "Woche der Kritik". Der deutsche Kinostart ist für Januar 2013 geplant.

Goldener Leopard geht nach Frankreich

Den Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb, den "Goldenen Leoparden", vergab die Jury unter Vorsitz des Filmemachers und bildenden Künstlers Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok an "La Fille de Nulle Part" ("Das Mädchen von Nirgendwo") aus Frankreich. Das Kammerspiel um eine junge Frau und einen alten Mann beeindruckt insbesondere durch eine geradezu magische Bildgestaltung. Regisseur Jean-Claude Brisseau spiegelt in der Geschichte auf kunstvolle Art die Schwierigkeiten Einzelner in einer immer unübersichtlicheren Welt, den eigenen Lebensweg zu gestalten.

Die australische Filmregisseurin Cate Shortland (Foto: Rohfilm)

Die australische Filmregisseurin Cate Shortland (vorn im Bild)

Der Spezialpreis der Jury ging an die US-amerikanische Komödie "Somebody Up There Likes Me". Darin zeigt Regisseur Bob Byington stilistisch originell die lebenslange Suche eines Mannes nach sich selbst.

Regiepreis für China

Der Preis für die beste Regie wurde dem Chinesen Ying Liang für das Drama "Wo Hai You Hua Yao Shuo" ("When Night Falls") verliehen. Das Werk besticht durch die fast dokumentarisch wirkende Inszenierung eines auf Tatsachen beruhenden Dramas um einen Justizmord in Shanghai.

Jury-Präsident Apichatpong Weerasethakul erklärte zur Preisvergabe vor Journalisten: "Uns hat die Vielzahl an Filmen gefallen, die sich den verschiedenen Krisen in unserer Welt auf höchst unterschiedliche Weise annehmen."

Das Schweizer Filmfest am Lago Maggiore zählt hinter Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten europäischen Festivals. Insgesamt liefen dort in elf Tagen rund 300 Filme. Im Internationalen Wettbewerb um den "Goldenen Leoparden" konkurrierten 19 Dokumentar- und Kurzfilme aus aller Welt. Deutschland war mit 18 Filmen, meist internationale Koproduktionen, vertreten.

kle/hp (dpa, pardo.ch)