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Aktuell Europa

+++ Live: Die EU im Krisenmodus +++

Kanzlerin Merkel spricht von einem "Einschnitt in Europa". Tatsächlich sind die Schockwellen nach dem Votum der Briten auf dem ganzen Globus zu spüren. Politik und Wirtschaft befinden sich in ernsten Turbulenzen.

England Brexit: David Cameron

Rückzug: David Cameron und seine Frau Samantha nach der Erklärung des Premiers

Das Wichtigste in Kürze:

London verlässt die Europäische Union - und der britische Regierungschef tritt bis Oktober zurück. Nach über 40 Jahren will das Vereinigte Königreich als erstes Land überhaupt die Europäische Union verlassen. Das Brexit-Lager gewann mit rund 52 Prozent, die EU-Befürworter kamen auf etwa 48 Prozent der Stimmen. Insgesamt hatten sich für das Referendum 46,5 Millionen Bürger registriert. 72,2 Prozent davon gaben ihre Stimme ab.

Die Europäische Gemeinschaft mit bisher 28 Staaten wird in die schwerste Krise ihrer Geschichte gestürzt. Die Börsen reagieren weltweit höchst nervös. Der deutsche Leitindex Dax bricht um 10 Prozent ein, der britische Auswahlindex FTSE um fast 9 Prozent. Das britische Pfund fällt auf 1,33 Dollar und damit auf seinen niedrigsten Wert seit dreißig Jahren. Auch der Euro bricht ein. Der japanische Nikkei-Index fällt um acht Prozent.

Die neuesten Entwicklungen:

18.35 Uhr: Bereits vor den nächsten Krisentreffen auf europäischer Ebene kommen am Samstag in Paris kurzfristig der französische Präsident Francois Hollande und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi zusammen. Dies wurde in der französischen Hauptstadt bekannt gegeben.

17.45 Uhr: Vor der Unions-Klausurtagung in Potsdam sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer: "Wir sind entschlossen, dieser historischen Herausforderung gerecht zu werden." Mit Kritik an der Kanzlerin hielt sich Seehofer zurück. Er betonte, dass sich die Frage nach einer Volksabstimmung auch in Deutschland nicht stelle.

16.03 Uhr: Frankreichs konservativer Parteichef und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy fordert einen neuen EU-Vertrag. Die Frage einer weitreichenden Neugründung der EU sei dringend, sagt Sarkozy in Paris. Die Entscheidung der Briten reflektiere eine starke Ablehnung eines Europas, wie es derzeit funktioniert. "Was das britische Volk gesagt hat, hätten auch andere Völker sagen können", sagt der Franzose.

Video ansehen 02:02

Brexit: Cameron wirft das Handtuch

15.52 Uhr: Die Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten, Hillary Clinton, ermahnt, die Entscheidung der Briten zu akzeptieren. Sie unterstreicht die Bedeutung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union auf der einen und Großbritannien auf der anderen Seite.

15.26 Uhr: US-Präsident Barack Obama sichert zu, dass Großbritannien und die EU unverzichtbare Partner für die USA blieben. Die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien seien von Dauer.

15.20 Uhr: Die EU wird nach Worten ihrer Außenbeauftragten Federica Mogherini nicht an Gewicht auf der Weltbühne verlieren. Die EU werde eine Kraft für Frieden, Sicherheit und internationale Zusammenarbeit bleiben.

Federica Mogherini

Federica Mogherini, EU-Außenbeauftragte

15.05 Uhr: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußert die Erwartung, dass Großbritannien weiterhin eine Führungsrolle in der Welt einnehmen werde. Für die Vereinten Nationen seien sowohl die EU als auch Großbritannien bedeutende Partner.

15.00 Uhr: Es treffen die ersten Reaktionen aus den USA ein. Die US-Notenbank Federal Reserve erklärt, sie beobachte die Situation der globalen Finanzmärkte aufmerksam und werde - falls dies notwendig sei - entsprechend Liquidität bereitstellen.

14.45 Uhr: Nun äußert sich auch der russische Präsident Wladimir Putin persönlich. Der Brexit werde weltweite Konsequenzen haben, positive wie negative, erklärt der Kremlchef. Die Märkte würden sich sicher schnell erholen. Die Entscheidung der Briten zeige die Unzufriedenheit mit der europäischen Bürokratie und der Flüchtlingssituation.

14.20 Uhr: Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders kündigt an, er werde sich für ein EU-Referendum in seinem Land stark machen. Bei einer Abstimmung über das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine im April hatte es ein klares Nein der Niederländer gegeben.

13.30 Uhr: Donald Trump, der Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner, greift in die Debatte ein. Er meint, der Zerfall der Europäischen Union habe begonnen. An den Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien werde sich nichts ändern, betonte Trump, der sich gerade in Schottland aufhält.

13.28 Uhr: Trotz der Brexit-Entscheidung setzt Moskau auf stabile Beziehungen zu Großbritannien. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagt in Moskau, zwar seien die bilateralen Beziehungen zu London nicht immer einfach gewesen. Russland hoffe jedoch, dass "in der neuen Realität das Verständnis für die Notwendigkeit überwiegt, gute Beziehungen zu unserem Land aufzubauen". Die Brexit-Entscheidung selbst bewertete der Kreml-Sprecher nicht. Peskow bezeichnete das Ergebnis des Votums als "eine innere Angelegenheit Großbritanniens und eine Frage seiner Beziehungen mit der EU". Die EU sei ein "sehr wichtiger Handels-, Wirtschafts- und Investitionspartner Russlands" Moskau sei "natürlich daran interessiert, dass die EU eine große Wirtschaftsmacht bleibt, eine florierende, stabile und verlässliche".

13.25 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck ruft dazu auf, den Blick nach vorne zu richten. Der bevorstehende Austritt der Briten sei "nicht der Anfang vom Ende der Europäischen Union", sagt Gauck am Freitag am Rande seines Staatsbesuchs in Bulgarien. Dies sei vielmehr "der Anfang von neuen Bemühungen um die Verteidigung der Union und ihrer Werte. Und er ist, wo Reformen erforderlich sind, auch der Beginn eines neuen Zukunftsweges", so Gauck. Der Respekt vor der Entscheidung der Briten sei verbunden mit "tiefer Traurigkeit". Deutschland werde aber weiter konstruktiv mit Großbritannien zusammenarbeiten. Zugleich bleibe Deutschland weiter ein starker Anwalt der Europäischen Union. "Wir sagen am heutigen Tage aus guten historischen, ökonomischen und politischen Gründen Ja zu Europa und zu seiner Union", bekräftigt der Bundespräsident.

13.22 Uhr: Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras verlangt mehr soziale Gerechtigkeit in der Europäischen Union. "Wir brauchen eine neue Vision und einen Neustart für das Vereinigte Europa", so Tsipras.

Das Ziel sei ein sozial gerechtes und demokratisches Europa. Die Entscheidung der Wähler in Großbritannien sei "kein Blitz aus heiterem Himmel". Sie sei Folge des demokratischen Defizits in den EU-Strukturen, der harten Sparprogramme und der Vorurteile à la: "faule Südländer - fleißige Nordeuropäer". Das Referendum im Vereinigten Königreich werde "entweder den Schlafwandler Europa wecken oder der Anfang eines sehr gefährlichen Kurses werden", betonte Tsipras.

Gabriel fährt nicht nach Moskau

13.20 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird am kommenden Montag nicht zu einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau reisen. "So ist es", antwortet Gabriel auf eine entsprechende Frage. Begründung: Am gleichen Tag würden Gespräche führender europäischer Sozialdemokraten in Paris stattfinden, an denen er teilnehmen wolle. Die russische Seite sei bereits informiert. Ursprünglich hatte Gabriel geplant, am Montag für einen Tag nach Russland zu fliegen, um dort mit Putin zusammenzutreffen.

13.19 Uhr: Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen nach den Worten des lettischen Außenministers Edgars Rinkevics im Juli zu einem Sondergipfel zusammenkommen, um über die Folgen des Brexit-Votums zu beraten.

13.15 Uhr: Österreichs Außenminister Sebastian Kurz sieht in dem Ausgang des Referendums ein Erdbeben für Europa. Er fürchte sich aber nicht vor den Konsequenzen. Vielmehr müsse daran gearbeitet werden, dass es wieder eine breite Zustimmung für die Europäische Union gebe, sagt Kurz in Luxemburg.

