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Wirtschaft

London Stock Exchange bleibt vorerst britisch

Die Deutsche Börse ist zum zweiten Mal mit Übernahmeplänen für den Londoner Konkurrenten LSE gescheitert. Der Druck der eigenen Aktionäre war zu groß. Der Bieterkampf soll jedoch weitergehen.

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Ziel deutscher Kaufinteressen: die LSE


Die Deutsche Börse zog am späten Sonntagabend (6.3.2005) ihren Übernahmevorschlag von rund 1,95 Milliarden Euro für die LSE zurück, nachdem der Widerstand der eigenen Aktionäre gegen den Übernahmeplan sich deutlich verschärft hatte. Börsenchef Werner Seifert erklärte zudem, die London Stock Exchange (LSE) sei nicht in der Lage, eine Transaktion zu einem akzeptablen Preis zu empfehlen. Im Jahr 2000 war bereits ein erster Übernahmeversuch der Deutschen Börse gescheitert.

Am Wochenende hatte sich auch der an der Deutschen Börse beteiligte Versicherungskonzern Generali gegen die Pläne gestellt. Nach Informationen aus Finanzkreisen sind mehr als 35 Prozent der Aktionäre gegen das Vorhaben. Da bei Hauptversammlungen so gut wie nie 100 Prozent des Kapitals anwesend sind, wären die Gegner vermutlich auf eine Mehrheit von 50 Prozent gekommen. Sie hätten den Aufsichtsrat der Deutschen Börse abwählen lassen können und damit auch den Vorstand.

Massiver Wertverlust befürchtet

Erst Ende Februar hatte sich der Kreis der Widerständler gegen die Börsenfusion um die große US-Fondsgesellschaft Fidelity erweitert, die etwa 4,5 Prozent an der Deutschen Börse hält. Zuvor hatten bereits die Hedgefonds TCI Management und Atticus Capital - ebenfalls an der Deutschen Börse beteiligt - Kritik an dem Übernahmeangebot von 530 Pence je LSE-Aktie geübt. TCI hatte unter anderem kritisiert, mit einem solchen Deal werde massiv Wert zerstört. "Ein Vorstand, der ein Imperium errichten will, ist nicht gut für Aktionäre", sagte TCI-Manager Christopher Hohn.

Die Deutsche Börse wolle jetzt mit ihren Aktionären ein Konzept entwickeln, Barmittel in "signifikantem Umfang" an die Anteilseigner über die vorgeschlagene Dividende hinaus auszuschütten. Die Börse teilte weiter mit, sie behalte sich das Recht vor, erneut ein Angebot zu unterbreiten. Dies trete ein, falls Konkurrent Euronext oder andere ihrerseits eine Offerte für die LSE veröffentlichten, "oder unter sonstigen Umständen, die der UK Takeover Code vorsieht".

Die Londoner Börse hat eine Stellungnahme zum Rückzug der Deutschen Börse von ihren Übernahmeplänen für den britischen Konkurrenten abgelehnt. "Wir haben in dieser Phase keinen Kommentar abzugeben", sagte ein LSE-Sprecher am Montag.

Kein Rücktritt

Seifert hält trotz des überraschenden Rückzugs an seinem Amt fest. Die Frage nach einem Rücktritt stelle sich überhaupt nicht, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse am Montag in Frankfurt. Er verwies darauf, dass Seifert die Deutsche Börse zu einem der erfolgreichsten europäischen Unternehmen ausgebaut habe. (arn/kap)

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