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Sport

London Calling: Die Sache mit den Pins

Fußballfans tauschen Sammelbildchen. Olympiafans sammeln Anstecknadeln. Doch DW-Reporterin Olivia Fritz musste in London manche Pin-Jäger enttäuschen.

Olivia Fritz vor der Towerbridge. Foto: Olivia Fritz

Olivia Fritz vor der Towerbridge

Die Verkäuferin schaut mich erwartungsvoll an. "Haben Sie einen Pin für mich?", erkundigt sie sich, als ich bezahlt habe und gerade gehen möchte. Mein fragendes Gesicht beantwortet sie mit einer Geste auf das Revers ihres Blazers: Dort prangen vier Anstecker unterschiedlichster Herkunft. Bunt, kitschig, groß und klein – nicht immer steht London 2012 darauf geschrieben. Hauptsache, die olympischen Ringe sind drauf, das Maskottchen oder ein anderer Olympiabezug. Ich muss verneinen, solche Dinge schleppe ich gewöhnlich nicht mit mir herum. Der Kollege an der nächsten Kasse grinst schadenfroh – sein Anzug ist voll mit den kleinen Andenken.

Florierende Tauschbörse rund um den Olympiapark

Meine Neugier ist geweckt – wie geht es den Kollegen? Werden sie auch um Pins ihrer Redaktionen gebeten? Ich brauche gar nicht zu fragen. Im IBC, dem großen Pressezentrum für alle Journalisten – eine eigene kleine Welt mit Kantine, Arbeitsplätzen und sogar Souvenirläden – herrscht eine regelrechte Tauschbörse. Viele der Akkreditierungsbändchen, die Athleten, Journalisten und vielen anderen den Zugang zu den Wettkampfstätten erlauben, sind voll mit den Ansteckern. Dort angeheftet werden die Pins zur allgemeinen Bewunderung präsentiert.

Pin-Verkäufer mit Kunden im Olympiapark. Foto: Olivia Fritz

Schwunghafter Handel mit Anstecknadeln im Olympiapark

Und wie das so ist, wenn man auf etwas achtet: Plötzlich sehe ich die bunten Dinger überall. Kurz vor dem Zugang zum Olympiapark haben gewiefte Händler Hunderte ihrer Sammlerstücke aus den letzten Jahrzehnten auf Decken ausgebreitet. Auch in den Souvenirläden stehen längst unzählige Pin-Vitrinen mit den offiziellen Exemplaren der vergangenen Spiele. Athleten werden nicht mehr um Autogramme, sondern um Pins ihrer Nationen gebeten – zu meiner großen Überraschung haben sie die oft sogar dabei! Ich staune. Ich habe bisher nur die üblichen "Panini"-Bildchen gesammelt. Da gab es auch immer eine lustige Tauschbörse, die war allerdings meistens vorbei, bevor das Fußballturnier begonnen hatte. Für Pin-Sammler allerdings geht die Jagd weiter – unabhängig vom Zeitplan der Olympischen Spiele.

Besondere Andenken

1908 wurden die Pins zum ersten Mal offiziell bei Olympischen Spielen geprägt. Jede Nation hat ihre eigenen. Je älter sie sind, desto wertvoller. Aber eigentlich geht es nicht ums Geschäft: Pin gegen Pin tauschen lautet das Prinzip. Dabei kommt der Sammler zwangsläufig mit vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen ins Gespräch. Man vergleicht. Man staunt. Man fragt: Woher kommt denn dieser Pin? Das finde ich eigentlich sehr sympathisch, vom Grundgedanken sogar fast olympisch.

Auslage einer Pin-Sammlung. Foto: Olivia Fritz

Große Auswahl für Käufer und Tauscher

Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Sammelsucht vor allem Männer befallen hat – mich hat dieser Trend jedenfalls kalt gelassen. Nein, ich möchte jetzt keine Klischees anführen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht noch zusätzliches Gewicht mit mir rumschleppen möchte. Da kommt ganz schön was zusammen, wenn man erst mal 50 Pins um den Hals hängen hat – glauben Sie mir! Ich beobachte das lieber aus der Ferne: Das Buhlen, das Feilschen, das Staunen. Und den Stolz, wenn ein neuer Anstecker einen Platz am Revers oder sonst wo findet. Es sind tolle Souvenirs in Erinnerung an eine besondere Zeit. Tja – und wenn ich es mir so recht überlege: Vielleicht finde ich ja kurz vor meiner Abreise doch noch einen schönen Pin als Andenken – die Kollegen haben bestimmt einen doppelt…