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Lobeshymnen für Inka Parei

Gernot Stadler2. Juli 2003

Im Zuge der "Tage der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt erhielt die Berliner Autorin Inka Parei den diesjährigen Bachmann-Preis – die wichtigste Auszeichnung für deutschsprachige Nachwuchsschriftsteller.

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Glückliche PreisträgerinBild: AP

"Bachmann-Preisträger" – das ist ein Gütesiegel für Verlage, die nach neuen Autoren Ausschau halten. Zugleich verhilft der dreitägige Wettbewerb im österreichischen Klagenfurt, der live im Fernsehen übertragen wird, den Teilnehmern zu einiger Popularität. Am Sonntag (29. Juni 2003) gingen die 27. "Tage der deutschsprachigen Literatur" - wie der Wettbewerb offiziell heißt - zu Ende. Tage, an denen sich die Jury oft uneinig war, wie ernst Literatur sein muss oder wie unterhaltsam sie sein darf. Bei dem Text der 1967 geborenen Berliner Autorin Inka Parei war das Urteil dann einhellig.

Überzeugte Juroren

Zwei Stimmen aus den Reihen der Jury machen exemplarisch die Stärken von Pareis Romanentwurf deutlich: "Ich stimme für einen Text, der mit behutsamer Präzision in die Psyche eines alten Mannes hineinleuchtet und aus feinsten Stimmungen Spannung erzeugt; ich stimme für den Romananfang von Inka Parei", begründet Ilma Rakusa seine Stimmabgabe. Und auch für Josef Haslinger ist seine Wahl des Textes von Inka Parei eindeutig: "Meine Stimme gehört einem Text, der mir die unspektakuläre Welt eines alten gebrechlichen Mannes in einer langsamen, aber umso genaueren literarischen Zuwendung erschließt. Meine Stimme gehört Inka Parei."

Der Berliner Autorin, Jahrgang 1967, war am letzten Lesetag in Klagenfurt ein wahres Kunststück gelungen: Sie konnte gar acht von neun Juroren zu Lobeshymnen hinreißen. Die Autorin erhielt für ihren Romananfang den von der Stadt Klagenfurt gestifteten Ingeborg-Bachmann-Preis in Höhe von 22.500 Euro.

Streiflichter aus dem Leben eines alten Mannes

Der Roman, dessen Anfang Inka Parei in Klagenfurt vorgelesen hat und für den es noch keinen Titel gibt, erzählt die Geschichte eines alten Mannes, der völlig unerwartet ein Haus am Stadtrand von Frankfurt erbt. Immer stärker wird die Hauptfigur am Ende ihres Lebens in den Mikrokosmos des Hauses und seine Geschichte hineingezogen. In dieses sorgsam gestrickte und langsam erzählte Ereignisgeflecht mischen sich zunehmend Streiflichter aus der Lebensgeschichte des alten Mannes.

Inka Parei hat bislang einen Roman, "Die Schattenboxerin", veröffentlicht, erschienen 1999 im Frankfurter Verlag Schöffling & Co. 1997 erhielt Inka Parei ein Stipendium des literarischen Colloquiums Berlin, 2001 und 02 das des Berliner Senats. Zudem wurde sie im Jahr 2000 mit dem Hans-Erich-Nossak-Förderpreis ausgezeichnet.

Ihr ganz eigener Stil

Beim Schreiben geht es der Bachmannpreisträgerin 2003 in erster Linie um die Struktur ihrer Personen, aus deren Biographie sich die Handlung entwickelt. Inka Parei: "Ich gehe vom Ansatz eigentlich immer von meinen Figuren aus, weil ich als Erzählerin eine große Parteinahme für meine Figuren habe […] und die ich so darstellen will, dass man sie verstehen kann und mit ihnen fühlt."

Noch dieses Jahr will Inka Parei ihren neuen Roman fertigstellen, geplanter Erscheinungstermin ist im Frühjahr 2004. Der Preis der Jury, gestiftet von der Telekom Austria, ging an Feridun Zaimoglu aus Kiel für seinen Text "Häute", Farhad Showghi wurde mit dem 3sat, Ulla Lenze mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet.