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Asien

Liu Xiaobo - Nobelpreisträger hinter Gittern

Der Friedensnobelpreisträger wird fehlen bei seiner Feier in Oslo. Denn er sitzt in einem chinesischen Gefängnis. Liu Xiaobo zeigt, wie kostbar die Freiheit des Wortes ist - und wie groß die Freiheit des Geistes.

Liu Xiaobo, der Friedensnobelpreisträger 2010 (Foto:ap)

Liu Xiaobo, der Friedensnobelpreisträger 2010

Studenten auf dem Tiananmen 1989 bringen einen Verletzten in Sicherheit (Foto:ap)

Studenten auf dem Tiananmen 1989 bringen einen Verletzten in Sicherheit

Seit Jahrzehnten ist Liu Xiaobo einer der bekanntesten Kritiker des kommunistischen Machtapparates in China. Seit knapp zwei Jahren sitzt er im Gefängnis. Gefängnismauern sind für den schmalen Mittfünfziger mit dem unbeugsamen Willen nichts Neues. Zum ersten Mal wurde er nach der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung 1989 verhaftet. Im Interview mit der ARD erinnerte er sich 2007 noch sehr genau an die Angst, die er empfand, als er gefesselt, geknebelt und mit verbundenen Augen in einen Wagen geworfen wurde: "Ich hatte keine Ahnung, wo sie mich hinbringen würden. Ich dachte, sie bringen mich sonst wohin und erschießen mich einfach."

Der Literaturwissenschaftler hatte sich 1989 auf die Seite der Studenten gestellt, sich für die Demokratisierung Chinas stark gemacht. Knapp zwei Jahre Haft konnten Liu nicht einschüchtern. Weitere Verhaftungen folgten 1995 und 1996. Liu Xiaobo wurde angetrieben auch von einem Gefühl der Verpflichtung gegenüber den Opfern vom Tiananmen-Platz: "Viele unschuldige Menschen wurden während des 4. Juni erschossen. Ich glaube, als Überlebender muss ich für die Gestorbenen um Gerechtigkeit kämpfen."

Der Überlebende von 1989 kämpft für die Toten

Liu Xia, die Frau von Liu Xiaobo, steht in China unter Hausarrest (Foto:ap)

Liu Xia, die Frau von Liu Xiaobo, steht in China unter Hausarrest

Ende 2008 wurde Liu Xiaobo erneut verhaftet: Als Hauptinitiator der "Charta 08", veröffentlicht am 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die "Charta 08" ist ein Manifest für die politische Modernisierung Chinas. Gewaltenteilung wird darin gefordert, Meinungsfreiheit und ein freier Wettbewerb politischer Parteien. Seine Frau Liu Xia erklärte im Sommer dieses Jahres, sie habe damals schon geahnt, dass die Kommunistische Partei ihren Mann für die "Charta 08" teuer bezahlen lassen würde. "Viele hätten an seiner Stelle aufgegeben, aber Xiaobo ist unglaublich willensstark", charakterisiert Liu Xia mit ihren kurzgeschorenen Haaren ihren Mann. "Wenn er an ein Ziel glaubt, dann wird er in diese Richtung gehen, selbst wenn er genau weiß, dass er es niemals erreichen kann. Er hat so etwas unglaublich Stures an sich."

Die Charta 08 traf den Nerv der chinesischen Führung

Pro-demokratische Demonstranten protestieren in Hongkong für Liu Xiaobos Freilassung (Foto:ap)

Pro-demokratische Demonstranten protestieren in Hongkong für Liu Xiaobos Freilassung

Inzwischen haben mehr als 10.000 Chinesen die Charta 08 unterzeichnet. Am Weihnachtstag 2009 wurde Liu Xiaobo zu nicht weniger als elf Jahren Haft verurteilt: wegen "Subversion". Im Nachhinein wirken seine Äußerungen in der Lobby eines Pekinger Hotels vom August 2007 geradezu prophetisch. Da bezeichnete Liu es nüchtern als "Berufsrisiko" eines Dissidenten, im Gefängnis zu landen. Es sei der Preis für die Wahl dieses Lebens, man könne auch etwas anderes machen. "Sobald du aber deine Entscheidung getroffen hast, solltest du dem Risiko und dem Druck mit Optimismus gegenüberstehen, mit Selbstvertrauen und in aller Ruhe." Liu stellte sich dem Druck mit einer unerschütterlich pazifistischen Haltung und ließ sich seine Würde nie nehmen. Im Februar dieses Jahres veröffentlichten mehrere internationale Zeitungen einen offenen Brief Lius mit dem Titel "Ich habe keine Feinde".

Liu Xiaobo verbüßt seine Haft in einem Gefängnis knapp 500 Kilometer nordöstlich von Peking, unweit seiner Heimat. Einmal im Monat darf er Besuch empfangen. Eine Besuchserlaubnis hat nur seine Frau. Aber die steht unter Hausarrest.

Autor: Matthias von Hein

Redaktion: Gudrun Heise

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