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Kultur

London wirft einen Blick auf Paris

London feiert die "Kunsthauptstadt" Paris. Die Royal Academy of Arts am Piccadilly Circus zeigt in einer Ausstellung 250 der bedeutendsten Werke, die in der französischen Metropole im 20. Jahrhunderts entstanden sind.

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"Sitzende Frau" von Pablo Picasso

Zeitlich beschränkt sich die Austellung auf die ersten sieben Jahrzehnte – von der Weltausstellung im Jahre 1900 bis zu den Studentenrevolten 1968. Auswahlkriterien für die Schau "Paris: Capital of the Arts" waren allein dieser Zeitraum und der Entstehungsort der Werke. Die Nationalität der Künstler spielte keine Rolle. Paris war in dieser Zeit Magnet für Maler und Bildhauer aus aller Welt: Picasso aus Spanien, Giacometti aus der Schweiz, Kandinsky und Chagall aus Russland, Brancusi aus Rumänien, Max Beckmann aus Deutschland, Alexander Calder aus Amerika und viele andere Ausländer lebten und arbeiteten in der französischen Hauptstadt.

Anhand ihrer Werke soll verdeutlicht werden, inwieweit politische, wirtschaftliche und soziale Geschehnisse die Pariser Kunstszene im Laufe der Zeit beeinflussten. Dabei tauchen viele interessante Fragen auf. Eine davon: Warum florierte der Surrealismus in Paris - in London aber nicht?

Picasso trifft die Kubisten Braque und Gris

Cascading Flowers - Skulptur von Alexander Calder

Die Ausstellung zeigt, wie die "Emigranten" die Kunstszene der Stadt belebten und wie die Metropole umgekehrt auf die Künstler wirkte. Die Entwicklung der Kunst wird dabei nicht durchweg chronologisch verfolgt. Es geht darin vielmehr um die Themen, die jeweils eine Ära bestimmten, wie etwa "Spirituality and Matter" oder "Liberation and Colour". Auch einzelne Bewegungen innerhalb der Kunst werden mit eigenen Abteilungen gewürdigt, so etwa die Kubisten, Dada- und die Surrealisten. Hervorgehoben werden außerdem die wechselnden örtlichen Fixpunkte innerhalb der Stadt, von denen die wichtigsten künstlerischen Impulse ausgingen: Die erste Station ist Montmarte (1900-1918), von 1919 bis 1939 war es Montparnasse, dann Saint-Germain-des-Pré von 1940 bis 1957 und später das Quartier Latin zwischen 1958 und 1968.

Kritikpunkt: Durcheinander

Der Verzicht auf eine chronologische Anordnung des schier unüberschaubaren Materials hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite wird deutlich, wie viele verschiedene Strömungen gleichzeitig entstanden sind und wirksam waren. Andererseits entsteht durch die Mischung, bei der unbedeutendere Arbeiten neben Jahrhundertwerke gestellt werden, der Eindruck einer verwirrenden Beliebigkeit. "Hätte man alle Kunstwerke in die Luft geworfen und wären sie an irgendeiner Stelle wieder heruntergefallen, wäre der Eindruck von Chaos nicht größer gewesen", kritisierte denn auch die "Sunday Times."

Die Schau ist in London noch bis zum 19. April zu sehen. Danach wandert sie ins Guggenheim-Museum nach Bilbao. Dass London einen Blick auf Paris wirft und die Stadt als Kunstzentrum feiert, ist nur halbwegs großzügig gemeint: Im letzen Raum, in dessen Mitte ein alle fünf Minuten laut schepperndes, aus Sperrmüllteilen zusammengesetztes Werk von Jean Tinguely hängt, wird die Kunststadt Paris - im Jahr 1968 – gleichsam zu Grabe getragen. dpa/(fro)

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