13.10 Uhr: Auf einer Pressekonferenz in Belgrad äußert sich der Ministerpräsident Serbiens Aleksandar Vučić: "Das ist das größte politische Erdbeben seit dem Mauerfall. Die kurzfristigen und mittelfristigen Folgen werden ernst sein." Er fügt hinzu, dass sein Land auf dem europäischen Kurs bleibe. Seine Regierung werde ökonomische Stabilität und wirtschaftliches Wachstum in Serbien trotz eventueller Turbulenzen im Westen gewährleisten. Ein von den serbischen EU-Skeptikern verlangtes Referendum über die EU-Annäherung Serbiens lehnt er kategorisch ab - die im April abgehaltenen Parlamentswahlen hätten eine große Mehrheit für seine EU-freundliche Politik bestätigt. Vučić betohnt die Verbundenheit mit Deutschland: "Für die Stabilität Serbiens ist sehr wichtig, dass das kleine serbische Schiff mit dem großen deutschen Schiff durch eine Bootsleine verbunden bleibt."

12.59 Uhr: Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon bringt ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien ins Gespräch. Wenn das schottische Parlament dem zustimme, werde die entsprechende Gesetzgebung dafür vorbereitet. Schottland gehört mit Wales, Nordirland und England zum Vereinigten Königreich und ist traditionell proeuropäisch. Vor zwei Jahren hatten die Schotten über eine Abspaltung von Großbritannien abgestimmt. Damals hatte die Bevölkerungsmehrheit aber London die Treue gehalten.

12.53 Uhr: Papst Franziskus äußert sich auf seinem Flug nach Eriwan und mahnt, die Mehrheitsentscheidung des britischen Volkes zu akzeptieren. Er appelliert zugleich an die Politiker Europas, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Video ansehen 00:59

Merkel: Brexit ist "ein Einschnitt für Europa"

12.45 Uhr: Die Kanzlerin tritt vor die Presse und mahnt zu Ruhe und Augenmaß: Die Schlüsse aus dem Brexit müssten mit "historischem Bewusstsein" gezogen werden, sagt Angela Merkel im Bundeskanzleramt. Die "Friedensidee", die hinter der EU stehe, bleibe auch für die Zukunft "alles andere als selbstverständlich". Merkel sagt aber auch: "Es gibt nichts drumherum zu reden, der heutige Tag ist ein Einschnitt für Europa, er ist ein Einschnitt für den europäischen Einigungsprozess."

12.41 Uhr: Jetzt äußert sich Boris Johnson, Wortführer des Brexit-Lagers. Der frühere Londoner Bürgermeister drückt auf die Bremse. Er will beim Austritt Großbritanniens aus der EU nichts überstürzen. Es gebe keinen Grund zur Eile, so Johnson. Die EU sei "eine noble Idee für ihre Zeit" gewesen, doch nun "nicht länger richtig für dieses Land". Johnson wird als möglicher Nachfolger für Premierminister David Cameron gehandelt, der seinen Rücktritt bis zum Herbst angekündigt hat.

12.39 Uhr: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bestreitet, dass das Ergebnis in Großbritannien der Anfang vom Ende der EU sei - und verlässt nach einer entsprechenden Frage den Raum.

12.34 Uhr: Der französische Präsident Francois Hollande bedauert den Ausgang des Referendums. Das Nein der Briten zur EU sei eine große Herausforderung für den Kontinent, der nun nicht zur Tagesordnung übergehen könne. "Damit Europa voranschreiten kann, darf es nicht mehr so weitermachen wie bisher."

12.33 Uhr: Die EU muss nach den Worten des polnischen Präsidenten Andrzej Duda nach dem Brexit-Entscheid alles tun, um den Austritt weiterer Länder aus der Gemeinschaft zu verhindern. Polen wolle möglichst enge wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu Großbritannien aufrechterhalten, sagt er in Warschau. Außerdem werde das Land alles tun, um die Rechte der in Großbritannien lebenden Polen zu schützen.

12.30 Uhr: Aus Sorge um die Einheit Europas twittert die ehemalige kroatische Außenministerin Vesna Pusic, die für den Posten der künftigen UN-Generalsekretärin kandidiert: "Der Brexit ist das Gegenteil des Berliner Mauerfalls."

12.27 Uhr: Die Europäische Union fordert Großbritannien auf, "so schnell wie möglich" Konsequenzen aus dem Brexit-Referendum zu ziehen. "Jede Verzögerung würde die Unsicherheit unnötig verlängern", heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Parlamentschef Martin Schulz und dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte.

