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Afrika

Lob aus Afrika für Sepp Blatter

Sepp Blatter wirft das Handtuch bei der FIFA. In Afrika sorgt der Korruptionsskandal im Weltfußballverband zwar für Diskussionen, aber viele Spieler und Funktionäre bedauern die Entscheidung des 79-Jährigen.

Joseph Blatter und Issa Hayatou (Foto: epa)

Joseph Blatter und Issa Hayatou

Auf eines konnte sich Sepp Blatter während seiner fast 18 Jahre an der FIFA-Spitze immer verlassen: die Unterstützung des afrikanischen Fußballs. Afrikas Fußball-Konföderation CAF und ihre 54 Mitglieder haben immer wieder betont, wie dankbar sie Blatter sind, für alles, was er für den Sport auf dem Kontinent getan hat. Ähnlich liest sich ein Interview mit CAF-Präsident und FIFA-Exekutivmitglied Issa Hayatou aus Kamerun auf der Webseite des Verbands. "Wir haben Sepp Blatter unterstützt, weil er dem afrikanischen Kontinent wirklich geholfen hat, durch die WM-Vergabe 2010 [an Südafrika], die Trainingskurse, die er organsiert hat, durch Sporteinrichtungen, die gebaut wurden", so Hayatou. "Deshalb hat sich der Kontinent geschlossen hinter ihn und seine Sache gestellt."

Blatter hatte seine

Entscheidung zurückzutreten

am Dienstag bekanntgegeben, gerade mal vier Tage nachdem er zum fünften Mal als FIFA-Präsident wiedergewählt wurde. Für die CAF bleibt Blatter - zumindest offiziell - frei von allen Korruptionsvorwürfen, die gerade in Zusammenhang mit den US-Ermittlungen gegen ranghohe FIFA-Funktionäre kursieren. Darunter sind auch Vorwürfe, der Weltfußballverband habe im Vorfeld der WM-Vergabe 2010 fast neun Millionen Euro an Bestechungsgeldern aus Südafrika auf ein Konto von Ex-FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago weitergeleitet.

"Keine Bestechung", sagt Südafrika

Südafrikas Sportminister Fikile Mbalula wies am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Johannesburg Bestechungsvorwürfe erneut kategorisch zurück. "Das Geld stand in keiner Weise in Zusammenhang mit den Stimmen für die Vergabe der Fußball-WM". Der Minister bestätigte aber den Inhalt eines öffentlich gewordenen Briefes vom südafrikanischen Fußballverband, in dem steht, dass Gelder, die eigentlich für die Organisation der WM gedacht waren, direkt an Warner gingen. Laut Mbalula hat es sich dabei nicht um Schmiergelder gehandelt, sondern lediglich um eine Spende, um ein Fußball-Zentrum für afrikanischstämmige Sportler in der Karibik aufzubauen.

Südafrikas Sportminister Mbalula

Südafrikas Sportminister Mbalula

Der Minister appellierte an die Öffentlichkeit, "von Kommentaren abzusehen, um der Regierung die Möglichkeit zu geben, die Angelegenheit über diplomatische Kanäle zu klären". Er rief auch dazu auf, alle Informationen zu diesem Fall "mit der Regierung zu teilen". Die US-Behörden forderte Mbalula auf, Beweise für die Korruptionsvorwürfe zu liefern.

Angola: "Alle wussten Bescheid"

In großen Organisationen wie der FIFA gäbe es immer ein gewisses Maß an Korruption, sagte der Vizepräsident des angolanischen Fußballverbands FAF, Nando Jordao, der DW. "Niemand, der die Welt des internationalen Fußballs kennt, kann behaupten, er habe nichts gewusst. Das betrifft auch UEFA-Präsident Michel Platini, der sich jetzt überrascht zeigt, dass es Korruption in der FIFA gibt. Das war für jeden klar", sagte Jordao und sprach sich für eine umfassende Reform des Weltfußballverbands aus. "Jeder FIFA-Funktionär, ohne Ausnahme, muss zurücktreten und ersetzt werden." Aber auch das, so Jordao, könne nur eine vorübergehende Lösung sein. "In 20 Jahren würden wir dann wieder eine korrupte FIFA haben, weil es einfach um so viel Macht und Geld geht."

Bildergalerie WM-Maskottchen Zakumi 2010 (Foto: dpa)

Die erste WM überhaupt in Afrika: 2010 in Südafrika

Große Aufgaben für den Nachfolger

Er sei erstaunt gewesen, als er von Blatters Rücktritt gehört habe, sagte Kameruns Fußball-Funktionär Kaba Christopher im Interview mit der DW. "Aber dann habe ich gedacht: Wenn er das dem Spiel zuliebe getan hat, dann muss der Weltfußball jetzt Fortschritte machen und interessanter werden als früher. Ich habe den Eindruck, es ist besser, selbst die Konsequenzen zu ziehen, als dazu gezwungen zu werden."

Bildergalerie Sportler aus Afrika - Roger Milla

Ex-Fußballstar Roger Milla aus Kamerun

Kameruns früherer Star-Stürmer Roger Milla, der in drei Weltmeisterschaften auf dem Platz stand, reagierte mit Bedauern auf Blatters Rücktritt. "Es ist eine große Schande, dass er auf diese Art und Weise geht. Aber jetzt müssen wir jemanden finden, der kompetenter ist, jemanden, der allen zuhört und versucht, die Fehler im afrikanischen Fußball anzugehen - und ich betone: alle Fehler, besonders im kamerunischen Fußball-Verband. Blatter hat seine Entscheidung getroffen und das müssen wir respektieren. Ich sage 'Bravo' zu allem, was er für den Fußball getan hat".

"Blatter hat viel für die Afrikaner getan, deshalb haben wir ein fünftes Mal für ihn gestimmt", sagte Patrick Pascal, ehemaliger Nationalspieler aus Nigeria, der DW. "Aber wenn während seiner Amtszeit herausgekommen wäre, dass er korrupt ist, dann hätte ihn niemand mehr unterstützt". Jetzt müsse eine neue Führungsperson her. "Jemand, der fähig ist, die Dinge zu ändern, dem die Leute vertrauen, dann gewinnt die FIFA auch wieder an Integrität".

Viele offene Fragen

Auch viele DW-User aus Afrika haben den Rücktritt des FIFA-Langzeitpräsidenten kommentiert. Einige unterstützen Blatter, andere glauben, dass er direkt in den Korruptionsskandal verwickelt ist. Mwalimu Kenedy Mpemba aus Kahama in Tansania meint, Blatter hätte früher das Handtuch schmeißen sollen. "Sein Rücktritt als FIFA-Präsident wirft viele Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Das ist verdächtig. Warum hat er um die Präsidentschaft konkurriert, wenn er nicht mehr regieren will? Es wäre besser gewesen, er wäre nicht angetreten, denn es ist so viel Zeit und Geld verschwendet worden."

Blatter bleibt im Amt, bis ein Nachfolger gewählt wird. Während seiner letzten Monate als FIFA-Präsident will er, wie er sagt, "weitreichende, fundamentale Reformen anstoßen, die weiter gehen als alle bisherigen Bemühungen".

Die Reaktionen der Bevölkerung in Südafrika, der einzigen WM-Nation auf dem Kontinent, seien gemischt, sagt DW-Korrespondent Thuso Khumalo. Während einige meinen, Blatter sei zu lange an der Macht gewesen, würden ihn andere loben, "weil er sichergestellt hat, dass die FIFA-WM zum ersten Mal nach Afrika kommt und dafür wird er für immer in Südafrika und auf dem ganzen Kontinent respektiert werden."

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