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Kultur

London wird Olympia-Stadt 2012

In einem spannenden Finale zwischen London und Paris hat sich die britische Hauptstadt als Gastgeber für die Olympischen Sommer-Spiele 2012 durchgesetzt. Auf der Strecke blieb auch New York.

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In einer eindrucksvollen Präsentation über acht Stunden hatten Paris, London, Madrid, Moskau und New York am Mittwoch (6.7.2005) in Singapur versucht, vor der 117. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) letzte Punkte für die Wahl der Olympia-Stadt 2012 zu sammeln. Einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ London mit einer vom zweimaligen Leichtathletik-Olympiasieger Sebastian Coe moderierten brillanten Vorstellung. Der vorzeitig aus Singapur zum G8-Gipfel in Gleneagles abgereiste Premier Tony Blair gab per Videotape eine "größtmögliche Garantie für Sicherheit und Finanzen".

Spezialbild: Jubelnde Fans in London, Austragungsort 2012

Jubelnde Fans in London

Teure Pläne

Londons sozialer Brennpunkt Eastend soll nun zu einem Sportparadies für die Jugend der kommenden Generationen ausgebaut werden. Für Verkehr, Sportstätten und Infrastruktur sind dafür bis 2012 umgerechnet mehr als 25 Milliarden Euro geplant, mehr als bei jeder anderen Bewerbung. In dem neu zu schaffenden Olympia-Park im Osten Londons soll auch das Olympiastadion für bis zu 80.000 Zuschauer entstehen. Nach den Spielen wird es voraussichtlich auf ein Fassungsvermögen von 25.000 Plätzen zurückgebaut werden. An der Themse (10 bis 15 km vom Olympia-Dorf entfernt) werden zwei weitere Sport-Zentren gebaut. Der Tennis-Wettbewerb soll im traditionsreichen Wimbledon stattfinden, die Segel-Wettkämpfe in Weymouth (238 km entfernt von London).

Für das Olympische Dorf Londons sind Neubauten in Nachbarschaft des Olympiastadions mit 17.320 Betten (7860 Doppelzimmer) geplant. Zusätzlich stehen nach Angaben der Prüfkommission des IOC 40.330 zentrale Hotelbetten zur Verfügung und weitere 103.000 im Radius von 50 km. In London betrage die Zustimmung zu den Spielen 68 Prozent in London, in Großbritannien 70 Prozent.

Geschichte

London war bereits in den Jahren 1908 und 1948 Ausrichter der Olympischen Spiele, Paris in den Jahren 1900 und 1924. Auch Moskau hatte schon diese Ehre, und zwar 1980. Diese Spiele wurden allerdings von vielen westlichen Nationen boykottiert, so dass nur 80 Länder teilnahmen (so wenig waren es zuletzt 1956 in Melbourne). Angeführt wurde der Boykott damals von den USA. Der Grund war der sowjetische Einmarsch in Afghanistan 1979. New York war noch nie Austragungsort Olympischer Spiele.

Für Frankreich dürfte die Entscheidung eine herbe Enttäuschung sein - zumal die Regierungschefs der beiden Länder seit ihrem Streit über die EU-Finanzen eine Art Privat-Fehde ausfechten. Zuletzt kursierten Berichte darüber, dass Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac bei einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Vladimir Putin Witze über Großbritannien gerissen habe. Das einzige, was London der EU gebracht habe, sei der Rinderwahnsinn, hieß es in den Medien. Chirac war als einziger Regierungschef persönlich bei den letzten Präsentationen in Singapur anwesend, um für Paris zu werben. Blair, Putin und Bush wandten sich lediglich per Video-Botschaften an das IOC.

Chirac ist freilich so viel Sportsmann, dem Sieger zu gratulieren. Er wünsche "dem britischen Volk und der Regierung viel Glück und vollen Erfolg bei der Organisation der XXX. Olympischen Spiele", verlautbarte der Elyseepalast.

Deutsche Enttäuschung

Der deutsche Kandidat Leipzig war mit seiner Bewerbung bereits 2004 in der Vorauswahl gescheitert. Für Deutschland ist die Entscheidung für London auch eine Enttäuschung, weil eine Bewerbung für die Spiele im Jahr 2016 nun aussichtslos sein dürfte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Wahl des IOC für dieses Jahr auf einen Bewerber von einem anderen Kontinent als Europa fallen. (mas)

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