12.25 Uhr: Großbritannien wird sich schon mal auf weniger Einnahmen einstellen müssen. Das Minus wird 20 bis 40 Milliarden Pfund (derzeit rund 52 Milliarden Euro) bis 2020 betragen, schätzt das Institut für Budgetstudien - die Nettozahlungen an die EU, die Großbritannien nun spart, sind da schon eingerechnet.

12.23 Uhr: Der bulgarische Präsident Rossen Plewneliew sieht Unheil am Horizont: „Das ist ein schlechter Tag für die EU und ein schlechter Tag für Europa. Wenn die EU auseianderbricht, dann kann Krieg kommen. Und nach zwei blutigen Weltkriegen müssen wir alles tun, um weitere Kriege zu vermeiden. Der einzige Weg ist die Integration. Und wenn es keine Integration und Zusammenarbeit gibt, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass es Krieg geben wird in Europa", so Plewneliew.

12.20 Uhr: Rumäniens Präsident Klaus Johannis erklärt: "Großbritannien wird auch nach dem Austritt aus der EU ein wichtiger Partner für uns bleiben, es wird aber keinen privilegierten Status in den Beziehungen zur EU genießen." Das europäische Projekt müsse nun neu definiert werdem. "Wir müssen es besser machen, effizienter und leichter verständlich für die Bürger."

12.15 Uhr: „Was für ein schöner Sommermorgen, was für eine wunderschöne Nachricht, die das gesamte Serbentum erfreute. Engländer schlugen einen Holzpflock mitten durchs Herz der EU-Leiche“, twittert der serbische Ultranationalist Vojislav Šešelj.

12.12 Uhr: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ruft die EU zur Geschlossenheit auf. "Es kommt jetzt darauf an, dass wir Europa zusammenhalten", sagt er am Freitag in Luxemburg. "Es gibt nichts schönzureden, das ist ein bitterer Tag für Europa." Die EU dürfe jetzt aber "weder in Hysterie noch in Schockstarre verfallen", sondern müsse den Bürgern zeigen, dass sie Antworten auf wichtige Fragen finde.

12.05 Uhr: Das Votum der Briten ist nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nicht das Ende Europas, aber ein "Schuss vor den Bug". "Wir dürfen jetzt nicht die Zugbrücken hochziehen", so der SPD-Chef. Das Votum der Mehrheit der jungen Briten gegen einen Brexit sei aber auch ein "starkes Signal" für die weitere Zusammenarbeit. Europa brauche jetzt einen Neustart. Auch Deutschland müsse mehr tun - allein durch Sparen entstehe für die junge Generation Europas keine Arbeit. Er erwarte, dass noch einmal neu debattiert werde, "wie unsere Investitionen in die Zukunft Europas - gemeinsam mit anderen - die Lage der Menschen verbessern können".

12.03 Uhr: Auch die deutschen Hochschulen fürchten negative Brexit-Folgen. Das Votum stelle "einen tiefen Einschnitt" dar, erklärt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, in Berlin. Die Konsequenzen träfen die britischen Hochschulen schwer - und mit ihnen den gesamten europäischen Forschungsraum. Gerade für die deutschen Hochschulen markiere der Brexit eine "schmerzhafte Zäsur", so Hippler. Die HRK werde jetzt alles tun, "um die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen in Großbritannien, Deutschland und der gesamten EU möglichst unvermindert fortzusetzen".

11.58 Uhr: Die Befürworter des Brexit hatten vor allem für eine Begrenzung der Einwanderung getrommelt. Die Arbeitskräfte aus Ost- und Südeuropa, die in den letzten Jahren zum britischen Wirtschaftswachstum beitrugen, dürften nun fortbleiben. Besonders auf dem Bau waren viele von ihnen untergekommen. Insgesamt, so schätzt der Internationale Währungsfonds, wird das Wirtschaftswachstum der vergangenen zwei Jahre stoppen. Schon kommendes Jahr rechnen die Experten mit einer kräftigen Rezession und steigender Arbeitslosigkeit.

11.50 Uhr: Heftige Finanzmarkt-Verwerfungen nach der Entscheidung der Briten für einen Brexit rufen die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan. "Die EZB steht bereit, falls nötig, zusätzliche Liquidität in Euro und in Fremdwährungen bereitzustellen", teilen die Euro-Wächter mit.

