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Europa

Logische Konsequenz - Stierkampf-Verbot in Katalonien

Das katalonische Parlament hat den Stierkampf verboten. Die Entscheidung ist richtig - weniger aus ethischen Motiven als vielmehr aus handfesten politischen Gründen gefallen, meint Marc Koch in seinem Kommentar.

Themenbild Kommentar, Symbolbild (Grafik: DW)

Man muss kein überzeugter Tierschützer sein, um den Stierkampf abzulehnen: Im vermeintlichen Duell Mann gegen Stier hat das Tier niemals eine Chance: Es wird bestialisch und sinnlos gequält, bis der Torero der Grausamkeit mit einem mehr oder weniger geschickten Degenstoß ein Ende macht. Und schon lange halten sich hartnäckige Gerüchte, denenzufolge die Tiere mit Medikamenten manipuliert oder ihnen die Hörner abgefeilt werden, um das Risiko für den Torero zu mindern.

Chefredakteur Hörfunk und Online der DW Marc Koch (Foto: DW)

DW-Chefredakteur Marc Koch

So eine Veranstaltung zum urspanischen Kulturereignis zu erklären, ist purer Zynismus: Die corrida in ihrer heutigen Form gibt es erst seit Ende des 18. Jahrhunderts. Und die Behauptungen der Züchter und der Toreros, sie würden die Stiere verehren und für ihren Fortbestand sorgen, dient nichts anderem als eigenen Interessen – schließlich steht bei einem Verbot ihr Job auf dem Spiel.

So gesehen ist die Entscheidung des katalanischen Parlaments richtig, den Stierkampf ab 2012 zu verbieten. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack: Schaut man sich das Abstimmungsergebnis genauer an, dann fällt auf, dass gerade die Abgeordneten der nationalistischen katalanischen Parteien mit großer Mehrheit für das Verbot gestimmt haben.

Damit ist es weniger ein Votum für ein Verbot des Stierkampfs als vielmehr ein Votum gegen Spanien: Die corrida ist für die katalanischen Nationalisten eines der Symbole des spanischen Staates, von dem sie sich so gerne trennen möchten. Und es gibt noch ein Argument dafür, dass es bei der Abstimmung gar nicht so sehr um die Abschaffung eines unwürdigen Spektakels ging: Von der Idee, die correbous, die katalanische Form der Stierhatz, gleich mit zu verbieten, waren die nationalistischen Abgeordneten gar nicht begeistert.

Bei den correbous wird der Stier nicht getötet, aber auch nicht artgerecht behandelt. Das jetzt beschlossene Verbot kann durchaus auch als Reaktion der Nationalisten auf ein Urteil des spanischen Verfassungsgerichtes verstanden werden, das vor Kurzem das katalanische Autonomiestatut beschnitten hat.

Ohnehin war die pathetische und leidenschaftliche Debatte um das Stierkampf-Verbot völlig überzogen: "La Monumental", die letzte große Arena Barcelonas mit 20.000 Plätzen, hat in diesem Jahr gerade mal 400 Abonnements verkauft, voll war sie nur noch selten. 2009 gab es 18 corridas – ein ziemlich klarer Beweis dafür, dass die meisten Menschen kein Interesse mehr an dem blutigen Spektakel haben. Ein generelles Verbot wäre also nur eine logische Konsequenz.

Autor: Marc Koch
Redaktion: Fabian Schmidt