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Politik

Lockerbie-Attentäter auf freiem Fuß

Gnade für den Lockerbie-Attentäter: Der todkranke Libyer Abdel Bassit al-Megrahi ist nach zehn Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis in Schottland entlassen worden. Die USA kritisierten die Entscheidung.

Wrackstücke der Boeing 747 bei Lockerbie

Wrackstücke der Boeing 747 bei Lockerbie

Der schottische Justizminister Kenny MacAskill teilete am Donnerstag (20.08.2009) in Edinburgh mit, der frühere libysche Geheimdienstagent sei aus humanitären Gründen freigelassen worden, damit er sein Leben im Kreise seiner Familie beenden könne. Der 57-Jährige, der seine Schuld stets bestritten hatte, leidet an Prostata-Krebs im Endstadium. Die US-Regierung und Angehörige der Anschlagsopfer kritisierten die Entscheidung. Das Außenministerium in Washington warnte die libysche Regierung vor einer "Heldenfeier" für Al-Megrahi. Dies wäre "inakzeptabel" und würde Folgen für die Beziehungen beider Länder haben, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley.

Unmittelbar nach seiner Freilassung flog Al-Megrahi von Glasgow aus an Bord eines Airbus der libyschen Fluggesellschaft Afriqiyah in seine Heimat. Dort wurde er am späten Abend von tausenden Landsleuten begeistert empfangen. Justizminister MacAskill betonte, sein Beschluss folge ausschließlich humanitären Erwägungen. Er hätte auch eine juristische Entscheidung auf der Grundlage eines Abkommens mit Libyen zum Austausch von Häftlingen treffen können, habe sich aber bewusst dagegen entschieden.

"Tiefes Bedauern" der US-Regierung

Er sei sich darüber im Klaren, dass es in diesem Fall "sehr tiefe Emotionen" gebe und dass viele seine Entscheidung nicht gutheißen würden, sagte MacAskill weiter. Das Attentat von Lockerbie habe bei den Angehörigen der Opfer tiefe Wunden hinterlassen, die immer noch schmerzten und nie ganz verheilen würden.

Die US-Regierung äußerte "tiefes Bedauern" über die Entscheidung. Die USA hätten Schottland wiederholt ersucht, Al-Megrahi weiter in Haft zu behalten, erklärte Präsidentensprecher Robert Gibbs. Er erinnerte zugleich an das Los der Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags auf eine Pan-Am-Maschine 1988. US-Präsident Obama forderte deshalb die libysche Regierung auf, Al-Megrahi unter Hausarrest zu stellen.

Libyens formales Schuldbekenntnis

Abdel Bassit al-Megrahi (Archivfoto: AP)

Abdel Bassit al-Megrahi (Archivfoto)

Al Megrahi wurde 1999 von Libyen an die Niederlande überstellt. Dort wurde er 2001 wegen des Anschlags auf die Pan-Am-Maschine zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei der Explosion des Flugzeugs über der schottischen Ortschaft Lockerbie waren im Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben gekommen, elf von ihnen am Boden.

Seit der Aufgabe des Atomwaffenprogramms im Jahr 2003 versucht der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi, die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Im vergangenen Jahr hat das Land 1,5 Milliarden Dollar in einen Fonds zur Entschädigung von Terrorismus-Opfern eingezahlt. Die Gelder kommen hauptsächlich den Angehörigen von Opfern des Lockerbie-Attentats zu Gute. (fg/wga/sc/dpa/AP/rtr)

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