11.48 Uhr: In der Wirtschaft ist die Unsicherheit nun groß - und sie wird es lange bleiben. Das ist Gift für Investitionen und unternehmerische Entscheidungen. Die britische Regierung hatte vor dem Referendum gewarnt, sie rechne mit rund einem Dutzend Jahre, die es dauern werde, um die Handelsbeziehungen neu zu ordnen. Die Welthandelsorganisation geht davon aus, dass britische Exporteure in dieser Zeit jährlich umgerechnet bis zu 7,2 Milliarden Euro zusätzlich schultern müssten - für Zölle auf ihre Ausfuhren. Offen ist zudem, wie viele ausländische Unternehmen nun abwandern, denn Großbritanniens Vorteil als "Tür zur Europäischen Union" ist nun dahin.

11.43 Uhr: Großbritanniens Votum für den Brexit ändert laut NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nichts an der Stellung des Landes im westlichen Verteidigungsbündnis. "Das Vereinigte Königreich bleibt ein starker und engagierter NATO-Verbündeter und wird weiterhin seine Führungsrolle in unserer Allianz spielen", so Stoltenberg in Brüssel. Die Kooperation mit der EU werde unabhängig vom Ergebnis des Referendums ausgebaut.

11.38 Uhr: Die rechte FPÖ in Österreich wertet den Brexit als ein Zeichen gegen politischen Zentralismus und die europäische Flüchtlingspolitik. Eine EU-Referendum für Österreich liege nahe, falls die EU reformunwillig bleibe oder Länder wie die Türkei als Mitglied akzeptiere, teilen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ-Europaabgeordneter Harald Vilimsky mit. Zugleich fordern sie den Rücktritt von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Reformen in Europa seien nur ohne Schulz und Juncker möglich, die für massive Fehlentwicklungen in Europa verantwortlich seien.

11.27 Uhr: Der jetztige Rathauschef in London, Sadiq Khan, einer der starken EU-Befürworter, erklärt, die Metropole werde so erfolgreich bleiben, wie sie bisher sei. Es gebe keinen Grund zur Panik. Auch wenn er die Enscheidung bedauere, sei der Wille der Wähler zu respektieren.

11.23 Uhr: Einer der stärksten Befürworter eines Brexit ist bisher auffällig schweigsam. Der ehemalige Londoner BürgermeisterBoris Johnson wird ausgebuht und ausgepfiffen, als er sein Haus in der britischen Hauptstadt verlässt. Polizisten geleiten ihn zu seinem Auto. Dabei muss er sich Rufe wie "Drecksack" anhören. Johnson äußert sich allerdings nicht vor den wartenden Reportern. Er gilt bei Buchmachern als Favorit für die Nachfolge von Regierungschef David Cameron, der seinen Rücktritt bis zum Herbst angekündigt hat.

11.21 Uhr: CSU-Chef Horst Seehofer fordert eine Absage an "Zentralismus und Gleichmacherei" in der EU. "Das ist kein guter Tag für Europa", erklärt er. Die EU müsse jetzt "deutliche Signale setzen für eine Reform ihrer Politik". Die CSU setze sich für eine Europäische Union ein, "die Einheit in Vielfalt gestaltet - statt Zentralismus und Gleichmacherei".

11.14 Uhr: Europa muss sich nach Worten von Italiens Regierungschef Matteo Renzi verändern, damit es menschlicher und gerechter wird. "Aber Europa ist unser Zuhause, unsere Zukunft", schreibt der Ministerpräsident auf Twitter und Facebook. Renzis Außenminister Paolo Gentiloni spricht von einer "schwerwiegenden Entscheidung" des britischen Volkes und einem "schwierigen Moment" für die gesamte EU.

11.01 Uhr: Spanien schlägt eine "geteilte Souveränität" für Gibraltar vor. Nun müsse entschieden werden, welches Verhältnis Gibraltar zur EU haben solle, "wenn es Zugang zum Binnenmarkt der Europäischen Union haben möchte", sagt der spanische Außenminister José Manuel Garcia Margallo dem Radiosender Onda Cero. Sein Vorschlag sei "eine britisch-spanische Ko-Souveränität" für die Halbinsel, so Margallo. Dieser Status sollte für einen begrenzten Zeitraum gelten, der dann zur Rückgabe des britischen Gebiets an Spanien führen solle. In der Übergangszeit könnten die Einwohner Gibraltars britische Staatsbürger bleiben und eine besondere Steuerregelung behalten. Gibraltar war im Jahr 1713 von Spanien an Großbritannien übergeben worden, wird aber regelmäßig von Madrid zurückgefordert.

