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Afrika

Lord's Resistance Army: Gewalt in Gottes Namen

Seit bald drei Jahrzehnten verübt die Rebellengruppe von Joseph Kony Gräueltaten an der Zivilbevölkerung - von Zentralafrika bis Uganda. Die LRA behauptet, "im Namen Gottes" zu kämpfen.

Die Ursprünge: Widerstand gegen den Präsidenten

Die "Widerstandsarmee des Herrn" wurde 1987 von Joseph Kony im Norden Ugandas gegründet, um gegen die ugandische Regierung unter Yoweri Museveni zu kämpfen. Zu den ersten Kämpfern der LRA gehörten Nordugander, die im Zuge der Machtübernahme durch Präsident Museveni aus der Armee verdrängt wurden und sich dagegen wehrten. Ihr Ziel: einen Gottesstaat auf Basis der zehn Gebote zu errichten. Die Gruppe machte sich eine christlich-esoterische Ideologie zu eigen, die sie mit traditionellen Mythen mischte. Doch statt Gebote wie "Du sollst nicht töten" zu achten, verübte die LRA blutige Angriffe gegen Zivilisten.

Bis zu 70.000 Kinder soll die LRA seit ihrer Gründung verschleppt haben, so Schätzungen. Viele von ihnen nutzt die Miliz als Träger und lässt sie, sobald sie ihr nächstes Ziel erreicht hat, wieder laufen. Andere werden als Kämpfer zwangsrekrutiert. Damit ihnen eine Flucht und die Rückkehr in ihre Dörfer unmöglich wird, werden viele Jungen gezwungen, ihre eigenen Mütter zu erschießen. Mädchen und Frauen werden zu Sexsklavinnen oder Ehefrauen der Kämpfer.

Die Verdrängung: Aus Uganda nach Zentralafrika

Militäroperationen mit US-amerikanischer Unterstützung führten dazu, dass sich Konys Miliz 2006 auf das Gebiet des Kongo und später in die Zentralafrikanische Republik und in den heutigen Südsudan zurückzog und von dort aus operierte.

Nach Angaben der Afrikanischen Union (AU) hat die LRA inzwischen nur noch etwa 300 Kämpfer. Die meisten von ihnen sollen sich in der Zentralafrikanischen Republik aufhalten. Trotzdem ist die Zahl der von der LRA verschleppten Menschen zuletzt wieder gestiegen: 432 Menschen sind alleine in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 von der LRA entführt worden, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2012.

Die Suche: Keine Spur von LRA-Chef Kony

Joseph Kony, ist einer der meistgesuchtesten Milizenführer der Welt. 2012 machte die US-amerikanische Organisation "Invisible Children" mit einem Film auf sich aufmerksam, der dazu aufrief, Kony endlich zu stoppen; das Video wurde fast 100 Millionen mal geklickt.

LRA-Chef Kony Foto: EPA/STUART PRICE/POOL

LRA-Chef Kony

Uganda, Südsudan, die Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo haben unter dem Mandat der Afrikanischen Union eine eigene regionale Kampftruppe, die AU-RTF, aufgestellt, um militärisch gegen die LRA vorzugehen. Die USA unterstützt die vier Staaten logistisch. Im März 2014 haben sie zwei Spezialflugzeuge und rund 150 zusätzliche Soldaten in das Gebiet geschickt. An Kampfhandlungen beteiligen sie sich nach eigenen Angaben - außer zur Selbstverteidigung - jedoch nicht.

Aufspüren konnte die Truppe Rebellenführer Kony bislang allerdings nicht. Ein großer Teil des amerikanischen Hightech-Equipments, etwa die Satellitenüberwachung, funktioniert in dem dichten Urwald nicht. Längst nutzen die LRA-Kämpfer auch keine ortbaren Kommunikationsmittel mehr, sondern überbringen sich Nachrichten per Boten. Das Gebiet, in dem die LRA operiert, ist von Flüssen durchzogen. Es gibt kaum Straßen, die Dörfer sind schwer zu erreichen. Bis die Soldaten von Überfällen der LRA erfahren, vergehen oft Tage. Bis sie vor Ort sind, sind die Angreifer längst über alle Berge.

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