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Nahost

London verstärkt Druck auf Israel

Großbritannien wirft dem israelischen Geheimdienst Mossad vor, in die Ermordung eines Hamas-Funktionärs in Dubai verwickelt zu sein. London hat deshalb einen Diplomaten ausgewiesen. In Israel wird der Schritt kritisiert.

Verdächtige (Foto: dpa)

Die Verdächtigen, die die Polizei in Dubai sucht

Ein hochrangiger Vertreter Israels hat am Mittwoch (24.03.2010) die britische Regierung in einem Radiobericht scharf kritisiert. Die Ausweisung eines israelischen Diplomaten sei politisch motiviert. Der britische Außenminister David Miliband verfolge eine anti-israelische Politik und wolle vor der Parlamentswahl auf Stimmenfang bei britischen Muslimen gehen.

Der israelische Geheimdienst Mossad ist nach Auffassung der britischen Regierung in den Mord an einem Hamas-Funktionär in Dubai verstrickt. Es gebe "überwältigende Beweise", dass der Mossad hinter der Fälschung britischer Pässe stehe, die bei dem Mordanschlag im Januar verwendet wurden, hatte Außenminister David Miliband am Dienstag in London mitgeteilt. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, dass der ausgewiesene Diplomat für den Auslandsgeheimdienst Moassad gearbeitet habe und, dass in Kürze ein anderer Geheimdienstvertreter in die Botschaft von London geschickt werden soll.

26 Verdächtige im Visier der Polizei in Dubai

Portrait des Ermordeten (Foto: AP)

Ein Portrait des Ermordeten wurde im Gaza-Streifen gezeigt

Bei dem Anschlag am 19. Januar war Mahmud al-Mabhuh, der für die radikal-islamische Hamas Waffen beschafft hatte, in einem Hotel in Dubai betäubt und erstickt worden. Die Polizei in Dubai spricht von mindestens 26 Verdächtigen. Die Attentäter sollen zur Einreise nach Dubai Pässe mehrerer europäischer Staaten sowie Australiens benutzt haben. Dubai vermutet den Mossad hinter dem Anschlag. Israel bestreitet das jedoch.

Vor der Ausweisung habe das Außenministerium laut Berichten der Zeitung "Daily Telegraph" den israelischen Botschafter Ron Prosor einbestellt und ihn über die Ermittlungsergebnisse informiert.

Ermittlungen auch in Frankreich

Israel hat die Vorwürfe aus London umgehend zurückgewiesen und die Ausweisung verurteilt. "Die Beziehung zwischen Israel und Großbritannien ist für beide Seiten wichtig, deshalb bedauern wir die Entscheidung", sagte Prosor vor Journalisten. Außenminister Avigdor Lieberman sagte, die britische Regierung habe "keine Beweise für eine Verwicklung Israels in die Affäre" vorgelegt. Israel werde aber keine Gegenmaßnahmen ergreifen, sagte ein Regierungsvertreter.

Auch in Frankreich wird wegen vier gefälschter Pässe im Zusammenhang mit dem Mordkomplott ermittelt. Laut Pariser Staatsanwaltschaft seien die Pässe "entweder unter falschen Identitäten ausgestellt" oder mit Hilfe von Fotos verfälscht worden. In Deutschland wird wegen der Affäre bereits seit rund einem Monat ermittelt. Dabei gehe es um den "Verdacht geheimdienstlicher Agententätigkeit und mittelbarer Falschbeurkundung", so ein Sprecher der Bundesanwaltschaft.

Autor: Dirk Eckert, Stefanie Zießnitz (afp, apn, dpa)

Redaktion: Annamaria Sigrist, Ulrike Quast

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