10.55 Uhr: Der designierte Kandidat der Republikaner bei den US-Präsidentenwahlen, Donald Trump, zeigt sich erfreut über das Brexit-Votum. Das Ergebnis sei "fantastisch". Die Briten hätten "wieder die Kontrolle über ihr Land" zurückgewonnen, erklärt Trump in Schottland, wo er ein Golf-Hotel eröffnet.

10.53 Uhr: Die Lehre aus der Entscheidung der Briten ist nach Einschätzung von Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem, dass die Europäische Union nicht weiter auf dem Weg der tieferen Integration oder Erweiterung voranschreiten kann. Die erste Aufgabe der Staats- und Regierungschefs in Europa sei nun, für Stabilität zu sorgen, sagt Dijsselbloem in Den Haag. "Das Schlimmste wäre jetzt, mehr Instabilität in die EU hineinzulassen", erklärt er. "Die Integration in der EU nun einfach weiter zu vertiefen oder die Gemeinschaft zu erweitern, ist nicht der richtige Weg in die Zukunft."

10.46 Uhr: Nordirlands Regierungschefin erteilt nach dem Brexit-Votum jeglichen Ideen eines Austritts aus dem Königreich eine Absage. Ein Referendum für ein vereinigtes Irland wäre niemals erfolgreich, sagt die Erste Ministerin Arlene Foster. Zuvor hatte die pro-irische Partei Sinn Fein in Nordirland erklärt, sie werde jetzt verstärkt für einen Austritt der Provinz aus dem Vereinigten Königreich werben.

10.34 Uhr: EU-Gipfelchef Donald Tusk reist voraussichtlich am Montag nach Paris und Berlin. Er werde morgens den französischen Präsidenten François Hollande und nachmittags Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Hollande und Merkel wollen am gleichen Tag auch miteinander in Berlin über die Folgen des Brexit-Referendums beraten. Am Dienstag und Mittwoch steht in Brüssel der EU-Gipfel auf dem Programm. Am Rande soll es auch ein informelles Treffen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs geben - ohne Großbritannien.

10.29 Uhr: Die Schweizer Notenbank greift an den Finanzmärkten ein, um den Kurs des Schweizer Franken zu stabilisieren. Sie werde "am Markt aktiv bleiben", teilt die Notenbank in einer Stellungnahme mit. Nach dem Votum in Großbritannien sei der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck gekommen. Die Landeswährung legte kräftig zu. Ein zu starker Franken ist den Schweizern schon lange ein Dorn im Auge.

10.20 Uhr: Österreichs Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sieht Europa nach dem Brexit deutlich geschwächt. "Europa wird an Bedeutung und Stellung in der Welt verlieren", sagt Kern in Wien. Die britische Politik sei selbst verantwortlich für den historischen Schritt. "Wir haben zur Kenntnis zu nehmen, dass ein Referendum negativ ausgeht, wenn man davor zehn Jahre eine Fundamental-Opposition gegen europäische Fragestellungen eingenommen hat." Jetzt komme es umso mehr darauf an, den Bürgern die europäischen Perspektiven zu erklären. Dazu sei ein Reformprozess in der EU-Politik dringend nötig. Eine Volksbefragung zur EU werde es in seinem Land "mit Sicherheit" nicht geben, bekräftigt Kern.

10.19 Uhr: Die britische Notenbank rechnet für Großbritannien mit einer Zeit der Unsicherheit. Die Zentralbank stehe aber bereit, das Funktionieren der Märkte zu garantieren, sagt der Chef der Bank von England (BoE), Mark Carney in London. Zur Geldversorgung der Finanzwirtschaft könnten zusätzliche 250 Milliarden Pfund abgerufen werden. Wenn notwendig, könne die Notenbank auch erhebliche Liquidität in Fremdwährung bereitstellen. Die BoE will auch prüfen, ob sie weitere Schritte in den kommenden Wochen einleiten wird. Das Pfund Sterling erreicht den tiefsten Stand seit 1985.

10.16 Uhr: EU-Parlamentschef Martin Schulz spricht von einem "schwierigen Augenblick" für Großbritannien und die anderen EU-Staaten. "Beide Seiten sollten gegenseitig ihre unterschiedlichen Ansichten respektieren", sagte der SPD-Politiker in Brüssel nach einem Krisentreffen mit den Fraktionschefs der europäischen Volksvertretung. Das EU-Parlament werde bei den Austrittsverhandlungen eine aktive Rolle übernehmen. "Wir sind sehr traurig über die Entscheidung der Wähler." Nun sollte darüber debattiert werden, wie die EU verbessert und die Eurozone geschützt werden können.

