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Terror in Westminster

London: Das Leben geht weiter

Einheimische und Touristen flanieren vorbei an Polizisten und Absperrungen. Am Tag nach dem Attentat vor dem Parlament in Westminster bleibt ein mulmiges Gefühl, aber keine Angst. Abigail Frymann berichtet.

Die Flaggen der Londoner Regierungsgebäude wehen auf Halbmast. Die Polizei ist sehr präsent. Auch am Nachmittag des Donnerstags sichern die Beamten noch den Tatort, an dem ein Mann tags zuvor drei Menschen getötet und 40 verletzt hat. Entlang der Absperrbänder rund um den Parliament Square vorbei am Big Ben bis zur Westminster Bridge liegen Blumensträuße.

Zu Ehren des erstochenen Polizisten hielten die Parlamentarier am Morgen eine Gedenkminute ab - um 9:33 Uhr, weil Keith Palmer die Schulternummer 933 trug. Den ganzen Vormittag über war die Westminster Bridge gesperrt, auf der der Attentäter zahlreiche Opfer mit einem Auto überrollt hatte. Auch das Riesenrad "London Eye" und der Westminster Pier, von dem aus die Touristenboote starten, waren bis zum Donnerstagmittag geschlossen. Das Parlament war den ganzen Tag nur für Abgeordnete und Beschäftigte zugänglich.

Touristenstrom ungebrochen

Westminster ist mit dem Palast, in dem das älteste Parlament der Welt tagt, Big Ben, Westminster Abbey und den Regierungsgebäuden, eines der beliebtesten Touristenziele der britischen Hauptstadt, des ganzen Landes, vielleicht der Welt. Und auch am Tag nach dem Terroranschlag bleiben die Besucher nicht aus: "Dann sehen wir es uns vom anderen Flussufer an", sagt Zhang Li aus China in Begleitung ihrer Mutter.

London nach dem Attentat (DW/A. Frymann Rouch)

Der Tatort in Westminster ist noch abgesperrt

Auch Bev und Martin aus Kanada wollten sich den Tag nicht verderben lassen: "Gestern hatten wir schon etwas Angst, aber es ist gut, all die Sicherheitskräfte hier zu sehen", sagt Bev. Ihr Ehemann Martin fügt hinzu, sie seien aus Ottawa und hätten bereits eine Attacke auf ihr eigenes Parlament erlebt. 2014 erschoss ein Angreifer vor dem kanadischen Parlamentsgebäude einen Polizisten und verletzte drei weitere Menschen.

Weniger angetan von der Polizeipräsenz ist die chinesische Studentin Cathy, sie mache das schon ein wenig ängstlich: "Vielleicht gehen wir heute lieber shoppen", sagt sie.

Waffen oder nicht?

Uneins sind sich die Passanten darüber, ob Polizisten generell bewaffnet sein sollten. Viele Beamte der Metropolitan Police sind das nämlich nicht. Auch der 48-jährige Keith Palmer soll sich dem Attentäter von Westminster unbewaffnet in den Weg gestellt haben.

London nach dem Attentat (DW/A. Frymann Rouch)

Das Leben geht in London bereits weiter

"Unbedingt sollten sie Waffen tragen", sagt die Rentnerin Daisy Horne aus dem 100 Kilometer entfernten Andover. "Der arme Mann hat nur seinen Job gemacht." Ihr Ehemann Martin aber widerspricht: "Die Verhältnismäßigkeit muss stimmen. Man kann nicht jeden Polizisten bewaffnen, das ist auch eine Kostenfrage."

Auch Nestor aus London hegt Zweifel: "Menschen, die Schaden anrichten wollen, können sich einfach die Waffe schnappen und benutzen", sagt er mit Blick auf den Vorfall am Pariser Flughafen Orly am vergangenen Samstag. Ein Mann hatte dort eine Soldatin angegriffen und versucht ihr Gewehr zu benutzen, war aber vorher von Sicherheitskräften erschossen worden.

Alles in allem aber, sagt Nestor, fühle er sich sicher und zeigt auf einen Helikopter in der Luft: "Die Polizei ist sichtbar, und sie hat diesmal viel schneller reagiert als im Juli 2005." Damals zündeten Islamisten innerhalb einer Stunde vier Bomben in U-Bahnzügen und Bussen. Nestor steht auf dem Trafalgar Square vor der National Gallery, wo er arbeitet.

Mahnwache nach Anschlag in London (picture-alliance/empics/PA Wire/L. Hurley)

Teilnehmer an der Mahnwache versuchen sich und anderen Mut zu machen

Am Abend des Donnerstags findet genau hier eine Mahnwache im Gedenken an die Opfer statt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit füllt sich der Platz. Hunderte Menschen kommen, um ein Zeichen der Trauer, aber auch der Geschlossenheit gegen den Terror zu setzen. 

In einem sind sich wohl alle einig: dass solche Anschläge zwar wohl zum Leben gehören - in Großbritannien und Belgien, in Kanada und Australien, Frankreich und Deutschland. Aber es gelte eben auch, dass der Terror nicht die Köpfe beherrschen darf. Der argentinische Journalist Germán Krüger drückt das gegenüber der DW so aus: "Die Welt steht Kopf. Das ist schon beängstigend, aber man kann ja nicht die ganze Zeit Angst haben."

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