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Politik

Londoner Polizeichef sieht keine Alternative zum Kopfschuss

Trotz der Kritik an der irrtümlichen Erschießung eines Brasilianers in London will die britische Polizei an ihrer Praxis festhalten, Terrorverdächtige im Zweifelsfall per Kopfschuss zu töten.

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U-Bahnstation Stockwell - hier fielen die tödlichen Schüsse

Dazu gebe es keine Alternative, sagte Scotland-Yard-Chef Ian Blair am Sonntag (24.7.2005) dem Fernsehsender Sky News. Wenn der Verdacht bestehe, dass jemand einen Sprengstoffgürtel trage, sei es unmöglich, ihm in die Brust zu schießen, weil sich dort der Sprengsatz befinden könnte. Auch auf andere Körperteile zu zielen habe keinen Sinn, weil der Attentäter dann die Bombe noch zünden könnte.

Tiefes Bedauern


Für den Tod des brasilianischen Elektrikers Jean-Charles de Menezes übernahm der Polizeichef die volle Verantwortung. "Das ist eine Tragödie", sagte Blair. Der Familie des Opfers könne er nur sein tiefes Bedauern aussprechen. Die britische Polizei tue alles, um sich korrekt zu verhalten. Entscheidungen dieser Art würden jedoch in "furchtbaren Zusammenhängen" getroffen.

Die britische Polizei hatte am Samstag eingeräumt, im Rahmen ihrer Anschlagsermittlungen einen Unschuldigen erschossen zu haben. Der 27-jährige Brasilianer war am Freitag in einer U-Bahn-Station mit fünf Kopfschüssen getötet worden. Polizeibeamte hatten die Station am Morgen gestürmt. Als der Verdächtige auf Warnungen und Anweisungen nicht reagierte, schossen sie. Neue Anti-Terror-Gesetze erlauben dies nun.

Weitere Festnahme in London

In der Nacht zu Samstag (23.7.) ist in London ein zweiter Verdächtiger im Stadtteil Stockwell festgenommen worden, einen Tag nach den erneuten Anschlägen in der britischen Hauptstadt. Am Donnerstag war in einer nahe gelegenen U-Bahnstation der Zünder eines Sprengsatzes detoniert. Der erste Verdächtige wurde am frühen Freitagabend festgenommen. In der Nacht zu Samstag (23.7.2005) griffen die Ermittler erneut im Stadtteil Stockwell zu. Die Festnahme stehe in Verbindung zu den nicht explodierten Sprengsätzen in drei U-Bahnen und einem Bus vom Donnerstag, hieß es.

Scotland Yard sagt nichts

Die Polizei machte keine weiteren Angaben zu den Verhafteten, auch nicht dazu, ob einer der Männer zu den Bombenlegern zählt. Am Freitag waren Fahndungsfotos von vier Verdächtigen veröffentlicht worden, die von Überwachungskameras in den U-Bahnen und dem Bus aufgezeichnet wurden, in denen am Donnerstag die Zünder von vier kleineren Sprengsätzen explodierten.

Bilder der Überwachungskameras sollen helfen

Die vier mutmaßlichen Attentäter von London

Die Bilder, die Überwachungskameras von den vier mutmaßlichen Attentätern am Donnerstag (21.7.) gefilmt haben, wurden am Freitag von den Londoner Behörden veröffentlicht.

Die von Scotland Yard veröffentlichten Bilder aus Überwachungskameras zeigen vier Männer vor oder kurz nach den Anschlägen am Donnerstag (21.7.2005). Auf einem der Bilder ist ein Mann in einem schwarzen Sweatshirt mit dem Aufdruck "New York" zu sehen. Laut Polizeiangaben rannte er um 12.34 Uhr in der U-Bahnstation Oval der "Northern Line" vom Bahnsteig weg. Ein anderes Bild zeigt einen Mann auf dem Oberdeck eines Busses am Bahnhof Waterloo in Hackney im Osten von London.

Veralteter Sprengstoff

Fachleuten zufolge wurden die Bomben vom Donnerstag wohl schon vor zwei Wochen gebaut und explodierten deshalb nicht mit voller Wucht. Wie die Polizei mitteilte, wurden die Sprengsätze selbst gebaut. Die britische Nachrichtenagentur Press Association (PA) berichtete, die Polizei gehe davon aus, dass sich die Täter vom Donnerstag selbst in die Luft sprengen wollten und nun auf der Flucht seien. Laut PA wurden in den drei U-Bahnzügen und dem Bus vier "brauchbare" Sprengsätze in Rucksäcken gefunden. Drei von ihnen seien offenbar genauso schwer und groß wie die Bomben, die am 7. Juli, genau zwei Wochen zuvor, mindestens 56 Menschen töteten und mehr als 700 verletzten. (kap)

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