10.09 Uhr: Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sagt der Deutschen Welle, das Brexit-Votum sein "ein Sieg für die Populisten". Nun gehe es "ums Ganze".

10.07 Uhr: Die Spitzen von CDU und CSU verschieben den Beginn ihrer Klausurtagung wegen des Brexit-Abkommens auf den Freitagabend. Unions-Fraktionschef Volker Kauder macht die britische Regierung für den Ausgang des Brexit-Votums verantwortlich. "In Deutschland wäre eine solche Entscheidung nicht möglich", sagt er.

10.05 Uhr: Spanien ist nach den Worten von Ministerpräsident Mariano Rajoy in der Lage, jeglichen wirtschaftlichen Schock nach der Entscheidung der Briten zu überstehen. Wie auch immer das Ergebnis der Wahl in Spanien am Sonntag ausfalle, sein Land werde der EU verpflichtet bleiben, verspricht der amtierende Regierungschef. Die Europäische Union müsse reformiert werden, sie werde den Rückschlag des Brexit aber wegstecken.

10:02 Uhr: Großbritanniens Abschied aus der EU kann sich der Ratingagentur Moody's zufolge auf die Kreditwürdigkeit des Landes auswirken. "Das Ergebnis bedeutet eine längere Zeit der politischen Unsicherheit, die auf der wirtschaftlichen und finanziellen Leistungsfähigkeit des Vereinigten Königreichs lasten wird", erklärt Moody's. Das werde "wahrscheinlich eine Delle bei Investitionen und Vertrauen nach sich ziehen, die die Wachstumsaussichten dämpft", was sich wiederum negativ auf die Bonität auswirke.
Moodys's bewertet die Kreditwürdigkeit Großbritanniens derzeit eine Note unter der Bestnote AAA. Wird das Rating herabgestuft, kann das höhere Kosten bei der Schuldenaufnahme zur Folge haben.

09.54 Uhr: Polen sieht im Ausgang des Brexit-Referendums ein Warnsignal an die gesamte EU. Statt das Votum der Briten zu kritisieren, sollte die Volksabstimmung zum Handeln mobilisieren, heißt es in einer Stellungnahme des Warschauer Außenministeriums. "In mehreren Mitgliedsländern kann Desillusionierung mit der europäischen Integration und sinkendes Vertrauen in die EU beobachtet werden." Polen sei bereit, nach den besten Wegen für die künftigen Beziehungen zwischen EU und Großbritannien zu suchen. Auch wenn die Entscheidung bedauerlich sei, habe Großbritannien "als souveränes Land das Recht, über seine Zukunft in der EU zu entscheiden".

09.51 Uhr: Die CSU im Bundestag warnt vor "Schnellschüssen und Aktionismus" als Reaktion auf die Entscheidung der Briten. "Oberstes Gebot ist jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren", sagt die Landesgruppen-Vorsitzende Gerda Hasselfeldt. Die Entscheidung müsse weiterer Antrieb sein, um die EU zu verbessern. "Renationalisierung ist in Anbetracht der Herausforderungen auf unserem Kontinent und in der Welt nicht der richtige Weg." In Großbritannien habe "Emotionalität gegen Rationalität gewonnen".

09.49 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Partei- und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien für diesen Freitagvormittag ins Kanzleramt geladen, um über das Brexit-Votum zu beraten. An dem "Meinungsaustausch" ab 11.30 Uhr würden auch verschiedene Bundesminister teilnehmen, teilt Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Um 12:30 Uhr will sich Merkel demnach vor der Presse äußern.

09.45 Uhr: Chinas Führung setzt auf eine schnelle Einigung zwischen der EU und Großbritannien über deren künftigen Beziehungen. Ein wirtschaftlich florierendes Europa sei im Interesse aller Parteien, erklärt ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peking. China werde weiter mit Großbritannien zusammenarbeiten und vertraue völlig auf die China-EU-Beziehungen.

09.38 Uhr: Der Ablauf der Parlamentsdebatten in Berlin wird durch den Brexit durcheinandergewirbelt. Bundestagspräsident Norbert Lammert kündigt eine Sitzungsunterbrechung für diesen Freitagmittag an, damit sich die Fraktionen intern mit der Thematik auseinandersetzen können. Zu Beginn des Sitzungstages ruft Lammert die Abgeordneten zur Besonnenheit auf: "Großbritannien hat gestern darüber befunden, aus der Europäischen Union auszutreten, dennoch ist die Sonne heute morgen wieder aufgegangen. So bedauerlich das eine ist, so beruhigend ist das andere."

09.34 Uhr: Der Chef der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Björn Höcke, fordert ein EU-Referendum auch in Deutschland. "Mit dem Austritt aus der EU haben die Briten den Weg des kollektiven Wahnsinns verlassen und sich für Demokratie und Volkssouveränität entschieden", erklärt Höcke.

09.32 Uhr: Die Außenminister der sechs EU-Gründerstaaten kommen am Samstag zu Beratungen in Berlin zusammen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier werde seine Kollegen aus Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden im Gästehaus des Auswärtigen Amts in Berlin empfangen, teilt das Auswärtige Amt mit. Bei dem Treffen werde es um "aktuelle europapolitische Themen" gehen.

Brexit Angela Merkel

Bundeskanzlerin Merkel bei ihrer kurzen Erklärung in Berlin

09.24 Uhr: Der britische Premierminister David Cameron kündigt seinen Rücktritt bis Oktober an. Er werde noch drei Monate im Amt bleiben, erkärt er vor seinem Amtssitz Downing Street 10. Austrittsverhandlungen mit der EU sollten anschließend mit einem neuen Premierminister beginnen. "Das Land braucht ein neue Führung", so der konservative Politiker. "Ich glaube nicht, dass ich der richtige Kapitän bin, der unser Land an sein neues Ziel steuert." Der Wille des Volkes müsse respektiert werden, erklärt Cameron zum Ausgang des Referendums.

09.22 Uhr: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hält die Flüchtlingskrise für den entscheidenden Faktor beim Votum der Briten. Sie seien mit der EU-Flüchtlingspolitik unzufrieden, und sie hätten eine Antwort auf die Frage gesucht, wie man die "moderne Völkerwanderung" aufhalten könne, sagt der rechtspopulistische Politiker im ungarischen Staatsrundfunk. Man müsse die Entscheidung der Briten respektieren, denn jedes Volk habe das Recht, über das eigene Schicksal zu bestimmen.

09.20 Uhr: Der Brexit wird der Finanzbranche nach Einschätzung der Deutschen Bank zusetzen. "Die Konsequenzen lassen sich noch nicht vollständig absehen. Sie werden aber für alle Seiten negativ sein", sagt Vorstandschef John Cryan. "Sicherlich sind wir als Bank mit Sitz in Deutschland und einem starken Geschäft in Großbritannien gut darauf vorbereitet, die Folgen des Austritts zu mildern." Die Deutsche Bank beschäftigt in London über 8000 Mitarbeiter, vor allem im Investmentbanking. Der Brite Cryan hat im Vorfeld des Referendums angekündigt, die Bank werde im Fall eines Brexit den Handel mit Euro-Staatsanleihen aus London abziehen.

09.19 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck zeigt sich betroffen über das britische Votum. "Viele gute Europäer haben heute traurige Gefühle", sagt Gauck am Rande einer Veranstaltung in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Jetzt gehe es darum, an der europäischen Idee festzuhalten. Der bulgarische Präsident Rossen Plewneliew erklärt, dies sei "ein schlechter Tag für Europa, für die europäische Wirtschaft und für die europäische Demokratie".

09.17 Uhr: Der bevorstehende Ausstieg aus der EU brockt der Londoner Börse den größten Kurssturz seit 2008 ein. Der Auswahlindex FTSE fällt um bis zu 8,7 Prozent auf 5788,74 Punkte.

09.15 Uhr: Der Bundestag wird voraussichtlich am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen, wie Präsident Norbert Lammert mitteilt. In Vorbereitung des geplanten EU-Gipfels werde es dann eine Regierungserklärung geben. Man müsse sich jetzt "ebenso ruhig wie zügig" mit den Konsequenzen der britischen Entscheidung auseinandersetzen, so Lammert.

09.10 Uhr: Der deutsche Leitindex Dax ist um 9,98 Prozent auf 9233,48 Punkte abgesackt. Das ist der größte Kurssturz seit 2008. Am härtesten trifft es die Finanzwerte. Der Index für die Banken der Euro-Zone stürzt um bis zu 11,6 Prozent ab. Deutsche Bank und Commerzbank rutschen jeweils um mehr als 16 Prozent ab.

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